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3.Mai the last journey LONDON Down and Up

Kein einfacher Morgen. Nach nur 6 Stunden um 6.50h wieder wach und wieder die gleichen quälenden Fragen wie gestern:Hätte ich etwas anders, etwas besser machen können?Wäre Zora dann noch da?
Unzählige andere unnütze Fragen und Zweifel gesellten sich dazu, bis ich nach einer guten halben Stunde entscheide, mich doch noch einmal in den Schlaf zu drehen.Um 10h schaue ich wieder auf die Uhr und bin erleichtert und stehe auf. Schließlich will ich doch endlich in die City.My Host Tricia fragt, ob ich denn gleich mit zum Swimming Pool käme-damit meinen sie hier das städtische Schwimmbad. Ich zögere einen Moment und entscheide mich dann doch für ein ruhiges Frühstück im Garten in der Sonne.Und zwar in sehr netter Gesellschaft….

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Kurzentschlossen fahre ich mit der National Railway nach London Bridge und steige dort in die U Bahn nach Camden Town, denn dort war ich das letzte Mal 1988 und kaufte mir damals ein Lederbustier zum Schnüren, dessen Schnüre am Abend in einer Londoner Disco eine Irin beim Tanzen mit einem Griff löste, was sie sehr lustig fand….aber es war viel harmloser als das jetzt klingt.
Camden High Street is totally overcrowded. Wenn ich an vollen Tagen in der Bergmannstrasse in Kreuzberg schon beinahe Beklemmungen spüre: hier ist es dreimal so voll.
Im Grunde stelle ich fest, dass ich als jahrzehntelange Kreuzbergerin kaum noch zu beeindrucken bin. Ich laufe an den Läden vorbei und lasse den Plunder links und rechts von mir liegen. Die Menschen sind es, die mich hier interessieren. Sie kommen von überall, aber nur wenige Gesichter sind wirklich interessant und gerade diese entziehen sich meiner Kamera mit einer katzenhaften Geschwindigkeit, so dass ich als dann doch ungeübte Hobbyfotografin wenig Chancen habe.
Ich hab das jetzt zwar so schnell runtergeschrieben mit der UBahn und so, aber das sind für mich jedesmal Mutproben: Die mich näher kennen, wissen um meine klaustrophobischen Anfälle und umso mehr habe ich nochmals Grund zum Feiern, dass ich auch diese Hürde fast(! es gab nur einen klitzekleinen Moment wo ich drohte schwach zu werden, als der Zug nach Camden Town plötzlich stockte und fast anhielt und dann sehr schleichend in den Zielbahnhof einlief, aber es war vergleichweise nur ein klitzekleiner Moment, und wieder geschafft!!Juhuuu!!)
Hier einige Impressionen der UBahn

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Nach genügend Eindrücken ziehe ich mich zurück und flüchte mit dem nächsten Bus erst zur Viktoria Station und dann zum Leicester Square und finde mich plötzlich wieder in Menschenmengen in Chinatown wieder. Kameras und Handys werden überall in den Händen gehalten,die Menschen positionieren sich , sie posieren. Und inmitten all diesen Trubels schleichen sich die traurigen Empfindungen wieder ein. Dieses Gefühl, dass da niemand mehr auf mich wartet, wenn ich nach Hause komme, durchdringt mich immer mehr und plötzlich nehme ich nur noch zusammenhängende Menschengruppen wahr, Paare, Familien….nicht, dass ich nicht auch schon mit Zora nicht mal solche „Lost“ Gefühle gehabt hätte, aber natürlich haben diese Anteile jetzt eine ganz andere Qualität. Ich unterdrücke den Impuls zu weinen und gehe weiter und bleibe wieder stehen vor einem Laden, der mit chinesischer Medizin, Massage und Akupunktur wirbt. Auf dem Aushang steht, dass Frau Prof.Ling Gong 40 Jahre Erfahrung in traditionell chinesischer Medizin verspricht und bei fast allem helfen kann, auch bei menopausalen Beschwerden, bei Schmerzen, Stress und emotionalen Problemen und Schlaflosigkeit. Einen Moment schleiche ich um das Geschäft herum und fühle mich von der bereits erlebten Möglichkeit der Schmerzlinderung in meinem Herzen durch eine Akupunktur magisch angezogen…schließlich nehm ich die Kamera in die Hand, verstecke mich und meine Gefühle dahinter und laufe weiter auf Motivschau und bin doch aber auf einer ganz anderen Suche.

