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7.Mai The Last Journey Prussia Cove to St.Michaels‘ Mount

Etwa 15 Minuten mit dem Auto entfernt gibt es einen wunderbaren Küstenpfad entlang der alten Schmugglerbuchten von Penwith, der Region um Penzance. Man fährt in Rosudgeon eine kleine Sackgasse entlang bis zu ihrem wirklichen Ende, das sich in dem Fall wirklich endlos lang nach hinten ausdehnte. Das Verrückte ist, dass hier tatsächlich auch Menschen leben, obwohl man den Eindruck hat, das hier eigentlich nichts mehr kommen kann.
Am Ende befindet sich ein wilder kostenfreier Parkplatz und gleich daneben startet auch schon der Public Footpath-der offizielle Wanderweg.

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Wie schon gestern erwähnt, sind die Wege hier ziemlich verwunschen und verschlungen und ich bin oft an Überwege gekommen, den sog. Stiles, an denen ich zunächst den Eindruck hatte, jetzt wäre ich am Ende oder der Weg wäre gesperrt, wie das an der Küste infolge der Unterspülungen oft der Fall ist.

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Mein erster aufregender Ausblick fällt nach einem wiederum märchenhaften kleinen Durchgang auf Bessies Cove, eine idyllische kleine Fischerbucht komplett mit Fischerhütte. Bei Ebbe wurden diese Buchten im 18. und 19. Jahrhundert von den Schmugglern genutzt und man kann deren Wege an manchen Stellen noch wunderschön nachziehen. Man erzählt sich hier die Geschichte der Familie Carter, die hier im 18.Jh unzählige Waren geschmuggelt hat. Einer der Brüder trug den Spitznamen „King of Prussia“(König von Preußen), nach dem diese Gegend benannt worden ist. Sie nutzten diese 3 Buchten für ihr Schmuggelgut: King’s Cove im Osten, Bessies Cove und Piskies Cove.

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Sehr stürmisch geht es weiter an malerischen Klippen vorbei mit unglaublich beeindruckenden Felsen und Schluchten. Ich konnte leider nicht ganz so nah an den Rand, wie ich es mir gewünscht hätte, weil dann der Blog womöglich ein jähes Ende gefunden hätte. Andererseits bin ich mit zunehmendem Alter auch immer anfälliger für Schwindel in entsprechenden Höhen geworden.

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Der Weg ist gesäumt von unzähligen sogenannten Blue Bells (Atlantisches Hasenglöckchen, eine Hyazinthenart-ich musste das nachschlagen, die Botaniker unter Euch kennen diese hübschen blauen Blümchen ganz sicher)

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Diesen Namen weiss ich auch nur, weil ich unterwegs kurz vor St. Michaels Mount am Strand eine reizende ältere Dame mit ihrem ebenfalls älteren Cockerspaniel traf und wir anlässlich des doch recht stürmischen kalten Wetters ins Gespräch kamen. Man muss wissen, dass die Briten einen unterwegs auf den Footpaths zum Beispiel mit einem ‚It turned pretty cold‘ -so als wäre man ohnehin mitten im Gespräch gewesen auf einer großen Wiese, in deren Mitte man sich zufällig begegnet ist. Mit dieser Lady kam ich etwas länger ins Gespräch, weil das mit Hundebesitzern manchmal so sein kann und sie erzählte dann als ich sagte, dass ich in Prussia Cove losgelaufen sei, dass sie mit ihren Eltern und Geschwistern als Kind ab Penzance losgelaufen sind bis Prussia Cova und unterwegs hätte man dann ein Feuer gemacht und sich das Essen zubereitet und wäre dann wieder zurückgewandert. Da war man den ganzen Tag unterwegs. Heute wäre das unvorstellbar, dass ihre Enkelkinder wenigstens die Hälfte der Wanderung zu Fuß zurücklegen würden. Natürlich sprachen wir auch über ihren Hund und das Gespräch kam auch auf Zora. Sie legte voller Anteilnahme ihre Hand auf meinen Arm und strich darüber und ich musste mich zusammenreißen, nicht sofort loszuheulen. Sie erzähle, dass sie Lungenkrebs hatte und dass ihr Hund während der Chemotherapie nicht von ihrer Seite gewichen sei. Ja so sind sie unsere vierbeinigen Freunde, sie spüren immer genau, was los ist.

