5.Mai The Last Journey Porthcurno-Cornwall

Heute ist es genau eine Woche her. Ich trau mich kaum hinzuspüren. Heute morgen waren die Bilder wieder da:Zoras viel zu blasse Zunge, diese merkwürdigen Stellen darauf, wie sie sich nach dem Zwangsspaziergang sofort an den Teich legte und einfach nicht mehr wollte, nicht mehr konnte-keine Kraft mehr hatte und ich auch nicht. Als hätten wir das über Nacht nochmal genau abgesprochen und uns in stiller Übereinkunft dazu entschieden, nun loszulassen. Das haben wir auch getan über mehrere Tage-mit Blicken, Gesten, Gedanken.

Die Fahrt nach Cornwall war beschwerlich. Ich hab die Urne für diese Fahrt extra auf dem Rücksitz postiert, auch wenn das aussieht wie ein Schrein, das soll es eigentlich nicht, da ist auch immer ein gutes Quentchen Humor dabei – ein lachendes, ein weinendes Auge – wirklich gelungen ist der Schatten der Hundepfote – der Stoffhund liegt nur ersatzweise auf der Ablage bis ein Wackeldackel kommt.

Es gab einen Moment am Nachmittag, da brach der Schmerz einfach nur heraus und ich hab beinahe geschrien, weil es so weh tat. Danach war es etwas ruhiger in mir.
Ein Freund schrieb mir sinngemäß etwas wie „Weitermachen, doch wozu?“ Und es fühlte sich genau so an-wo war der Sinn im Weitermachen?
Die Tierärztin sagte bei all meiner Sorge um Zora vorletzte Woche, ich solle jetzt einfach nur von morgens bis mittags denken. Wenn man sich auf den Atem konzentriert, hält man automatisch inne und die Gedanken und damit auch die Sorgen verschwinden im Augenblick und man ist für den kleinen Moment tatsächlich im Hier und Jetzt.
Ich glaube, jedEr von uns kennt solche Momente und je älter und erfahrener wir werden, um so mehr können wir diese ertragen und einschätzen. So auch ich allein in der Erinnerung an den gestrigen Tag und die vielen unerwarteten Wendungen, die mich immer wieder von Sinnfragen abschweifen lassen, weil das Leben dann doch einfach passiert, wenn man es zulässt.
Ob es die Musik im Radio ist, die mich begleitet- und ich war reich beschenkt heute, denn ich konnte im Rahmen der Bankholidays (Feiertag in England) auf BBC 2 meine Kindheit und Jugend an mir vorüberziehen lassen, mitsingen, mich erinnern mit TRex‘ Children of the Revolution, The Sweets‘ Love is like Oxygene oder Supertramps Breakfast in America oder Hotel California. All diese Lieder bekommen dann plötzlich eine neue Bedeutung und machen Spaß oder manchmal auch wehmütig. Bei einigen hatte ich das Gefühl,-ich verstehe den Text zum ersten Mal. Wie kleine Geschenke,die ich auspacken kann, wenn ich nur möchte.

Schließlich kam ein Schild mit dem Hinweis „Stonehenge“ – und alle Sinnfragen waren völlig aus meiner eben noch schwermütigen Stimmung entwischt- vielleicht ist genau das mein Geschenk hier auf dieser Welt, dass ich es immer wieder schaffe, etwas neues zu finden, das meine Neugier aufs Leben wieder und wieder weckt. Genau so war Zora, immer wieder fand sie etwas, das ihre Aufmerksamkeit erregte und woraus sie ein Spiel machen konnte.

Heute bei meiner Ankunft in dieser nebligen Einöde am Ende Englands-einen Steinwurf von Lands End entfernt,fehlt sie mir ganz furchtbar. Bei meiner Ankunft sagte ich meiner Gastgeberin, ich versuche es genau 3 Tage, weil es hier so einsam ist und ich nicht sicher bin, ob ich mir selbst schon so hautnah begegnen kann.

Keine 10 Minuten später erzählte sie etwas von Baskin Sharks, die in der Bucht gesehen wurden und von Mini Stonehenge Stones in der Gegend….und wieder bin ich neugierig-neugierig auf morgen und wie es mir geht und was der Tag mir bescheren wird.

20140506-010935.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s