14. Mai The Last Journey Tiffany, Telegraph Museum and Coast path Treen

Tiffany, the motorbiking Lady is back . Ich liege noch im Bett und hab schlecht geschlafen und höre seit 7.00h die Neuseeländer mit Sam plappern und noch jemanden mit einer mir unbekannten Stimme. Das wird wohl Tiffany sein, denke ich mir und gegen 8.00h geh ich noch etwas verschlafen nach unten. Good Morning everybody, sage ich und Tiffany steht auf, will mir sie Hand geben, aber meine ist noch nass vom Hönde waschen und ich entschuldige mich. Sie ilächelt freundlich und sagt sowas wie ‚kein Problem‘ . Nachdem ich mein Teewasser aufgesetzt und meine Hönde getrocknet sind, mach ich einen zweiten Anlauf und sage ihr meinen Namen und Strecke ihr die Hand entgegen und wir begrüßen uns.
Sie plaudern immer noch angeregt mit Jeff und Kathy, die jeden Moment von Scott abgeholt und zum Zug gebracht werden – jetzt grad über die Europawahl, für die Tiffany die Briefwahl beantragt hat, wie sie erzählt. Dann müssen Jeff und Kathy los und auch Sam. Ich nehme den freigewordenen Platz und setze mich mit meinem Tee an den Tisch. Es lässt sich nicht begründen, aber ich fühle mich plötzlich dabei, als würde ich etwas verbotenes tun und widerstehe dem Impuls, mich aus dem Raum zu begeben. Das kennt man ja manchmal, dass man sich irgendwie unwohl fühlt in Gegenwart eines anderen Menschen, doch so intensiv und ohne ersichtlichen Anlass habe ich das noch nicht erlebt.
Alle sind jetzt weg und sie sichtet ihre Post und sieht mich weder an noch spricht sie mit mir. Ich fühle mich hilflos, ich bin doch sonst nicht auf den Mund gefallen, doch mir will nichts einfallen, doch diese Stille mit einer fremden Person im Raum, das halte ich gar nicht gut aus.
– leider!
Ich versuche irgendeine Art der Konversation über die Partei auf dem Zettel, die doppelt erscheint. Das wüsste sie auch nicht, knapp und distanziert, das bilde ich mir doch nicht ein. Ich sage noch was wegen ihres Motorrads, völlig nebensächlich und habe das Gefühl, das wäre auch schon zuviel des Guten, Schließlich geh ich mit meinem Frühstück an die frische Luft, so viel Unwohlsein am Morgen kann ich gar nicht gebrauchen. Die Terrasse vom Nachbarhaus hat schon am Morgen die Sonne gepachtet und so setze ich mich mit meinem Tee, meiner Polenta und meinem Mini-Ipad bewaffnet dorthin und schreibe meinen Blog weiter.
Trotz der Beschäftigung mit dem Blog will das Unwohlsein einfach nicht vergehen. Inhaltlich bewegt es mich durch das Thema Zora natürlich eher noch mehr und ich finde mich an einem eigentlich wunderbaren Morgen in Tränen aufgelöst auf der Terrasse des Nachbarn wieder. Minutenlang ergießen sich Sturzbäche aus meinen Augen und am liebsten wäre ich gerade woanders, nur wo?
Obwohl ich mir die ganze Zeit sage, dass es keinen Sinn macht und mit mir nichts zu tun hat, versuche ich die Situation aufzulösen, in dem ich sie frage, ob alles ok ist und ob sie einfach busy ist oder keine Lust hat mit mir zu sprechen. Das hätte ich mir eigentlich auch verkneifen können, denke ich sogleich, denn es kommt natürlich nichts dabei heraus. Auch egal, ist für meinen Seelenfrieden wichtig gewesen, das anzusprechen und einige Momente später fährt sie weg und ich atme erleichtert auf. Was für ein schlechter Start heute in den Tag, vermutlich hat es heute morgen mit uns einfach nicht gepasst, denke ich bei mir, auch wenn ein Beigeschmack bleibt.
Momentan habe ich häufiger das Gefühl, das es kein richtiges Zurück gibt. Ich lebe in Berlin in einem Haus, in dem die leider auch über mir lebende Eigentümerin danach giert, mit Airbnb aus unseren Wohnungen das bestmögliche Kapital zu schlagen. Ihr ist jedes Mittel recht, uns möglichst alle aus dem Haus zu vertreiben das wissen wir nun auch von der aktuellen Hausverwaltung. Zora ist tot, alles zuhause erinnert mich an sie, die Vorstellung dorthin grad zurückzukehren, schnürt mir schier die Kehle zu. Meinen Job mag ich, aber da alle gekündigt haben, kann ich mir bildhaft vorstellen, wie es dort sein wird. Das alles fühlt sich eher nach Neuanfang an, auch das macht mir Angst und macht mir Mut. Ich fühle mich wie in einer Sackgasse und brauche mehr Zeit, denn ich bin noch lange nicht fertig mit meinem Abschied, meiner Trauer, meiner Suche nach einem Ort, der mir Ruhe gibt und dieser muss da irgendwo in mir sein. Doch ich fühle mich getrieben, auf der Flucht vor meinen eigenen Gefühlen, die mich doch immer wieder einholen. Etwas mehr Ruhe täte mir gut, aber die traue ich mir nicht zu und jede Ablenkung scheint mir so verlockend und auch willkommen.
Aus diesem Gefühl heraus taste ich mich vor und eruiere die Möglichkeiten, die ich habe. Da ich aufgrund meiner vielen Erlebnisse das Gefühl habe,seit Wochen hier zu sein und die Gegend nicht zuletzt wegen der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mir hier im ländlichen Bereich begegnet, hier so ins Herz geschlossen, dass ich eigentlich länger bleiben möchte. atüurlich auch in der Hoffnung, mehr Abstand zu Zoras Tod zu bekommen. Ich bin voller Träume und Ideen, die ich in mir trage und selten realisiere ich die Dinge. Ich baue Luftschlösser, so wie ich es schon tat, bevor ich losgefahren bin und Zora noch lebte und ich davon träumte, hier in England zu leben mit ihr, einfach weil ich diese Sehnsucht, in einem anderen Land zu leben schon seit meiner Jugend in mir trage und es nie getan habe. Es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, hier würden die Uhren anders ticken. Wie schon erwähnt, sind die Sorgen und Nöte die gleichen, die Menschen unterscheiden sich vielleicht etwas und es bleibt mehr auf Distanz, weil es eine andere Sprache ist. Und das obwohl ich beim Sprechen nur bei Fachbegriffen nachdenken muss und ansonsten einfach genauso viel und oft schnell rede wie auf deutsch. Das macht vieles auch einfacher für mich., allein der Weg der Kontaktaufnahme wird dadurch erheblich erleichtert – wenn ich mal von heute morgen absehe.

