4.Mai The last Journey Norwod Feast und Tango at Balham

Gegen 13h erreiche ich diesmal auf Anraten meiner Gastgeberin doch mit dem Auto die Norwood Road Ecke Knight Hill und parke direkt neben dem West Norwood Cemetry gegenüber der Kirche.

Schöne Jazz-Piano-Klänge laden mich gleich ein, rüberzukommen und so eile ich über die Straße und die Stufen hoch und bin da. Und an dem Pianospieler vorbei – der gewöhnlich in einem Duett mit einem Cellisten spielt wie ich dem Hinweisschild neben ihm entnehmen kann – geh ich schnurstracks erstmal in die Kirche.

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Eine schlichte womöglich neogotische Innenarchitektur erwartet mich und eine Sofa Ecke direkt in die Gebetsreihen integriert lädt zum Verweilen ein. Links von mir befindet sich ein kleiner Stand mit Tee,Kaffee und Gebäck und auf mich sehr freundlich anmutenden Menschen. Ob das wohl noch eine echte Kirche istmit Gottesdienst oder eher einTreffpunkt ? Fields of Gold von der leider sehr jung verstorbenen Eva Cassidy interpretiert, erklingt aus den Lautsprechern, über die normalerweise sicher der Pfarrer oder die Pfarrerin zu hören sind und ich singe einfach mit ohne Angst, dass mich jemand hören könnte-natürlich nur an den Stellen, wo ich die Töne wirklich treffe. Es sollen sich ja alle weiterhin wohlfühlen.
Als ich dann direkt links von mir einen Tisch mit Flyern von Veranstaltungen der Kirche entdecke und folgendes Bild sehe, werde ich stutzig.

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Where is my home? steht da und ich fühle mich sehr angesprochen. Eine Ankündigung auf eine Veranstaltung am kommenden Samstag mit Musik, Gedichten und Lesung. Das klingt gut, aber da werde ich in Cornwall sein. Dennoch veranlasst mich diese Ankündigung noch länger in der Kirche zu verweilen. Ich mochte Kirchen schon als Kind sehr gerne, obwohl ich nicht religiös war, aber diese mächtigen kunstvollen Gebäude flößten mir stets Ehrfurcht ein und machten mir Geschichte erst wirklich bewusst. Eine Ahnung, wie viele Menschen in Ihnen schon Schutz und Geborgenheit gefunden haben mögen, entsteht dabei jedes Mal erneut.
Für mich sind solche kleinen Entdeckungen wie so ein Flyer wie kleine Hinweise, die mir das Leben, das Universum oder wie ich es nennen mag als Anregung vorschlägt.
Eine nette Dame bot mir noch eine Tasse Tee an und wir kamen kurz sehr freundlich ins Gespräch über die Kirche und dass sie eine weltoffenere Richtung einschlagen, wie das ja einige tun und ich muss sagen, es fühlte sich sehr nach echter Gemeinschaft an.
Wieder draußen angelangt war es ein ebenso freundlicher wie friedvoller Anblick: überall Stände mit Essen, vielen Menschen aber nicht zu viele saßen auf den Wiesen und lachten und aßen Leckereien, tranken Bier oder Kaffee und jeder schien sich rundum wohlzufühlen. Genauso fühlte es sich dort auch an und selbst ohne jemanden zu kennen, blieb ich bis zum Nachmittag dort schaute den Menschen zu und hörte auf die Musik.
Eigentlich war ich noch kurz auf einer Führung auf dem West Norwood Cemetry, einem Friedhof mit einigen Gräbern bekannter Persönlichkeiten Englands. Und obwohl ich diesem älteren very british man so unendlich gerne zuhörte, wie er jeden Satz in feinstem britischem Englisch und einem so schönen Klang in meinen Ohren formulierte, vernahm ich plötzlich die Klänge eines Chores von der St. Luke Church kommend , die mich nicht mehr losließen und nachdem er an einer Grabstelle seine Ausführungen beendet hatte und die Gruppe weiterlief, bog ich schnellen Schrittes Richtung Kirche ab und dachte so bei mir, was will ich bei den Toten, mein Hund ist grad gestorben und es dürstet mich nach Leben und Freude und weg war ich.
Es folgten noch andere Musiker und einer sang so schöne Lieder, die mich jedoch traurig machten. Das Thema Einsamkeit stieg wieder in mir auf und plötzlich war ich bei dem Gedanken an Zora, die doch so viele Kontakte für mich im Vorübergehen gemacht hatte, kurz vorm Weinen. Wie sollte ich denn in Zukunft Leute kennenlernen ohne sie? Sie war doch die von uns beiden, die so viel Aufmerksamkeit erregte, dass die Leute stehen blieben und sie fotografierten. Da konnte ich nicht mithalten. Natürlich war da auch ein Anteil in mir, der mir versicherte, dass ich das auch so schaffen würde , aber der war grad sehr leise.
Und so entschied ich, dass ich jetzt doch langsam mal zu meiner ausgewählten Tangoveranstaltung im Excelsior in Balham ausrücken sollte.

