7.Mai The Last Journey Prussia Cove to St.Michaels‘ Mount

Etwa 15 Minuten mit dem Auto entfernt gibt es einen wunderbaren Küstenpfad entlang der alten Schmugglerbuchten von Penwith, der Region um Penzance. Man fährt in Rosudgeon eine kleine Sackgasse entlang bis zu ihrem wirklichen Ende, das sich in dem Fall wirklich endlos lang nach hinten ausdehnte. Das Verrückte ist, dass hier tatsächlich auch Menschen leben, obwohl man den Eindruck hat, das hier eigentlich nichts mehr kommen kann.
Am Ende befindet sich ein wilder kostenfreier Parkplatz und gleich daneben startet auch schon der Public Footpath-der offizielle Wanderweg.

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Wie schon gestern erwähnt, sind die Wege hier ziemlich verwunschen und verschlungen und ich bin oft an Überwege gekommen, den sog. Stiles, an denen ich zunächst den Eindruck hatte, jetzt wäre ich am Ende oder der Weg wäre gesperrt, wie das an der Küste infolge der Unterspülungen oft der Fall ist.

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Mein erster aufregender Ausblick fällt nach einem wiederum märchenhaften kleinen Durchgang auf Bessies Cove, eine idyllische kleine Fischerbucht komplett mit Fischerhütte. Bei Ebbe wurden diese Buchten im 18. und 19. Jahrhundert von den Schmugglern genutzt und man kann deren Wege an manchen Stellen noch wunderschön nachziehen. Man erzählt sich hier die Geschichte der Familie Carter, die hier im 18.Jh unzählige Waren geschmuggelt hat. Einer der Brüder trug den Spitznamen „King of Prussia“(König von Preußen), nach dem diese Gegend benannt worden ist. Sie nutzten diese 3 Buchten für ihr Schmuggelgut: King’s Cove im Osten, Bessies Cove und Piskies Cove.

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Sehr stürmisch geht es weiter an malerischen Klippen vorbei mit unglaublich beeindruckenden Felsen und Schluchten. Ich konnte leider nicht ganz so nah an den Rand, wie ich es mir gewünscht hätte, weil dann der Blog womöglich ein jähes Ende gefunden hätte. Andererseits bin ich mit zunehmendem Alter auch immer anfälliger für Schwindel in entsprechenden Höhen geworden.

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Der Weg ist gesäumt von unzähligen sogenannten Blue Bells (Atlantisches Hasenglöckchen, eine Hyazinthenart-ich musste das nachschlagen, die Botaniker unter Euch kennen diese hübschen blauen Blümchen ganz sicher)

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Diesen Namen weiss ich auch nur, weil ich unterwegs kurz vor St. Michaels Mount am Strand eine reizende ältere Dame mit ihrem ebenfalls älteren Cockerspaniel traf und wir anlässlich des doch recht stürmischen kalten Wetters ins Gespräch kamen. Man muss wissen, dass die Briten einen unterwegs auf den Footpaths zum Beispiel mit einem ‚It turned pretty cold‘ -so als wäre man ohnehin mitten im Gespräch gewesen auf einer großen Wiese, in deren Mitte man sich zufällig begegnet ist. Mit dieser Lady kam ich etwas länger ins Gespräch, weil das mit Hundebesitzern manchmal so sein kann und sie erzählte dann als ich sagte, dass ich in Prussia Cove losgelaufen sei, dass sie mit ihren Eltern und Geschwistern als Kind ab Penzance losgelaufen sind bis Prussia Cova und unterwegs hätte man dann ein Feuer gemacht und sich das Essen zubereitet und wäre dann wieder zurückgewandert. Da war man den ganzen Tag unterwegs. Heute wäre das unvorstellbar, dass ihre Enkelkinder wenigstens die Hälfte der Wanderung zu Fuß zurücklegen würden. Natürlich sprachen wir auch über ihren Hund und das Gespräch kam auch auf Zora. Sie legte voller Anteilnahme ihre Hand auf meinen Arm und strich darüber und ich musste mich zusammenreißen, nicht sofort loszuheulen. Sie erzähle, dass sie Lungenkrebs hatte und dass ihr Hund während der Chemotherapie nicht von ihrer Seite gewichen sei. Ja so sind sie unsere vierbeinigen Freunde, sie spüren immer genau, was los ist.

Mein Weg führt mich die ganze Küste entlang bis St.Michaels Mount, den man zu Fuß nur bei Ebbe erreichen kann, andernfalls mit einer kleinen Fähre. Doch dieser Fußweg ist eben das ganz besondere Happening, das man einfach gern mitnimmt. Und nach meinem wirklich für mich langen Weg von etwa 6-8 km bin ich nur um es auch gesehen zu haben auf dem Wasserweg zu Fuß langgegangen. Ich war offenbar zu spät dran, denn als ich gegen 17.00h St.Michaels Mount erreichte, war eigentlich schon alles geschlossen auf der Insel. Ich sah noch die Fußstapfen von Prinz Charles und Camilla, die anlässlich ihres Besuchs in 2010 dort genommen worden waren. Sehr aufregend! Da sieht man eine große und eine kleinere zierlichere Schuhsohle in Kupfer gegossen am Boden und fragt sich, was das soll. Auch das ist Großbritannien!´

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Der Weg im ganzen war wirklich so unbeschreiblich schön und abwechslungsreich und natürlich kam Zora wieder irgendwann dazu, machte Schabernack in den Wiesen, war beleidigt , wenn ich andere Hunde streichelte, alles ganz so wie im echten Leben. Und das Gute war, dass es an der Küste nicht nur relativ leer ob des Wetters war, sondern auch so stürmisch und laut, dass ich meinen immer wieder kurzen aber heftigen Impulsen zu weinen hemmungslos nachgehen und meinem in manchen Momenten unerträglichen Vermissen lauthals Ausdruck verleihen konnte.