So fragte ich vergangene Woche Sam einmal, wie das eigentlich wäre, wenn ich mir einen kleinen Job suchte, ob ich dann eine Weile bei ihnen wohnen könnte. Und ich hatte ein bisschen Sorge vor der Frage, weil ich mich trotz all ihrer Freundlichkeit nicht wirklich richtig wohl fühle hier. Ja sagte sie, da müsste man mal über eine Miete reden, wenn Tiffany wieder da ist. Und nach einer Weile fügt sie hinzu, dass es mir natürlich freisteht, auch woanders zu gucken. Und als ich nachfrage, ob ihr das lieber sei, verneint sie dies und sagt, sie dachte einfach nur, dass sie mich vielleicht falsch verstanden hätte und daher wollte sie das noch hinzufügen. Was war an meiner Frage falsch zu verstehen? Doch ich schiebe auch dieses Gefühl wieder weg.
Ich frage sie noch etwas über die Bedingungen mit den Jobs und sie sagt, auch bei Ihnen im Office würde eine Stelle frei werden, die kurzfristig mit einer Aushilfe besetzt werden soll bis klar ist, wie weiter verfahren wird und dass sie im Telegraph Museum jemanden suchen.

Ich sehe mir das Profil der Stellenausschreibungen an und entscheide mich für den Visitor-Service. Kurzerhand rufe ich an und spreche mit einem zuständigen Sachbearbeiter.Nach einigen Erklärungen bittet er mich, meinen Lebenslauf (CV) zu schicken, denn die Bewerbungsgespräche würden kommende Woche Mittwoch stattfinden und je eher meine Unterlagen vorlägen, desto eher könnte er mir Bescheid geben, ob ich in Frage käme.
Es dauert fast 3 Stunden, meinen Lebenslauf auf Englisch zu schreiben, ich muss noch eine Bekannte in Berlin kontaktieren, die viel mehr Erfahrung hat im Übersetzen als ich weil ich einige Begriffe einfach nicht direkt übersetzen möchte schon aus der Sorge heraus, nicht professionell genug zu erscheinen. Die Sonne scheint draußen, das Wetter ist ein Traum und ich haben inneren Stress, diesen Lebenslauf ohne Textprogramm fertigzustellen, finde eine Alternative und gegen 15h bin ich fertig und will die Datei speichern, da ist sie weg. Ich finde sie nicht mehr, das kann jetzt nicht wahr sein, denke ich, doch nach weiteren 10 Minuten suche gebe ich ärgerlich auf und denke, dass ich jetzt lieber an die frische Luft möchte.

