6.Mai The Last Journey Am Abend betrachtet

…war der Tag in sich gespalten. Nach der schönen Pause am Meer folgte ein ziemlich steiler Aufstieg zum legendären Minack Theatre, einem Theater mitten in den Felsen oben auf der Klippe sozusagen, von dem man zunächst vermutet, es sei von den Römern bereits erbaut worden. Weit gefehlt: eine einzige Frau hat es in den Jahren von 1931-1983, dem Jahr Ihres Todes entworfen, erbaut und finanziert. Eine tolle Sache, wenn es Mittwoch Abend nicht zu kalt und regnerisch wird, werde ich mir also am Abend mit Blick über den Atlantic ein Theaterstück ansehen können.
Oberhalb des Meeres befinden sich wunderschöne oft verschlungene und auch verwunschen anmutende Wanderwege durch eine heideartige Landschaft voller kleiner bunter Blumen und Farne. Dazwischen findet sich hier und da ein kleiner Wasserfall, der die Klippen hinunter bis zum Strand verläuft.
Irgendwo da auf meinem Weg holte mich der Verlust dann doch wieder ein und ich spürte ihn so schmerzlich, dass ich regelrecht in ein Loch fiel. Eine Schwere überkam mich, die bis heute abend andauerte und nur durch die kurzen Gespräche hier mit anderen Gästen oder meiner Gastgeberin zeitweilig unterbrochen wurden.
Der Spagat zwischen den Erinnerungen und den Bildern, die in meinem Kopf entstanden waren, machte mir zu schaffen. Es war den Tag über so , als wäre sie bei mir, würde alles miterleben. Dabei schwankte mein Bild von ihr zwischen Welpenalter, Jugend und Endstadium.
Seit meine Eltern vor inzwischen 9 bzw. 8 Jahren nacheinander gestorben sind, hat mich diese tiefe Einsamkeit, dieses Gefühl des Verlorenseins nicht mehr richtig losgelassen. Das ist mit dem Verlust von Zora, für den ich bei weitem mehr Vorbereitungszeit hatte, natürlich nicht wirklich anders – nur nicht so neu.
Ich habe in den letzten Jahren viel über den Tod nachgedacht, was das eigentlich ist, was da mit uns passiert. Gibt es eine Seele? Stirbt nur unsere irdische Hülle und der Geist lebt weiter? Ich verwarf all diese Gedanken und war fest überzeugt, wir haben einfach nur ein Zentrales Nervensystem und irgendwann ist die Batterie eben leer und damit sterben auch alle Gefühle, die ja auch nur chemische entstehen.
Vor zwei Jahren war ich in Italien in einem Museum und sah erstmals eine Übersicht der chemischen Bestandteile unseres Körpers. Alles findet sich auf der Erde und im Universum wieder. Ich war ehrlich verblüfft. Hätte ich in Chemie und Biologie besser zugehört, wäre mir diese Erleuchtung womöglich früher vergönnt gewesen, doch ich hatte mich nie mit solchen Dingen beschäftigen wollen.
Viel später ging ich einmal mit Zora im Grunewald spazieren und fand einen jungen Baum abgeknickt über den Weg hängen. Das rührte mich so an, dass ich nachsah, ob ich tote Stämme zum Abstützen finden könnte, damit sein junges Leben nicht schon vorbei sein musste. Unter Aufbringung aller körperlichen Kräfte,denn so ein junger umgeknickter Baum ist wirklich ganz schön schwer- schaffte ich es, ihn mit einem Arm aufzurichten und mit der anderen Hand die gefunden Stämme als Krücken gleichsam in Position zu bringen. Ich hab geweint dabei, weil es anstrengend war und weil ich stellvertretend ( vielleicht meine Eltern ) diesen Baum unbedingt retten wollte. Damals bekam ich eine Ahnung davon, was mit der buddhistischen Auffassung von unserer aller Verbundenheit gemeint sein könnte, was bei Beerdigungen Asche zu Asche bedeutete.
Der Tod meiner Oma war der erste große sehr schmerzhafte Verlust in meinem Leben und ich sah sie noch lange immer wieder in anderen Menschen und erschrak dann immer.
Als mein Vater gestorben war und meine Mutter schwer krank war, sah ich ihn ständig in anderen Menschen, die ihm ähnlich sahen, manchmal auch von hinten auf der Straße oder mir entgegenkommen. Ein Jahr nach seinem Tod an dem Abend vor Weihnachten ging ich mit Zora in absolut ländlicher Dunkelheit spazieren und hörte Tango mit dem Ipod, als ich plötzlich erschrak; ich drehte mich um und hatte das Gefühl,mein Vater sei dort irgendwo und rief ängstlich in die Stille „Papa“?
Am nächsten Tag rief mein Onkel an und sagte mir, dass meine Mutter gestorben war und zwar genau zu der Zeit, als ich in die Stille gerufen hatte. Ich hab meinen Vater danach nicht mehr gesehen.
Wie ist das also mit dem Tod und dem Geist? Ist es da tatsächlich so abwegig, dass Zora mich hier ab und an begleitet….

Den Baum von damals hab ich übrigens seitdem häufig besucht, er hat es mit aller Kraft überlebt und bekommt jedes Jahr neue Triebe. 😉

Noch einige schöne Eindrücke von meinen Spaziergängen.

20140507-120503.jpg

20140507-120515.jpg

20140507-120521.jpg

20140507-120536.jpg

20140507-120551.jpg

2 Kommentare zu „6.Mai The Last Journey Am Abend betrachtet“

  1. Hallo liebe Patricia, ich verfolge immer noch aufmerksam und beeindruckt deinen blog, er ist sehr emotional…es würde hier den Rahmen sprengen wenn ich lange kommentieren würde, deshalb ist es eine gute Idee sich einmal zu einem gemeinsamen Spaziergang zu treffen wenn du wieder da bist.
    Übrigens bin ich Christin und der festen Überzeugung dass unsere Seelen weiterleben, das hat mich sehr getröstet nach dem Verlust meiner Eltern vor vielen, vielen Jahren und ich spüre dass sie mir auch heute noch nahe sind, vielleicht noch intensiver als sie es zu Lebzeiten vermochten.
    Übrigens, das Meer…großartig.
    Liebe Grüße
    Uschi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s