Mein Weg führt mich die ganze Küste entlang bis St.Michaels Mount, den man zu Fuß nur bei Ebbe erreichen kann, andernfalls mit einer kleinen Fähre. Doch dieser Fußweg ist eben das ganz besondere Happening, das man einfach gern mitnimmt. Und nach meinem wirklich für mich langen Weg von etwa 6-8 km bin ich nur um es auch gesehen zu haben auf dem Wasserweg zu Fuß langgegangen. Ich war offenbar zu spät dran, denn als ich gegen 17.00h St.Michaels Mount erreichte, war eigentlich schon alles geschlossen auf der Insel. Ich sah noch die Fußstapfen von Prinz Charles und Camilla, die anlässlich ihres Besuchs in 2010 dort genommen worden waren. Sehr aufregend! Da sieht man eine große und eine kleinere zierlichere Schuhsohle in Kupfer gegossen am Boden und fragt sich, was das soll. Auch das ist Großbritannien!´

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Der Weg im ganzen war wirklich so unbeschreiblich schön und abwechslungsreich und natürlich kam Zora wieder irgendwann dazu, machte Schabernack in den Wiesen, war beleidigt , wenn ich andere Hunde streichelte, alles ganz so wie im echten Leben. Und das Gute war, dass es an der Küste nicht nur relativ leer ob des Wetters war, sondern auch so stürmisch und laut, dass ich meinen immer wieder kurzen aber heftigen Impulsen zu weinen hemmungslos nachgehen und meinem in manchen Momenten unerträglichen Vermissen lauthals Ausdruck verleihen konnte.

An einer Stelle, an welcher der Weg ein wenig abknickte, so dass ich den weiteren Verlauf nicht einsehen konnte, riss mich plötzlich ein scheinbar ganz allein in der Gegend sitzend älterer Gold Retriever aus meinen Gedanken, der mich ansah, als hätte er dort nur auf mich gewartet. Auf meine Ansprache kam er auch sogleich rüber zu mir, ließ sich streicheln und starrte immer hinter mich und lief zweimal kurz um mich herum und kam zurück, als käme da gleich jemand und er müsste dort auch jemanden begrüßen. Vielleicht hat er ja Zora gesehen…. Dann kam eine ebenfalls sehr nette Lady und meinte ‚er scheint immer zu glauben, er sei allein unterwegs obwohl er es ja nicht ist, aber er denkt einfach, er sei ziemlich unabhängig.Ich lasse ihm das‘. Ich traf mindestens 5 Hunde auf meinem Weg und ausnahmslos jeder hat mich von sich aus freundlichst begrüßt, als würden wir uns schon lange kennen. Ob Zora Ihnen Bescheid gesagt hat, dass mir das Streicheln so sehr fehlt?

Auf dem Rückweg schmerzen meine Füße so sehr, dass ich überlege, den Bus zu nehmen-der kommt leider nur 3 mal am Tag und führt mich nicht wirklich an meinen Ausgangspunkt zurück. Ich mache mitten auf dem Weg eine kleine Pause, esse und trinke etwas und stapfe wirklich mit der Ausdauer einer Frau, die überleben möchte – als sei ich irgendwo verloren in der Wüste, doch ich war wirklich k.o. – mit Blasen an den Füßen (vielleicht hätte ich doch die Wanderschuhe aus dem Keller mitnehmen sollen) so rasch es geht zurück nur noch mit dem Ziel im Kopf, endlich ins Auto zu steigen und in meiner Unterkunft ein Fußbad (daran hab ich allerdings gedacht ;-)) zu nehmen.
Der Weg über Land soll ganz klar ausgeschildert sein, sagt mein Wanderführer – naja, an irgendeinem Stile finde ich kein Hinweisschild und überquere ein Feld querbeet Richtung Acton Castle von 1775 – John Stackhouse lebte hier mit seiner Frau Susanna Acton of Scott, und nein, er hat es nicht für sie, sondern weil er die See so liebte direkt an der Küste bauen lassen. Von dort sind es nur noch schlappe 800 Meter bis zum Parkplatz und ich hab mich lange nicht mehr so auf mein Auto gefreut.

