19. Mai The Last Journey Porthgwarra Cafe and Exchange Gallery Penzance

Noch immer bin ich im Verzug mit dem Blog und darum starte ich auch heute den Tag mit dem Ipad beim Frühstückstisch. Ich merke auch, wie sehr mir das in der vergangenen Woche gefehlt hat, alles aufzuschreiben und die Worte fließen seit Tagen aus meinem Kopf in die Hände und Tasten und das tut mir gut. Zwischendurch frage ich mich, wieviele Menschen das hier tatsächlich lesen, denn ich weiss nur von einigen engeren Freunden durch Emails, dass sie weiter dabei sind und mitfiebern, ein schönes Gefühl.

Seit ich als Teenager die Kinderbücher von der damaligen Meisterin der Unterhaltungsliteratur Marie Luise Fischer gelesen habe, eine Reihe über Mädchen im Internat, wollte ich selbst Romane schreiben. Mein Traum war es, in einem schönen Haus mit Garten und verschiedenen Tieren zu leben und zu schreiben. Ich habe für den Traum vom Haus nie wirklich gekämpft, weil ich überzeugt war, niemals genug Geld zu haben und mich mit Schulden für die Erfüllung meines Traumes um meine Freiheit zu bringen.
Doch ich hatte Glück, denn seit ich mit 17 Jahren mein Elternhaus verlassen hatte, lernte ich in meinem Leben so viele Menschen kennen, die Eltern mit einem Haus hatten, das wir mal hüten oder die wir besuchen konnten oder in den letzten 15 Jahren solche, die selbst Hausbesitzer sind und mich einluden , sie zu besuchen oder mir großzügigerweise sogar ihre Wochenend- oder Gartenhäuschen für kurze Urlaube zum Ausspannen überließen. Ich war und bin sehr dankbar für diese Begegnungen und Möglichkeiten schon allein wegen Zora, die dadurch einfach immer wieder in den Genuss kam, ihrer eigentlichen artgerechten Bestimmung als Hütehund wenn auch nur für eine Weile näher zu sein. Das war sehr schön und eine große Erleichterung für mich, denn obwohl sie selbst in verschiedenen Büros, in denen ich gearbeitet hatte, mitkommen durfte, hatte ich mit meiner Altbauwohnung im dritten Stock ohne Fahrstuhl immer ein schlechtes Gewissen, weil ich ursprünglich vorhatte, mit ihr aufs Land zu ziehen, als sie noch sehr jung war.

Es ist schon 13h und David schleicht in der Küche herum und hatte im Gespräch mit Tiffany angedeutet, St.Michaels Mountain ansehen zu wollen. Das Wetter ist heute eher bewölkt aber trocken und so frage ich ihn, ob ich ihn nach St. Michaels mitnehmen solle, da ich selbst in die exchange gallery in Penzance gehen würde. Er ist einverstanden und wir fahren gemeinsam los.

