8. Mai The Last Journey Land’s End und Sennen Cove

Jeden Tag nach dem Aufstehen oder nach dem Frühstück spreche ich mit dem Foto von Zora. Ich begrüße sie oder sag was nettes oder erzähle etwas. Ich hab schon immer vor mich hin geplappert, nur dass Zora dann auch darauf reagierte, wenn ich sie ansprach und den Kopf zur Seite legte, als versuchte sie mich besser zu verstehen. Dann streichel ich die Nase auf dem Foto und es fühlt sich so an, als könnte ich ihre Nase wirklich noch spüren. Manchmal werde ich dann traurig, manchmal lache ich über mich, ein anderes Mal bin ich überrascht, dass es sich noch so echt anfühlt aus der Erinnerung.

Heut war kein so guter Tag. Ich habe schlecht geschlafen, weil ich nach 22.00h noch super leckere dunkle Ingwerschokolade in mich hineingeschlungen habe und dazu noch schöne dark-chocolate Cookies und dann war ich wach – sehr lange. Gegen 2.30h bin ich eingeschlafen und um 8.00h wieder aufgewacht. Meine Stimmung war entsprechend gedrückt und ich hatte den ganzen Tag Kopfschmerzen.
Das Wetter leistete passend seinen Beitrag dazu – erst gegen Nachmittag ab 16.00h hörte es auf zu regnen und ich ging los und fuhr nach Land’s End.

Dort war es einmal schön, glaube ich. Heute fährt man durch eine Art Tor wie bei einer Ranch, kann sich auf einen horrend teuren Parkplatz stellen und geht dann auf ein weiteres Tor zu, das wie aus einer Casino-Welt abkopiert wirkt. Es hat ein bißchen etwas von British-Disneyland, hatte ich in einem Forum gelesen, doch ich wollte mir selbst ein Bild machen.
Nach dem ersten Tor machte ich nur noch einen U-Turn und fuhr davon, hier wollte ich nicht sein. Eintritt zahlen, um das westlichste Ende von Cornwall zu sehen, das Verschandeln von Natur zu unterstützen – nein danke!
Ich fuhr weiter und kam an Sennen Cove vorbei, der Ausblick auf die Küste erschien mir abermals sehenswert und so parkte ich das Auto kurz in einer Haltebucht und überquerte die Straße, um eine bessere Aussicht zu haben.

Auf der anderen Seite angekommen brach ich heulend zusammen. Es war wohl schon sehr viel früher heute gekippt. Irgendwann als ich noch am Tisch saß und den Blog für gestern schrieb, wurde mir klar, dass ich trotz des Wetters nicht aus dem Haus musste, der Hund war ja nicht mehr da-Zora war weg.

Ich konnte fast eine Stunde nicht mehr aufhören zu weinen. Meine Gedanken kreisten nur um Zora und dass mir ohne sie nichts mehr Spaß macht und was das ganze eigentlich soll. Mir wurde schlagartig klar, dass es egal war, wo ich mich befand. Es machte keinen Sinn, mich nach Freunden zu sehnen, die mich stützten, denn am Ende des Tages war ich doch wieder allein mit mir und meinen Gedanken und meinem Schmerz. Da ist es eigentlich besser, dass ich hier bin und andere Dinge sehen kann, mich an der Natur in besseren Momenten erfreuen kann als zuhause die Tür aufzuschließen und einen kleinen Augenblick vorher noch innezuhalten und mich daran zu erinnern, dass da jetzt kein Schnurfel mehr ist, der mich begrüßt, wenn ich gleich die Tür öffnen würde.

Eine doppelte Menge an Notfalltropfen und ein paar Globuli machten mich ruhiger und dem anhaltenden Schluchzen ein Ende. Ich fuhr nach Penzance in den Supermarkt und kaufte ein. Das Vergleichen von Teepreisen kann eine ungemein angenehme Ablenkung sein.

Als ich fertig war mit meinen Einkäufen und zuhause (ich bezeichne das bewusst so, denn das ist es momentan irgendwie) ankam, funkte ich meine beste Freundin von allen an, ob sie mich mal anrufen könnte. Wir plauderten eine Weile und sie meinte irgendwann, dass sie überrascht sei, weil mein Blog sich so liest, als würde es mir viel besser gehen.

Das tut es auch meistens, aber diese Momente gibt es eben auch und zwar jeden Tag – mal sind sie kürzer, mal sind sie länger, je nachdem wie gut ich meine Gedanken im Griff habe, wie gut ich im Hier und Jetzt sein kann, ob ich früh genug ins Bett gegangen bin und wann ich gegessen habe – das spielt eine sehr große Rolle.
Wenn ich schreibe, lege ich den Fokus intuitiv auf das Gute des Tages, das stärkt mich und gibt mir vielleicht ein wenig mehr die Illusion, dass es am nächsten Tag weiter und womöglich besser geht.

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2 Kommentare zu „8. Mai The Last Journey Land’s End und Sennen Cove“

  1. Meine tapfere Freundin!
    Ich denke an Dich, jeden Tag. Und jetzt möchte ich Dich auch auf diesem Weg grüßen und Dir sagen, dass ich Dich und Deine Reise durch das Lesen Deines Blogs begleite.
    Zori bleibt für immer bei uns, in unseren Gedanken und in unseren Herzen. Sie hat uns mit ihrer Anwesenheit bei uns so sehr bereichert.
    Wer sie kannte, trauert um sie.
    Die Natur ist grausam und tröstlich zugleich. So wie Deine Eindrücke vom gewaltigen Meer und den verwunschenen Pfaden, die Du jetzt gehst, zeigen. Und die Begegnungen, die Du machst… Ich bin stolz auf Dich, dass Du das alles so hin bekommst!

    Greetings from best friend of all (Zitat) and her man

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