Als ich zurück bin, kommt auch Sam – meine Gastgeberin, die hier mit ihrer etwas bekannteren Schwester Tiffany Coates lebt
(Worlds Famoust Motorbike Guide- http://tiffanystravels.co.uk -liest sich wie ein Film, leider ist sie bis 19.5. in Nepal auf einer Tour in den Himalaya- keine Ahnung , ob ich bis zu ihrer Rückkehr noch hier sein werde -obwohl ich sehr neugierig bin auf sie)
nach Hause und bringt einen Freund mit. Scott ist sehr entspannt barfuß in seinen Bermudas – (während ich mit Fließjacke am Tisch sitze )- und witzig und sie erzählt ihm beim Essen, bei dem wir alles zusammen auf den Tisch tun, meinen Salat mit dem perfect balsamico dressing von Paul Newman , das man durchaus nehmen kann, wenn man mal keine Lust hat, selbst anzurichten – und sie haben gedünstetes Gemüse und Lachs und Vollkornpasta (die britische Küche hat sich gegenüber meinem Letzten Besuch vor 20 Jahren erheblich verbessert!)
über ihre Arbeit und es ist so sehr wie Musik in meinen Ohren, dieses British English und sie entschuldigen sich mehrmals, dass sie mich so langweilen mit ihrer Jobgeschichte, aber ich beruhige sie und sage, dass es mir ein Vergnügen ist, dabei zuhören zu dürfen, weil es doch auf englisch ist und ich Worte lerne wie ‚People Pleaser‘ – und ich erkenne, die Inhalte sind dieselben wie bei uns – es klingt nur viel schöner. Und dann mache ich mein Fußbad und höre den inzwischen heimgekehrten Gästen Tim und Emma from Edinburgh zu, wie sie von dem doch eher langweiligen Theaterstück oben im Minack Theatre berichten und ich bin froh, dass ich mich heute dagegen entschieden hatte.

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6.Mai The Last Journey Am Abend betrachtet