An einer Stelle, an welcher der Weg ein wenig abknickte, so dass ich den weiteren Verlauf nicht einsehen konnte, riss mich plötzlich ein scheinbar ganz allein in der Gegend sitzend älterer Gold Retriever aus meinen Gedanken, der mich ansah, als hätte er dort nur auf mich gewartet. Auf meine Ansprache kam er auch sogleich rüber zu mir, ließ sich streicheln und starrte immer hinter mich und lief zweimal kurz um mich herum und kam zurück, als käme da gleich jemand und er müsste dort auch jemanden begrüßen. Vielleicht hat er ja Zora gesehen…. Dann kam eine ebenfalls sehr nette Lady und meinte ‚er scheint immer zu glauben, er sei allein unterwegs obwohl er es ja nicht ist, aber er denkt einfach, er sei ziemlich unabhängig.Ich lasse ihm das‘. Ich traf mindestens 5 Hunde auf meinem Weg und ausnahmslos jeder hat mich von sich aus freundlichst begrüßt, als würden wir uns schon lange kennen. Ob Zora Ihnen Bescheid gesagt hat, dass mir das Streicheln so sehr fehlt?

Auf dem Rückweg schmerzen meine Füße so sehr, dass ich überlege, den Bus zu nehmen-der kommt leider nur 3 mal am Tag und führt mich nicht wirklich an meinen Ausgangspunkt zurück. Ich mache mitten auf dem Weg eine kleine Pause, esse und trinke etwas und stapfe wirklich mit der Ausdauer einer Frau, die überleben möchte – als sei ich irgendwo verloren in der Wüste, doch ich war wirklich k.o. – mit Blasen an den Füßen (vielleicht hätte ich doch die Wanderschuhe aus dem Keller mitnehmen sollen) so rasch es geht zurück nur noch mit dem Ziel im Kopf, endlich ins Auto zu steigen und in meiner Unterkunft ein Fußbad (daran hab ich allerdings gedacht ;-)) zu nehmen.
Der Weg über Land soll ganz klar ausgeschildert sein, sagt mein Wanderführer – naja, an irgendeinem Stile finde ich kein Hinweisschild und überquere ein Feld querbeet Richtung Acton Castle von 1775 – John Stackhouse lebte hier mit seiner Frau Susanna Acton of Scott, und nein, er hat es nicht für sie, sondern weil er die See so liebte direkt an der Küste bauen lassen. Von dort sind es nur noch schlappe 800 Meter bis zum Parkplatz und ich hab mich lange nicht mehr so auf mein Auto gefreut.

Als ich zurück bin, kommt auch Sam – meine Gastgeberin, die hier mit ihrer etwas bekannteren Schwester Tiffany Coates lebt
(Worlds Famoust Motorbike Guide- http://tiffanystravels.co.uk -liest sich wie ein Film, leider ist sie bis 19.5. in Nepal auf einer Tour in den Himalaya- keine Ahnung , ob ich bis zu ihrer Rückkehr noch hier sein werde -obwohl ich sehr neugierig bin auf sie)
nach Hause und bringt einen Freund mit. Scott ist sehr entspannt barfuß in seinen Bermudas – (während ich mit Fließjacke am Tisch sitze )- und witzig und sie erzählt ihm beim Essen, bei dem wir alles zusammen auf den Tisch tun, meinen Salat mit dem perfect balsamico dressing von Paul Newman , das man durchaus nehmen kann, wenn man mal keine Lust hat, selbst anzurichten – und sie haben gedünstetes Gemüse und Lachs und Vollkornpasta (die britische Küche hat sich gegenüber meinem Letzten Besuch vor 20 Jahren erheblich verbessert!)
über ihre Arbeit und es ist so sehr wie Musik in meinen Ohren, dieses British English und sie entschuldigen sich mehrmals, dass sie mich so langweilen mit ihrer Jobgeschichte, aber ich beruhige sie und sage, dass es mir ein Vergnügen ist, dabei zuhören zu dürfen, weil es doch auf englisch ist und ich Worte lerne wie ‚People Pleaser‘ – und ich erkenne, die Inhalte sind dieselben wie bei uns – es klingt nur viel schöner. Und dann mache ich mein Fußbad und höre den inzwischen heimgekehrten Gästen Tim und Emma from Edinburgh zu, wie sie von dem doch eher langweiligen Theaterstück oben im Minack Theatre berichten und ich bin froh, dass ich mich heute dagegen entschieden hatte.

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