Sam hatte mir am Sonntag vor ihrer Abfahrt davon erzählt, dass sie im Cafe in Porthgwarra noch jemanden für den Samstag suchen würden.
Ich frage David, ob das für ihn ok wäre, wenn wir den kleinen Umweg machten und ich mal nachfrage was für ein Job das sei.
Natürlich ist das kein Problem und so schlängeln wir uns die schmale Straße bis hinunter zur Porthgwarra Bucht zum Café. Ich steige aus und frage den jungen Mann nach dem Job an Samstagen und er geht mit mir in ein kleines Wäschehaus und verweist mich an eine Frau in den Fünfzigern mit dicken blondierten Haaren und einem ebenso dicken Zopf. Sie ist ein bisschen kräftiger und hat eine schöne tiefe Stimme, die mich an Marianne Faithful erinnert und ich bin mir beinahe sicher, dass sie raucht oder es früher getan hat. Ich stelle mich vor und erzähle in der Annahme, dass sich hier ohnehin jeder kennen muss, dass Sam vom Bodellan Farmhouse mir von dem Job erzählt hätte und dass ich mal nachfragen wollte. Sie erklärt mir, sie suchen jemanden für den Putzjob für die Cottages und dass ich jedoch erst Lesley treffen müsste, wobei sie sich keine wirklichen Gedanken machen würde. Doch das kennt man ja, manchmal trifft man jemanden und kann einfach nicht miteinander. Sie schlägt mir vor, am Samstag einmal zur Probe zu arbeiten, doch ich brauche schon vorher eine klare Zusage und frage, ob es vielleicht früher ginge, Lesley zu treffen. Und so ruft sie Lesley an, nicht ohne mir für die Unterbrechung einen Kaffee anzubieten und nach ein paar Minuten ist klar, dass ich Lesley morgen um 11.00h treffen werde.
Ich bedanke mich und wir verabschieden uns und verbleiben bis zum nächsten Tag und ich kehre mit dieser Information zurück zum Auto und wir fahren wieder zurück in Richtung Penzance.
Ich setze ihn an einem Parkplatz kurz vor St.Michaels Mountain ab und sage ihm, er solle sich melden, wenn er zurück möchte, denn vielleicht sei ich noch da und könnte ihn wieder mit nach Porthcurno nehmen, andernfalls ginge es auch mit dem Bus.

Ich parke am Hafen und die Schiffe sehen in der Ebbe wieder wie gestrandete Wracks aus, weil sie teilweise etwas zur Seite gekippt daliegen. Vor mir liegt so etwas wie eine verbilligte Ausgabe einer Shopping Mall und ich steige die Treppen hinauf dem Hinweisschild zur Exchange Gallery folgend und lande zunächst auf der kleinen Hauptstraße, die an einer Art Turm vorbeiführt. Dann sehe ich etwas weiter das nächste Schild, werde an einer kleinen Baustelle vorbeigeführt und finde mich in einer kleinen Gasse und schließlich vor der Exchange Gallery wieder.
Eine freundliche alte Dame sitzt an der Kasse , drückt mir einen Flyer in die Hand über die Ausstellung und macht einen Strich auf einer Liste.
Die Ausstellung heißt 3am wonder, paranoia and the restless nightin der die Werke der unterschiedlichsten Künstler zusammengetragen wurden, die sich diesem Thema in ihren Werken schon einmal genähert haben. Gleich neben dem Eingang finde ich wieder ein äußerst interessantes 8-minütiges Video sixpack-der film(nähere Infos hier klick), in dem die beiden Künstler Willi Dorner und Michael Palm in ihrer Outdoor.Performance, wie sie es selbst nennen zunächst leere Straßen und Hauseingänge, heruntergerissene Plakate in langen Einstellungen festhalten, dann tauchen plötzlich Beine auf oder zusammengerollte Körper, Menschen wie Wollknäule ineinander verschlungen um Hausecken oder Laternenpfosten, in Telefonzellen übereinandergestapelt – eine grandiose und sehr wirksame Installation.
An einer Wand hängen zwei Arbeiten der Fotografin Sophie Rickett, die vorzugsweise bei Nacht arbeitet und hier provokativ Frauen, die im Stehen urinieren fotografiert hat aus Protest gegen das für Männer oft selbige selbstverständliche Verhalten in der Öffentlichkeit.
Auffällig sind auch die Arbeiten von Bettina von Zwehl, die mitten in der Tiefschlafphase Freundinnen geweckt und diese ganz in weiss wie durchscheinende Geister vor weissem Hintergrund fotografiert hat.Es gibt noch einige andere Arbeiten wie etwa der Song Lights go on von Paul Rooney den ich hörenswert finde. Und dann gehe ich noch durchs Cafe und sehe mir einige andere Arbeiten an und stöbere im Gallery-Shop, als David anruft, der auf dem Rückweg von St.Michaels Mountain ist und ich schlage ihm vor, dass wir uns gegen 17.30h am Hafenparkplatz treffen und laufe noch wachen Auges durch die Straßen und mache begeistert einige Fotos von ein paar Häusern.
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