…war der Tag in sich gespalten. Nach der schönen Pause am Meer folgte ein ziemlich steiler Aufstieg zum legendären Minack Theatre, einem Theater mitten in den Felsen oben auf der Klippe sozusagen, von dem man zunächst vermutet, es sei von den Römern bereits erbaut worden. Weit gefehlt: eine einzige Frau hat es in den Jahren von 1931-1983, dem Jahr Ihres Todes entworfen, erbaut und finanziert. Eine tolle Sache, wenn es Mittwoch Abend nicht zu kalt und regnerisch wird, werde ich mir also am Abend mit Blick über den Atlantic ein Theaterstück ansehen können.
Oberhalb des Meeres befinden sich wunderschöne oft verschlungene und auch verwunschen anmutende Wanderwege durch eine heideartige Landschaft voller kleiner bunter Blumen und Farne. Dazwischen findet sich hier und da ein kleiner Wasserfall, der die Klippen hinunter bis zum Strand verläuft.
Irgendwo da auf meinem Weg holte mich der Verlust dann doch wieder ein und ich spürte ihn so schmerzlich, dass ich regelrecht in ein Loch fiel. Eine Schwere überkam mich, die bis heute abend andauerte und nur durch die kurzen Gespräche hier mit anderen Gästen oder meiner Gastgeberin zeitweilig unterbrochen wurden.
Der Spagat zwischen den Erinnerungen und den Bildern, die in meinem Kopf entstanden waren, machte mir zu schaffen. Es war den Tag über so , als wäre sie bei mir, würde alles miterleben. Dabei schwankte mein Bild von ihr zwischen Welpenalter, Jugend und Endstadium.
Seit meine Eltern vor inzwischen 9 bzw. 8 Jahren nacheinander gestorben sind, hat mich diese tiefe Einsamkeit, dieses Gefühl des Verlorenseins nicht mehr richtig losgelassen. Das ist mit dem Verlust von Zora, für den ich bei weitem mehr Vorbereitungszeit hatte, natürlich nicht wirklich anders – nur nicht so neu.
Ich habe in den letzten Jahren viel über den Tod nachgedacht, was das eigentlich ist, was da mit uns passiert. Gibt es eine Seele? Stirbt nur unsere irdische Hülle und der Geist lebt weiter? Ich verwarf all diese Gedanken und war fest überzeugt, wir haben einfach nur ein Zentrales Nervensystem und irgendwann ist die Batterie eben leer und damit sterben auch alle Gefühle, die ja auch nur chemische entstehen.
Vor zwei Jahren war ich in Italien in einem Museum und sah erstmals eine Übersicht der chemischen Bestandteile unseres Körpers. Alles findet sich auf der Erde und im Universum wieder. Ich war ehrlich verblüfft. Hätte ich in Chemie und Biologie besser zugehört, wäre mir diese Erleuchtung womöglich früher vergönnt gewesen, doch ich hatte mich nie mit solchen Dingen beschäftigen wollen.
Viel später ging ich einmal mit Zora im Grunewald spazieren und fand einen jungen Baum abgeknickt über den Weg hängen. Das rührte mich so an, dass ich nachsah, ob ich tote Stämme zum Abstützen finden könnte, damit sein junges Leben nicht schon vorbei sein musste. Unter Aufbringung aller körperlichen Kräfte,denn so ein junger umgeknickter Baum ist wirklich ganz schön schwer- schaffte ich es, ihn mit einem Arm aufzurichten und mit der anderen Hand die gefunden Stämme als Krücken gleichsam in Position zu bringen. Ich hab geweint dabei, weil es anstrengend war und weil ich stellvertretend ( vielleicht meine Eltern ) diesen Baum unbedingt retten wollte. Damals bekam ich eine Ahnung davon, was mit der buddhistischen Auffassung von unserer aller Verbundenheit gemeint sein könnte, was bei Beerdigungen Asche zu Asche bedeutete.
Der Tod meiner Oma war der erste große sehr schmerzhafte Verlust in meinem Leben und ich sah sie noch lange immer wieder in anderen Menschen und erschrak dann immer.
Als mein Vater gestorben war und meine Mutter schwer krank war, sah ich ihn ständig in anderen Menschen, die ihm ähnlich sahen, manchmal auch von hinten auf der Straße oder mir entgegenkommen. Ein Jahr nach seinem Tod an dem Abend vor Weihnachten ging ich mit Zora in absolut ländlicher Dunkelheit spazieren und hörte Tango mit dem Ipod, als ich plötzlich erschrak; ich drehte mich um und hatte das Gefühl,mein Vater sei dort irgendwo und rief ängstlich in die Stille „Papa“?
Am nächsten Tag rief mein Onkel an und sagte mir, dass meine Mutter gestorben war und zwar genau zu der Zeit, als ich in die Stille gerufen hatte. Ich hab meinen Vater danach nicht mehr gesehen.
Wie ist das also mit dem Tod und dem Geist? Ist es da tatsächlich so abwegig, dass Zora mich hier ab und an begleitet….

Den Baum von damals hab ich übrigens seitdem häufig besucht, er hat es mit aller Kraft überlebt und bekommt jedes Jahr neue Triebe. 😉

Noch einige schöne Eindrücke von meinen Spaziergängen.

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6. Mai The last Journey Das Meer

Ich habe weder Hemingway „Der alte Mann und das Meer “ gelesen noch den neuen Film von und mit Robert Redford gesehen, in dem er seine Zeit wortlos mit seinem Boot und dem Meer verbringt.
Doch ich habe eine gute Ahnung davon, wie sich das anfühlt. eben noch inmitten von verschlungenen Pfaden einer seltenen landschaftlichen Schönheit und meiner unendlichen Trauer ausgesetzt, finde ich mich im nächsten Moment einer der wie ich finde schönsten Naturgewalten der Welt gegenüber stehend, dass es mir den Mund vor Staunen offen stehen lässt. Dafür habe ich diese Reise gemacht. Keine Gedanken mehr, die mich weggehen lassen von diesem Augenblick, keine Sorgen mehr. Ich bin einfach nur hier und staune über dieses unendlich schöne Meer, diese Kraft, den Lärm der brechenden Wellen.
Nachdem ich mich wieder gefasst habe, zieh ich unversehens Schuhe und Strümpfe aus und laufe ihm einfach entgegen. Es ist so wunderbar, so unendlich schön , grad hier in diesem Moment zu sein, das kalte Meer an meinen Beinen zu spüren, den kiesartigen Sand unter meinen Füßen , den frischen Wind über mein Gesicht fahren zu lassen und mich von der Sonne wärmen zu lassen. Danke für dieses wunderschöne Glücksgefühl! Und nebenbei tauchen die schönsten Bilder von Zora in mir auf, die Jung und lachend sich im Sand wälzt, mich mit der Nase anstubst und sich zu mir legt und mir zeigt, es gibt eigentlich keinen echten Grund , grad traurig zu sein.