Ich steige in einen Bus, der mich am Piccadilly Circus vorbei auf den Trafalgar Square blicken lässt und am Hyde Park vorbei rauscht, wo es endlich etwas menschenleerer wird und mein ganzer Körper sich entspannen kann.Irgendwann an der Themse steige ich aus und lauf zu Fuß weiter bis zur South Bank. Dort steht das größte Riesenrad Europas zur Freude der Touristen und verschandelt die architektonische Landschaft und liegt etwa schräg gegenüber von Big Ben. Eine Art Party-Kultur-Meile, wieder unzählige Menschen, die alle irgendwie mit irgendwelchen anderen zusammenzugehören scheinen und wieder flüchte ich erst mitten rein ins Gewühl und dann irgendwie wieder raus aus dem Getümmel und schließlich lande ich auf meinem Weg in die Tate Modern, wo ich eigentlich hinwollte in einem alternativen Theater á la HAU II am Ufer und leider hat das Stück, dessen Plakat ich draussen entdeckt hatte, schon 20 Minuten vorher begonnen. Es ist ein Stück über Syrien, das Plakat und der Titel berühren mich tief -warum denn bloß? 😉 –

„Oh,my sweet land“ steht darauf.

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und schließlich lande ich in einem Pub und esse einen VeggieBurger, nachdem man bei dreimal Byrons Schlange steht, um einen Platz zu bekommen und fahre dann gegen 21.30h langsam aber sicher zurück zu meiner Unterkunft. Und freu mich, das Bild von Zora an der Urne stehen zu sehen und mein Herz geht wieder etwas auf, so als sei sie einfach noch da.

Calias-Dover-London

Kennt Ihr noch Fred Feuerstein, wenn er YappaDappaDuh rief? So in etwa ging es mir heute auf der Fähre. Einfach nur große Freude und eine sehr entspannte Überfahrt. Die erwartete Angst blieb einfach aus -Juhuu!!! Angstfreies Reisen ist jetzt auch möglich!!!! Für manche mag das albern klingen, aber für die, die mich besser kennen sicher ein nachvollziehbarer Grund zum Feiern.
Ich bin so sehr stolz auf mich, dass ich die Reise trotzdem mache. Vielleicht ist das auch einfach bitter nötig, um mir zu beweisen, dass ich es kann, dass es weiter geht.
Wie oft habe ich gedacht, wenn Zora geht, geh ich gleich hinterher.
Für manchen Nicht-Tierbesitzer sicher absurd – doch Zora war ja einfach überall dabei. Wie oft hat sie die Herzen der Menschen geöffnet, die sie sahen? Die Fahrt nach Calais an Oostende und Brügge vorbei und der Blick auf die schönen saftigen Wiesen Belgiens trieb mir immer wieder die Tränen in die Augen, denn vor fast genau einem Jahr war ich mit Zora in Oostende im Urlaub. Ich hab mich heute auf der Fahrt nach Calais dabei ertappt, wie meine Hand nach hinten zur Rückbank wandert, wo Zora immer saß oder lag und ich sie entweder streichelte und sie ihren Kopf in meine Hand legte oder meine Hand ableckte – nicht nur wenn ich ihr von meinem guten Ziegenkäsebrot ein Stück abriss.
Es ist immer wieder wie eine Trennung von einem geliebten Menschen, einer innigen Liebesbeziehung, die zu Ende gegangen ist – nur hier absolut ohne Chance eines in diesem Fall ersehnten Wiedersehens.

Vorhin lief ich noch durch meine Weekend Umgebung in Greater London. Ich wohne hier in Plumstead , einem Arbeiterviertel. Ich bin nun schon fast 33 Jahre Kreuzbergerin und vor allem Berlinerin , aber hier hatte ich heute zum ersten Mal ein wenig Angst. Dabei wurde mir natürlich auch wieder klar, dass mir Zoras beeindruckendes Auftreten an meiner Seite sehr fehlt und so hatte ich plötzlich wieder das Bedürfnis, schnell in meine Unterkunft zurück zu eilen,um bei ihr zu sein-aber sie ist ja gar nicht da:weder zum Anfassen noch zumB eschützen. Meine Kamera half mir, diesen Moment zu überwinden und so fotografierte ich, denn die Leute, die hier leben, haben so eine Ausstrahlung von unglaublicher Würde.
Ich musste Zora jetzt auch wieder aus dem Auto holen – es fühlt sich einfach stimmiger an, wenn sie hier bei mir ist-in ihrer Urne.

