13. Mai. The Last Journey Farmers Market Sennen and Carn Euny

Heute morgen soll ich spontan bei Chris vorbeikommen, um mir anzusehen, wie weit die Umsetzung unserer Idee gediehen ist und ob sie so weitermachen soll. Es macht mir den Eindruck, dass sie wirklich von innen heraus das Bedürfnis hat, dieses Schmuckstück mit Liebe zu gestalten. Sie scheint ähnlich wie ich Dinge, die sie berühren, nahe an sich heran zu lassen. Schließlich haben wir uns ja auch sehr lange über sehr persönliche Dinge unterhalten und so ist sie irgendwie auch ein bisschen mitten im Geschehen.
Doch zuerst möchte ich unbedingt nochmal zum Farmers Market, der diesmal in Sennen stattfindet und doch etwas größer sein soll als neulich in St.Buryan. Es liegt auf dem Weg und ich sage Chris bescheid, dass es etwas später werden könnte. Alles kein Problem, sie müsste auch beim Farmers Market jemanden treffen, womöglich würden wir uns dort ja sehen.

Ich bin schon beinahe auf dem Weg in die Bucht nach unten, als mir ein Mann mit Taschen und Tüten entgegen kommt und ich halte kurz und frage ihn nach dem Farmers Market. Er weist mir freundlich die Richtung und schon bin ich nach ein paar Metern angekommen.
Schon als ich aussteige und zum Eingang rübergehe, bin ich begeistert, denn vor mir laufen drei alte Ladies, die Joggingschuhe tragen. Mir ist so, als hätte sich das in Deutschland noch nicht durchgesetzt, ich erinnere das aus den USA schon Ende der 1970er Jahre.
Vor dem Eingang ist ein Gemüsestand und rechts davon ein Stand, der in schwarz gehüllt ist und auch der junge Mann dort trägt ein interessantes schwarzes Outfit und lächelt mich mit einem freundlichen ‚Hello‘ an. Auf seiner Speisekarte stehen kornische Begriffe, wie ich später erfahren werde.
Drinnen sitzt im Eingang eine alte Lady und zählt die Besucher mit einem freundlichen Lächeln und eine weitere fragt, ob man schon mal da war und erläutert kurz, wo sich was befindet.
Schon entdecke ich mein zahnloses Wolle verkaufendes Ehepaar vom Wochenende und wir begrüßen uns und er führt mich nach oben und zeigt mir die Aussicht auf die Halle. Er scheint richtig stolz zu sein, wie er mir von da oben die Aussicht auf die Halle präsentiert. Ich pflichte ihm freundlich bei und dann geht er wieder nach unten und überlässt mich meinen Eindrücken.

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Zunächst bleibe ich begeistert an einem Stand mit kleinen Tischkreiseln aus Holz stehen. Sie sehen ein bisschen aus, als wären sie aus einem Wurzelholz gefräst, denn sie sind ganz hell und haben dann diese dunklen verschlungenen Maserungen wie es bei Olivenholz der Fall ist.
Ich beginne sie auszuprobieren. Nach dem fünften Kreisel fragt mich der grauhaarige etwas ältere Herr, ob ich sie alle ausprobieren möchte und hat einen leicht schmunzelnden Ausdruck im Gesicht. Natürlich‘, erwidere ich, denn ich müsste doch wissen, wie sie aussehen beim Drehen, wie sollte ich mich sonst entscheiden. Ich erzähle ihm, dass mich Kreisel seit meinem zweiten Lebensjahr immer wieder faszinieren und begleiten und dann zieht er einen dunklen mit schwarzen Ringen darauf hervor und dreht diesen. Ja der ist es, denn er strahlt eine solche Ruhe aus, dass ich ihn nehmen muss.
Wir verabschieden uns und ich gehe weiter und entdecke einen Stand mit Skateboardzubehör und nehme einen Satz knallgrüner Räder lachend in die Hand. Da stehen auch schöne Longboards für die Montage bereit und ich sage zu dem Verkäufer in meiner Erinnerung schwelgend, dass ich das letzte Mal mit 12 Jahren solche Räder in den Händen gehalten habe und der Mann, steht auf und sagt, dass sie damals sicher schwer zu bekommen waren und dass die Qualität sich heute deutlich verbessert hätte. Er hat kurze dunkle Haare und ist unrasiert, aber nicht der typische 3-Tage -Bart Typ und etwas jünger als ich. Heute bin ich manchmal versucht, sage ich zu ihm, wenn ich Jugendliche damit fahren sehe zu fragen, ob Ichs mal versuchen darf, doch meistens habe ich zu viel Angst um meine Beine und da ich lieber Tango tanze als mich beim Skateboard fahren zu verletzten, lasse ich es dann doch. Und er erwidert, dass er heute auch nicht mehr fährt und dass er seinem Sohn kaum dabei zusehen kann und wirklich Schwierigkeiten hat, dabei still zu bleiben. Wir plaudern noch eine Weile über frühere Zeiten und wie schwierig es war, die Teile zu bekommen . Er bietet mir noch ein wirklich schönes Longboard an, die seien ja nicht zu gefährlich, doch ich lehne dankend ab und er bedankt sich ehrlich lächelnd für das schöne Gespräch.
Solch einen kurzen Plausch genieße ich sehr, wenn mir die Menschen sympathisch sind und sich das Gespräch so angenehm ergibt. Ich erinnere mich, wie ich als Kind oft daneben stand, wenn meine Mutter sich mir den Verkäuferinnen am Wurst- oder Käsestand unterhielt und sie anstrahlte und diese zurückstrahlten und ich mochte das immer sehr, wie sie das machte, so charmant und freundlich. Und heute mache ich das selbst so und vor allem so gerne.
Ich mache ein paar Fotos, bleibe hier und da an einem Stand stehen, entdecke ein paar schön Dinge und finde schließlich noch Mike, the cheese Guy , meinen Käseverkäufer vom Wochenende wieder und kaufe erneut ein größeres Stück von dem Ziegenkäse. Der Preis lässt mich meine Kauf fast bereuen.