6. Mai The last Journey Ein neuer Tag

Jeder Tag ist ein neuer Tag – Morning has broken von Cat Stevens lief gestern auch im Radio. Ich glaub , ich hab mit 15 das erste Mal Cat Stevens auf der Gitarre nachgespielt und nur gesungen, wenn keiner dabei war. Gestern fiel mir wieder einmal auf, dass es doch einen sehr religiösen Hintergrund hat. Und das war schön!
Im Februar habe ich den ersten Reiki Grad gemacht, weil eine Freundin von mir Zora mit Reiki einige Male sehr helfen konnte und so wollte ich das auch gerne tun. Das hab ich auch – bis zu ihrem letzen Atemzug.

Warum ich das erwähne, ist eigentlich nur die Tatsache, dass ich mit Reiki wieder an etwas zu glauben begonnen hatte oder vielleicht dass ich es einfach bewusster tue seitdem. Es gab da noch die eine oder andere Begebenheit im Vorfeld, die mich wieder etwas mehr dem Glauben an etwas öffnete. Angefangen hat es irgendwann mit den Parkplatz- Wünschen, die in Kreuzberg bitter notwendig sein können.
Also mein erster Eindruck heut morgen war dieser hier und ich dachte, na prima, wenn was passiert dann bin ich gleich und sofort weg – aber das ist ja nicht mein Plan….

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Deshalb hab ich als Titelbild die schöne Sonne und damit die Vorteile gewählt als Begleitung für diesen Tag. Bevor sie weggeht, werde ich mich auf den Weg zum Strand machen, der soll nämlich ganz nah sein…….

5.Mai The Last Journey Porthcurno-Cornwall

Heute ist es genau eine Woche her. Ich trau mich kaum hinzuspüren. Heute morgen waren die Bilder wieder da:Zoras viel zu blasse Zunge, diese merkwürdigen Stellen darauf, wie sie sich nach dem Zwangsspaziergang sofort an den Teich legte und einfach nicht mehr wollte, nicht mehr konnte-keine Kraft mehr hatte und ich auch nicht. Als hätten wir das über Nacht nochmal genau abgesprochen und uns in stiller Übereinkunft dazu entschieden, nun loszulassen. Das haben wir auch getan über mehrere Tage-mit Blicken, Gesten, Gedanken.

Die Fahrt nach Cornwall war beschwerlich. Ich hab die Urne für diese Fahrt extra auf dem Rücksitz postiert, auch wenn das aussieht wie ein Schrein, das soll es eigentlich nicht, da ist auch immer ein gutes Quentchen Humor dabei – ein lachendes, ein weinendes Auge – wirklich gelungen ist der Schatten der Hundepfote – der Stoffhund liegt nur ersatzweise auf der Ablage bis ein Wackeldackel kommt.