Ich laufe los zum Porthcurno Beach und kurz davor am Telegraph Museum vorbei führt linksseitig ein Pfad nach oben auf die Klippen und zum SouthWest Coast Path . Ich bin auf dem Weg nach Treen, wo ich mit Sam vergangene Woche einen Kaffee trinken war. Das würde ich gern zu Fuß machen dieses Mal und ich freue mich über die Sonne und den unbeschreiblich schönen Blick übers Meer. Es ist praktisch windstill und die Sonne meint es sehr gut heute. Nach 10 Minuten und weil ich kein Hinweisschild sehe weit und breit, sehe ich etwas weiter entfernt ein Tipi stehen und bin neugierig. Ein kurzer Blick auf die Karte genügt, um den dort befindlichen Zeltplatz auszumachen und Treen ist nicht weit entfernt von dort. Ich schlage den Weg quer übers Feld ein, lauf an den Campern vorbei, tue es den Briten gleich und sage zu einem freundlichen grüssenden Ehepaar, dass es das beste Wetter zum Campen sei, nicht wahr. Und sie pflichten mir bei und das ist nett und macht das Leben einfach mal für den Moment wieder leichter.
Fünf Minuten später erreiche ich das kleine Cafe in Treen und begrüss Adele mit ihrem Vornamen, sie hat meinen schon längst vergessen, falls sie ihn Uberhaupt je kannte und sie schließen gerade. Doch da sie mein Gesicht kennt sagt sie, bekomme ich noch einen Kaffee und den nehme ich außer Haus an einem ihrer Tische, die sie erst etwas später wegräumen will.Es ist schön, dort in der Sonne zu sitzen in einem winzig kleinen Dorf , aus dem Garten vor mir tritt ein älterer Herr hinaus und grüßt freundlich und ich schreibe den Lebenslauf erneut aus der Erinnerung heraus – zur Sicherheit jedoch in einem anderen Programm.
Nach einer Weile kommt Wanderer mit einer Frau aus dem Dorf vorbei, die auch am Wochenende im Cafe war und sie zeigt ihnen das Cafe, das jedoch gerade geschlossen hat und Adele ist auch schon fast weg, da bietet die junge Frau ihnen einen Tee bei sich zuhause an. Das ist glaube ich wirklich die britische Teekultur. Man trinkt hier bis in den späten Abend eine Tasse schwarzen Tee mit der obligatorischen Milch darin und ich finde es äußerst freundlich, dass sie den Wanderern eine solche Tasse nach ihrem langen Spaziergang von -wie ich vernehmen kann- geschlagenen 5 Stunden gönnt.
Die Wanderer sitzen eine Weile hinter mir auf den Stühlen, als Adele kommt und die Tische wegräumt und uns die Stühle mit der Bitte, diese später an der Wand zu stapeln überlässt.
Dann fährt sie weg und auch die Wanderer verlassen nach einer Weile ihren Platz und spazieren weiter. Ich sitze auf meinem Stuhl und lese noch einmal den Lebenslauf durch, als sich eine wirklich alte Dame wimmernd nähert und um Hilfe bittet. Sie braucht Lebensmittel aus einem Supermarkt und ob ich die Leute dort zuhause wären und da sie ziemlich wacklig auf den Beinen ist, verspreche ich ihr Hilfe und gehe durch den Garten neben mir zum Haus und rufe hinein. Eine Frau um die sechzig kommt heraus und ich erkläre ihr die Lage, sie scheint nicht sonderlich begeistert zu sein ob der überraschenden Besucherin und versucht sie zu beruhigen und erklärt ihr, dass der Lieferant vom Supermarkt in St. Buryan erst am folgenden Tag kommt – er käme immer Donnerstags. Die alte Dame heisst Joan, wie ich mitbekomme und weint, als die Frau aus dem Haus ihr sagt,sie solle dort einfach anrufen und dem Händler telefonisch durchgeben, was sie braucht, doch Joan laufen die Tränen herunter als sie mit zitternder Stimme versichert, dass sie das heute nicht gut hinkriegt mit dem Telefonieren. Diese kleine Gestalt ist so herzzerreissend mit ihrer offenen Unsicherheit und ihren Hilfebitten, dass ich beinahe losheule. Die Frau nimmt Joan nach einer weiteren Tränenkaskade den Zettel aus der zittrigen Hand und verspricht, dort für sie anzurufen und die Dinge zu bestellen und liest zur Sicherheit nochmal alles laut vor. Joan verlässt immer noch klapprig und wimmernd das Geschehen und ich frage die Frau mit dem Garten, ob Joan ganz alleine sei. Sie hätte einen Sohn, erwidert sie und der sei jedoch nach Frankreich gegangen und hätte sie hier allein gelassen und sie hätte eine Pflegerin, die einige Male die Woche käme. Wie ich erfahre, ist Joan bereits 91 und ich sage, das sei ein stolzes Alter, als mein Hund so alt war, musste ich sie einschläfern lassen. Doch sie sagt, so ginge das nicht weiter, denn Joan würde mehrmals täglich rüberkommen oder sie nachts wecken.Und sie verneint meine Frage nach einer Demenz oder Orientierungslosigkeit. Es verhielte sich jedoch so, dass ihr Mann selbst nicht bei bester Gesundheit sei und so würden sie die häufigen Besuche von Joan eher sehr belasten.