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Ich nehme noch ein Brot mit an einem anderen Stand und dann bin ich fertig beim Farmers Market und gehe nach draußen nicht ohne mich von meinen Wollverkäufern zu verabschieden.
Draussen lächelt mich wieder der hübsche junge Mann im schwarzen Anzug mit Pagenkappe an und ich sage ihm, dass ich leider grad kein Fleisch mehr esse, sonst würde ich sein Bracken sofort probieren.
Und da erfahre ich eben, dass es der kornische Name für warmes Schinkensandwich ist, soweit ich das verstehe. Eigentlich kommt er aus Kanada und lebt seit 12 Jahren hier, kommt ursprünglich aus einem ganz anderen Berufszweig und macht das mit dem Stand erst seit 5 Wochen. Seine Mutter kommt aus Cornwall und so hat er auch Verwandte hier und findet es wunderschön hier unten.
Ich wünsche ihm Glück und mache mich nun wirklich auf den Weg zu Chris. Dort gibt es erstmal einen Tee und dazu. habe ich Kekse mitgebracht. Ihre Werkstatt hat etwas von einem Wohnzimmer, in dem wir persönliche Erlebnisse teilen. Es dauert gar nicht lange, da muss sie nach ihrer Enkeltochter sehen und ich kümmere mich so lange um die Hunde im Garten. Sie sind beide etwa so groß wie Cockerspaniel scheinen aber irgendwas aus der Jack Russel Familie zu haben oder sind eine Variante davon, denn sie können genau so gut hoch springen – vielleicht sind ja auch Känguruhs mit drin,wer weiß.
In jedem Fall freuen sie sich unglaublich, dass ich bei Ihnen bin, die jüngere von beiden ist 1 Jahr alt und springt nicht nur an mir hoch sondern vor allem auf Mitch( das ist der schwarze Hund von Chris)rauf und die beiden tollen herum. Das macht mir großen Spaß.
Chris nimmt gerettete Tiere auf und so hat sie Eulen, einen Uhu, diverse Gänse, eine davon ist blind und total süß, weil sie ähnlich wie Zora den Kopf in alle Richtungen schief legt, um zu hören, was dort vor sich geht an ihrem Käfig. Dann hat sie eine Ziege, die zu klein war und mit Futter für Schafe nicht wachsen wollte und so sollte sie eigentlich getötet wessen, da hat Chris einen Aneuf von ihrer Tochter bekommen und sie gleich genommen. Die Ziege sieht sehr lustig aus, schwarz, bis zum Bauch völlig schmal und dann kommt ein birnenförmiger unglaublich aufgeblasen wirkender Körper undden läuft sie wackelnd durch die Gegend und Stunts mit den Hörnwr gegen die Gonne mit dem Schweinefutter, bis der Deckel aufgeht. Und Christ erlaubt ihr, mal zuzulangen und dann hüpft die Ziege mit den vorderen Hufen auf den Rand der Tonne und steckt den Kopf rein. Das sieht wirklich allerliebst aus.