Als ich jedoch meine Sachen ins Auto getan hatte, wurde mein Blick noch von diesem Stand and er Straße neben der Kirche eingefangen und ich hatte plötzlich die Eingebung,ich müsste dort unbedingt noch hingehen.
Da war eine rothaarige Frau, die den Tisch gerade abräumte und meinen neugierigen Blick auffing und mir einen Flyer mit einem Theaterstück, das dort bald aufgeführt würde in die Hand drückte und ich bedankte mich und sie räumte weiter ab und da dort große Zettel am Tisch hingen mit der Aufschrift „Save the old Fire Station“ erinnerte ich mich, dass ich auf dem Weg unmittelbar vor Norwood an einer alten Feuerwehr vorbeigefahren war, an der Feuerwehrleute demonstrierten, da die Regierung diese Feuerwache schließen will. Und so fragte ich sie, ob denn die Initiative Aussicht auf Erfolg hätte. Und dann legte sie richtig los und erzählte und erzählte und nach einigen Minuten begriff ich, dass es sich um dieses alte Gebäude handelte, das war die alte Feuerwehrstation von 1883 oder so -http://southlondontheatre.co.uk/restoration/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1-und es vergingen keine 5 Minuten, da gab sie mir eine kleine Privatführung durchs Theater und erzählte von den Restaurierungen, die geplant sind und dass sie 20% der Kosten selbst aufbringen müssten,aber das es gut aussieht und wenn ich wollte, könnte ich mir gern mit ihr noch die Proben zum neuen Stück ansehen. Ich musste das leider sehr höflich ablehnen,weil ich zum Tango wollte.Wir plauderten aber noch eine Weile und ich erzählte aus dem Gespräch heraus von meinen Reiseplänen und von Zora und dass ich gern eine Weile länger in England bliebe und so sprach sie mir noch einige Empfehlungen aus und bot mir sogar noch an, in ihrem Cottage in Cornwall zu bleiben, wenn ich möchte. Sicher nicht umsonst, aber eine sehr freundliche Geste, so gab sie mir ihre Telefonnummer und ihre Email und meinte, ich solle mich einfach melden, falls ich ins Theater möchte, würde sie mir eine Karte besorgen. Sie hieß Lisa und war wirklich freundlich. Das zum Thema wie ich ohne Zora bloß jemanden kennenlernen soll. Fehlte nur noch das Fotografieren. Vielleicht,wenn ich mir auch ein Schlappohr zulege….;-)

post scriptum: auch wenn ich mich zum Schluss wieder einsam fühlte, hab ich dennoch an diesem Ort so viele freundliche Menschen getroffen. Solche, die mir ein ehrliches warmes Lächeln von Herzen schenkten und das tat so gut. Überhaupt verglichen zu meiner Touristentour am Vortag habe ich dort erstaunlich schöne Menschen dort gesehen. Menschen, die zufrieden wirkten, ausgeglichen, die ein Gefühl des Miteinander verströmten. Das hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, eine Weile dort zu bleiben. Nun,manche kennen meine Luftschlösser, aber ein Zimmer mieten ohne Hund ist sicher nicht so schwer und nicht so teuer in diesem Bezirk, der ein wenig dem alten SO 36 in Berlin ähnelt.

2 Kommentare zu „4.Mai The last Journey Norwod Feast und Tango at Balham“

  1. Liebe Patricia,
    wie Du Deine Erfahrungen des alleine Reisens schilderst, weckt in mir starke Erinnerungen. Ich genieße ja jeden Tag mit Andreas, aber manchmal vermisse ich die Qualität des alleine Reisens. Wir haben alleine eine ganz andere Offenheit und die Menschen, denen wir begegnen, haben weniger Hemmungen uns anzusprechen.
    Ich habe das immer sehr genossen. Es ist schön, an Deiner Reise teilzunehmen.
    Liebe Grüße, Ursula

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