Ich setze mich wieder auf meinen Stuhl und sehe Joan, wie sie langsam die Straße runter wackelt, lange nach. Als sie auf einen Hof abbiegt, kann ich sie nicht mehr sehen und nach einigen Minuten höre ich bestürzt, wie sie um Hilfe ruft und ein Mann in meinem Alter geht ruhigen Schrittes zu ihr hinüber und mir wird klar, dass das ein normales Procedere ist und dennoch hab ich ihre herzzerreissende flehende Stimme immer noch im Ohr und mir schießen die Tränen in die Augen und ich spüre ihre Einsamkeit und Verzweiflung bis tief in meine Knochen, denn es soiegelt einen Teil meiner selbst und ich laufe los zurück an die Küste und spüre erneut diese Ausweglosigkeit in mir und denke nur, so möchte ich nicht enden.

Mit diesen verzweifelten Gefühlen beschwert, gelange ich auf einem weiteren verschlungenen Pfad in einen Dschungel aus Farnen und Blumen, es ist so wunderschön, doch ich kann es beim besten Willen nicht genießen. Ich weine und weine um Zora, die zwar um mich herumspringt aber irgendwie ernst aussieht. Ich sehe sie in alt, ich seh sie in jung, ich seh sie krank kurz vor ihrem Ende. Auf eine Begegnung mit Joan war ich nicht vorbereitet und da ich die Dinge die geschehen so oft es geht und sinnvoll erscheint als Hinweise, die mir das Leben oder das Universum gibt, zu verstehen suche, scheint es wohl wieder an der Zeit zu sein, mich der Trauer zuzuwenden, ob es mir passt oder nicht.

So erreiche ich nach einer Weile eine kleine Bucht und dort droht mich die Trostlosigkeit der entsetzlich langweiligen Architektur zu erdrücken und so wende ich mich den wenigen Lichtblicken, sprich der Bucht zu und dem klaren blauen Meer und nachdem ich noch einige Fotos mache, beschreite ich wieder den Coast Path aufwärts in Richtung der Klippen und auf zur nächsten Bucht. Ich drehe mich um und sehe nach unten und merke, dass Zora diese Strecke überhaupt nicht schafft und erneut schießen mir Tränen in die Augen, als ich weiter gehe. Oben angekommen eröffnen sich neue schönere Aussichten und Wege und ich erreiche einen Stile mit dem Hinweis auf dort grasende Ponys, die zur Rekultivierung bestimmter Pflanzenarten beitragen sollen. Ich gehe weiter und erreiche erneut die Küste mit meinen immer noch trüben Gedanken und frage mich, ob das denn mit meiner Traurigkeit heute gar kein Ende mehr nimmt, als mir ein Pony entgegen scheinbar aus dem Nichts entgegenkommt. Und dieser Anblick tröstet mich so sehr, dass ich meine Trauer fast völlig vergesse und wieder an einen Hinweis glaube und einfach die Richtung einschlage, aus der das Pony mir entgegenkam und zwar direkt auf die Klippe zu. Dort ist es wunderschön, es gibt ein Hinweisschild auf ein die Überreste eines Schlosses auf den Klippen aus der Eisenzeit und als bei dem Versuch zu ergründen, welche Felsen wohl das Schloss gewesen sein könnten, entdecke ich einen versteckten schmalen Weg zu einer riesigen Felsenformation.Ich bin enzückt und mache mich auf den Weg zu meinem kleinen Abenteuer, als noch drei weitere Ponys auftauchen und dort grasen und fühle mich bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Auf weiteren schmalen Pfaden klettere ich abwechselnd zwischen oder auf den Felsen entlang, mache Fotos, sehe nach unten und nach oben und in die Bucht und genieße es, als wäre ich nochmal Kind, dort herumzuklettern. Es macht solchen Spaß und ich muss mich konzentrieren und aufpassen, weil die Wege nicht ungefährlich sind. Doch eigentlich ist es zu spät, die Abenteurerin aus Kindertagen, die einst auf Baustellen herumturnte und Höhlen unsicher machte, ist längst wieder zum Leben erwacht und führt mich in schwindelnde Höhen und an versteckte Orte, die sich mir als optische Schätze erschließen, denn sie eröffnen mir Einblicke in eine in meiner Vorstellung sehr frühzeitliche Bucht, die einst die Schneise für heimkehrende Schiffe gewesen sein könnte. Und wenn ich die Augen schließe und mit ein wenig Phantasie sehe ich eine Art Wikingerschiffe dort einlaufen und höre Menschen in einer mir fremden Sprache rufen und sehe andere in den Felsen arbeiten und höre so etwas wie Hammer auf Ambosse einschlagen – ohne zu wissen, ob diese Dinge jemals existiert haben könnten, doch ich bin seit meiner Kindheit fest davon überzeugt, von den Kelten abzustammen – meine Schwester glaubt das von sich im Übrigen auch, obwohl wir praktisch keinen Kontakt hatten, nachdem sie in die USA gegangen ist und wir uns eigentlich gar nicht mehr kennen, außer aus frühen Kindertagen,konnten wir wenigstens einmal am Telefon diese Erkenntnis austauschen – und so macht es mir einfach nur Spaß hineinzuspüren in die Geschichte dieses Ortes, überzeugt davon, dass Energie immer ihre Spuren hinterlässt.