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Da kommt Chris wieder mit Olivia, ihrer zweijährigen Enkelin mit blonden Locken, noch etwas verschlafen, mit müden Augen, die sie dauernd reibt und so langen Wimpern, wie sie sich nicht nur Models wünschen würden. Sie ist wirklich bezaubernd und nach einer Weile kann ich sie mit einem Keks locken, allerdings muss Chris ihr den Keks geben und in kleinere Stücke brechen, von mir nimmt sie ihn nicht an – gut so!
Nachdem wir alles besprochen haben, kommt ihr Mann Keith noch dazu und bringt zwei Wanderkarten mit, da ich heute alles vergessen habe. Er erklärt mir den Weg nach Carn Euny , einem etwa 2000 Jahre alten Dorf aus der Eisenzeit, das 500 Jahre vor Christi Geburt und 400 Jahre danach bewohnt war und zu einem Wunschbaum. Das wäre ein magischer Ort und davon scheint es hier in Cornwall ja einige zu geben.

Ich finde den Abzweig sofort und bin am Parkplatz angekommen ein wenig enttäuscht, dass noch andere den Weg hierhin gefunden haben. Ich glaube magisch setzt für mich auch immer eine gewisse Einsamkeit voraus.
Das Dorf aus der Eisenzeit hat trotz der spärlichen Besucher, von denen eigentlich nur der Hundebesitzer auffällt, eine sehr anziehende Ausstrahlung.

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Am interessantesten ist das sogenannte Fogou, eine kreisförmig angeordnete Höhle unterhalb des Dorfes, über dessen Nutzung man uneinig ist. Es könnte eine Art Versteck gewesen sein oder auch eine Art kühlende Speisekammer oder aber ein Raum für Rituale.

Eingang zum Fogou

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Gebeugt und mit eingezogenem Kopf zwänge ich mich durch den sehr kleinen Eingang. Es ist so still in diesem Raum und friedlich, es fühlt sich unweigerlich an wie ein Ort der Inneren Einkehr und ich verharre dort einige Minuten und genieße.

Fogou

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Blick vom Fogou in Richtung alternativer Ausgang

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Als ich das Dorf wieder verlasse, finde ich den von Keith beschriebenen Weg wirklich ganz zufällig und ohne danach zu suchen und ein Stück weiter auch den beschriebenen Wunschbaum. Unzählige Bänder sind daran befestigt, Stofftiere hängen kopfüber an Ästen, Münzen sind unter die Wurzeln von Efeu geschoben, der sich um den Stamm rankt, Schon lange müssen ein paar Baybsocken an den Enden zweier Äste hängen, denn die Spur der vermutlich früheren roten Farbe ist in ein verwaschenes Rosa verblasst. Alte Railway Tickets finden sich auf die Spitzen der Äste gesteckt, , ein kleiner Weihnachtsmann aus Plastik baumelt munter über mir, Schnürsenkel in verschiedenen Brauntönen, umwickelt und verknotet. Das ist wahrlich ein beschaulicher und auch magischer Ort. Man sagt, dass wenn man zu einer bestimmten Zeit zu dem Baum geht und etwas persönliches dort anhängt, würde der Baum die Sorge, den Schmerz, sogar Krankheiten von einem nehmen. Bezaubert von diesem Ort suche ich fieberhaft nach etwas, das ich dort lassen könnte und finde ein Trolley Coin für den Einkaufswagen mit einem Kleeblatt und schiebe dieses hinter die Efeuranken am Baumstamm. Aber irgendwie scheint es mir nicht persönlich genug, also nehme ich noch ein paar farbige Armbänder, von denen ich mich nur sehr schweren Herzens trennen kann und hänge diese zusammen an einen kleinen Ast in der Hoffnung, dass der Wind diese nicht davonträgt und wünsche mir für alle Menschen, die mir nahestehen, dass sie gesund und glücklich sein mögen und dieser Wunsch kommt von ganz tief innen und dabei denke ich an Euch da draußen, die ihr mich begleitet Tag um Tag und auf meinem Weg mit mir seid. Danke dafür!

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