Es gab einen Moment am Nachmittag, da brach der Schmerz einfach nur heraus und ich hab beinahe geschrien, weil es so weh tat. Danach war es etwas ruhiger in mir.
Ein Freund schrieb mir sinngemäß etwas wie „Weitermachen, doch wozu?“ Und es fühlte sich genau so an-wo war der Sinn im Weitermachen?
Die Tierärztin sagte bei all meiner Sorge um Zora vorletzte Woche, ich solle jetzt einfach nur von morgens bis mittags denken. Wenn man sich auf den Atem konzentriert, hält man automatisch inne und die Gedanken und damit auch die Sorgen verschwinden im Augenblick und man ist für den kleinen Moment tatsächlich im Hier und Jetzt.
Ich glaube, jedEr von uns kennt solche Momente und je älter und erfahrener wir werden, um so mehr können wir diese ertragen und einschätzen. So auch ich allein in der Erinnerung an den gestrigen Tag und die vielen unerwarteten Wendungen, die mich immer wieder von Sinnfragen abschweifen lassen, weil das Leben dann doch einfach passiert, wenn man es zulässt.
Ob es die Musik im Radio ist, die mich begleitet- und ich war reich beschenkt heute, denn ich konnte im Rahmen der Bankholidays (Feiertag in England) auf BBC 2 meine Kindheit und Jugend an mir vorüberziehen lassen, mitsingen, mich erinnern mit TRex‘ Children of the Revolution, The Sweets‘ Love is like Oxygene oder Supertramps Breakfast in America oder Hotel California. All diese Lieder bekommen dann plötzlich eine neue Bedeutung und machen Spaß oder manchmal auch wehmütig. Bei einigen hatte ich das Gefühl,-ich verstehe den Text zum ersten Mal. Wie kleine Geschenke,die ich auspacken kann, wenn ich nur möchte.

Schließlich kam ein Schild mit dem Hinweis „Stonehenge“ – und alle Sinnfragen waren völlig aus meiner eben noch schwermütigen Stimmung entwischt- vielleicht ist genau das mein Geschenk hier auf dieser Welt, dass ich es immer wieder schaffe, etwas neues zu finden, das meine Neugier aufs Leben wieder und wieder weckt. Genau so war Zora, immer wieder fand sie etwas, das ihre Aufmerksamkeit erregte und woraus sie ein Spiel machen konnte.

Heute bei meiner Ankunft in dieser nebligen Einöde am Ende Englands-einen Steinwurf von Lands End entfernt,fehlt sie mir ganz furchtbar. Bei meiner Ankunft sagte ich meiner Gastgeberin, ich versuche es genau 3 Tage, weil es hier so einsam ist und ich nicht sicher bin, ob ich mir selbst schon so hautnah begegnen kann.

Keine 10 Minuten später erzählte sie etwas von Baskin Sharks, die in der Bucht gesehen wurden und von Mini Stonehenge Stones in der Gegend….und wieder bin ich neugierig-neugierig auf morgen und wie es mir geht und was der Tag mir bescheren wird.

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4.Mai The Last journey Tango Balham La Mariposa at Excelsior Night Club