Gestärkt verlasse ich diesen mystischen Ort und kehre zurück auf dem herrlichen Coast Path bis zu meiner Unterkunft, schicke meine Bewerbung ab und esse zu Abend. Ich fühle mich wieder unwohl bei dem Gedanken, dass Tiffany und am selben Ort sein würden und so schaue ich, was im Kino läuft, als Sam nach Hause kommt. Und sie ist freundlich wie immer, doch als ich ihr von dem Telefonat und der Bewerbung beim Telegraph Museum erzähle, wird sie still und ich merke, dass etwas nicht stimmt. Und als ich nachfrage, erklärt sie, dass wir vielleicht etwas zu optimistisch waren, denn sie hätte mit Tiffany gesprochen und das würde dann doch zu eng werden mit all den Airbnb Besuchen und einer festen dritten Person hier im Haus. Ich hatte mich zwar schon nach anderen Zimemrn erkundigt und war auch bereits mit einer Familie in Kontakt getreten und hatte füur den folgenden Tag einen Besichtigungstermin vereinbart, aber das wusste Sam alles nicht. Und trotzdem traf mich diese Information heftiger als ich angenommen hatte, wobei mich die Information an sich nicht wunderte, denn sie entsprach meinem Gefühl, dass ich seit Tagen in mir trug und dass sich am Morgen mit Tiffanys Gesellschaft sehr verstärkt hatte. Aber ich war auch in einer empfindsamen Situation und so wollte ich nicht alles vermischen und hatte versucht, den Ball flach zu halten. Und ich sagte, dass mich das nicht wundert und dass ich bereits vor einigen Tagen daran gedacht hatte, dass wir vielleicht erstmal mit Tiffany sprechen müssten und dass es vielleicht nicht gut laufen könnte mit uns beiden und dass der Morgen ja schon etwas schwierig war. In diesem Moment kam auch schon Tiffany nach Hause und ich konnte es mir nicht verkneifen , ihr so in einem Nebensatz freundlich aber bestimmt ‚ ..und um dich zu beruhigen, Tiffany, ich werde nicht bleiben…‘ vor die Füße warf,um dann mit Sam weiter zu sprechen und zu fragen, ob ich es noch ins Kino schaffen würde und überließ die beiden sich selbst und fuhr los.
Ich ärgerte mich auf dem Weg, über mich und über die unklare Situation und spürte wieder diesen Fluchtinstinkt in mir und ich war froh, als ich das Kino fand und eine leichte Liebeskomödie mit Pierce Brosnan und Emma Thomson ansehen konnte und das Kino relativ leer war. Ich lachte an vielen Stellen und genoss diese Ablenkung von meinem anstrengenden Tag sehr und freute mich nach meiner Rückkehr über den Zettel von Sam mit einem freundlichen ‚Good night,hope you enjoyed the film, see you in the morning‘ und ging zu Bett.

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