Und bei all der immer wieder durchwachsenden Trauer ist da auch dieses starke Gefühl, dass das Leben noch andere Überraschungen und Wege für mich bereithält und dass ich einfach nur losgehen muss und dann werde ich schon sehen, wohin es mich führt….
In diesem Sinne hier noch einige Eindrücke vom heutigen Tage:

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2.Mai the Last Journey noch Gent kurz vor Calais

Am Morgen ist es am schlimmsten.Jeder Tag beginnt mit diesem flauen Gefühl und der stetigen Selbstversicherung, dass sie nicht greifbar da ist, mich nicht gleich diese schönen braunen Augen ansehen werden und kein Seufzen oder ein freudiges Hmpf mein Ohr erreichen wird. Ich öffne die Terrassentür und sehe sie freudig rauslaufen, schnuppern und pieseln. Es ist so unfassbar, dass jetzt jeder Tag ohne sie sein wird.
Ute hat geschrieben,die viele Anteilnahme tut mir gut.

Die Fähre steht mir bevor-auweia. Das letzte Mal vor über 20 Jahren mit Gabi in meinem roten Fiat Panda. Unmittelbar auf dem Fährplatz steig ich aus dem Auto aus und sage, sie möchte allein übersetzen, ich hätte zuviel Angst. Es war damals noch eins von diesen beeindruckenden Luftkissenbooten, eine Hoverspeed, deren Verkehr leider eingestellt wurde. Und es waren ja „nur“ 30 Minuten mit einer Selter in der einen und Gabis Hand in meiner anderen. Das der Körper und der Geist den unangenehmen Teil der Aufgeregtheit speichern, finde ich gerade lästig. Aber das letzte Mal hab ich es ja auch geschafft und London soll doch einige nette Milongas bieten…also los gehts.

Noch kurz am Rande: die WLAN Verbindung ist etwas knauserig hier, also muss ich sehr häufig zum erneuten Verbinden in den Flur des Hotels gehen. Das sieht dann etwa so aus wie oben…

1.Mai 2014 the last journey – GENT

Heute morgen fast pünktliche Abfahrt (7.30 statt geplant 7.00h, mein Zeitmanangement möchte ich gern verbessern,aber so früh am Morgen nach diesen anstrengenden Tagen…..)Mehringdamm Richtung Antwerpen und Gent. Habe zwei sehr nette verständnisvolle Mitfahrer: Jens aus Antwerpen und Stefanie aus Neuwied/Bogota – beide Mitte 20. Sympathisch, mutig,-machen das, was Ihnen Spaß macht scheinbar ohne Existenzängste. Warum habe ich immer welche und wozu, frage ich mich laut. Er ist Philosoph, sie angehende Tänzerin – ein junges Paar aus einer WG in Neukölln.
Die Gespräche sind sympathisch, erfrischend – endlich mal wieder jemand, der Elias Canettis „Das Gewissen der Worte“ kennt. Oops – aber dann gleich auch noch seine Autobiografie…“von der geräderten Zunge“..wir erfreuen uns beide an der Wortschöpfung, wobei ich inhaltlich sofort passen muss. Er erinnert mich an Stefan Neumann, meinen ersten „Freund“, ein vergleichender Literaturwissenschaftler, der mich mit Zitaten aus einer Bücherwand total beeindrucken konnte.
Irgendwann fragt Stefanie, wo ist eigentlich Dein Hund? Und deutet auf meine Stapel hinter dem Fahrersitz. Jens und ich sind uns nicht sicher , ob sie es richtig verstanden hat.
„Na, in dem Karton ist eine rote Holz-Urne, da ist sie drin“ und zeige ihr ein Foto von Zora. Sie staunt und ist beeindruckt von Zoras intensivem Blick. Ich erzähle die eine oder andere Anekdote von ihr, wie gut sie auf meine Kommandos hörte und auf Bestellung ‚Pipi‘ machen konnte. Ich kannte sie , seit sie 5 Tage auf der Welt war…
Nach fast 8 Std Fahrt erreichen wir Antwerpen und die beiden steigen an einer Bushaltestelle aus. Vorbei die schöne Ablenkung. Und meine Gedanken holen mich wieder ein. Hab ich vielleicht doch Schuld an Zoras Tod? Hätte ich früher zum Tierarzt gehen sollen?
Tränenströme überfluten mich – passend zum ebenfalls plötzlich einsetzenden Platzregen – meine Freundinnen beruhigen mich telefonisch. Ich kann mich wieder fangen und erreiche mein schickes kleines Hotel in Gent….Hier ein paar Eindrücke

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