Da war ja noch der Tangonachmittag ….. nach meinem wunderbaren Nachmittag in Norwood kam ich gegen 16.45h in Balham an und fand auch schließlich den unscheinbaren schmalen Eingang ins Excelsior, wo in der 1. Etage die Milonga (Name für die Tangoveranstaltung an sich, man geht statt in die Disco zu einer Milonga) stattfand.
Freundliche Menschen empfangen mich am Eingang und da ich unsicher bin, frage ich, ob es hier auch möglich ist, als Frau zu führen-in Berlin keine Frage, aber auswärts…..nicht immer gern gesehen.
Natürlich , das wäre überhaupt kein Problem, es gibt da einige Frauen, die sich gern von einer Frau führen lassen und Alan-der Veranstalter zusammen mit Ros- würde ein announcement machen, dass ich da wäre und führen kann. Woher ich denn käme und als ich erwidere aus Berlin, kommt von jeder Seite eine Geschichte, wie toll und so viele Milongas Berlin.
Überhaupt scheint die Tatsache allein, dass ich aus Berlin komme und dann noch aus Kreuzberg, auszureichen, um mir unbesehen Sympathien entgegenzubringen. So als käme ich aus New York.
Anyway- beim public announcement war ich gerade auf die Toilette geflüchtet, ich hörte die Leute ein Willkomen klatschen und das war sehr nett, aber um die öffentliche Vorstellung kam ich nur halb herum.
Ich tanzte also nach ein paar Minuten mit Lucy, die keine wirklich enge Umarmung wünschte und mir stets etwas davon lief, aber wir meisterten unsere Tanda (3 Tänze hintereinander) würdevoll und doch so, dass niemand davon lief, wenn ich fragte.
Aber eigentlich musste ich niemanden fragen, alle kamen zu mir.
Nach Lucy kam ein anderer Alan mit weißem Weihnachtsmannbart, sehr freundlich, vom Typ, er kümmert sich mal um die Neulinge und zeigt mal, wie das geht. Meine führenden Tango-Freundinnen wissen, was ich hier meine….
Auch das überstand ich prima, dann tanzte ich mit Azusanna aus der Nähe von Galizien, ganz wunderbar, keine Kontaktscheu und sie organisierte die nächste Tänzerin für mich. Dann schlich immer eine sehr schlicht wirkende Dame um mich herum, blond etwas über 50 und sehr sympathisch und fragte mich irgendwann auch nach einem Tanz. Das war ganz wunderbar, Marianna aus Paris it einer Stimme von mindestens einer Schachtel Gauloises täglich-herrlich!!- alle leben in London. Und irgendwann kam Dominique aus Lyon, etwas kleiner als ich und es stellte sich heraus, dass er gerade vor 2 Wochen in Berlin im Café Dominguez war, wo ich an dem Tag an der Bar ausgeholfen hatte und ich erinnerte mich gut an ihn, weil er mir gleich sympathisch war. Noch nicht so verdorben wie die guten Tänzer manchmal sein können.
Es war ganz wunderbar mit ihm zu tanzen-ehrlich. Ich bat ihn gleich um die nächste Tanda und er fand es wie er sagte auch sehr schön mit mir zu tanzen.
Also um es abzukürzen , habe ich eigentlich bis auf einige Minuten am Anfang praktisch nur getanzt und schließlich ging ich noch mit einigen von ihnen in den Pub etwas essen und es war ein wunderbarer Ausklang des Tages und Abends mit sehr angenehmen Menschen um mich herum und vielen angeregten Diskussionen um die unterschiedliche Art der verschiedenen Kulturen, mit dem Tango umzugehen. Ein toller Tag!
Und abends noch ein schöner Austausch mit meiner Gastgeberin, das ich nicht wegfahren mag…..aber Cornwall must be wonderful!

4.Mai The last Journey Norwod Feast und Tango at Balham

Gegen 13h erreiche ich diesmal auf Anraten meiner Gastgeberin doch mit dem Auto die Norwood Road Ecke Knight Hill und parke direkt neben dem West Norwood Cemetry gegenüber der Kirche.

Schöne Jazz-Piano-Klänge laden mich gleich ein, rüberzukommen und so eile ich über die Straße und die Stufen hoch und bin da. Und an dem Pianospieler vorbei – der gewöhnlich in einem Duett mit einem Cellisten spielt wie ich dem Hinweisschild neben ihm entnehmen kann – geh ich schnurstracks erstmal in die Kirche.

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Eine schlichte womöglich neogotische Innenarchitektur erwartet mich und eine Sofa Ecke direkt in die Gebetsreihen integriert lädt zum Verweilen ein. Links von mir befindet sich ein kleiner Stand mit Tee,Kaffee und Gebäck und auf mich sehr freundlich anmutenden Menschen. Ob das wohl noch eine echte Kirche istmit Gottesdienst oder eher einTreffpunkt ? Fields of Gold von der leider sehr jung verstorbenen Eva Cassidy interpretiert, erklingt aus den Lautsprechern, über die normalerweise sicher der Pfarrer oder die Pfarrerin zu hören sind und ich singe einfach mit ohne Angst, dass mich jemand hören könnte-natürlich nur an den Stellen, wo ich die Töne wirklich treffe. Es sollen sich ja alle weiterhin wohlfühlen.
Als ich dann direkt links von mir einen Tisch mit Flyern von Veranstaltungen der Kirche entdecke und folgendes Bild sehe, werde ich stutzig.

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Where is my home? steht da und ich fühle mich sehr angesprochen. Eine Ankündigung auf eine Veranstaltung am kommenden Samstag mit Musik, Gedichten und Lesung. Das klingt gut, aber da werde ich in Cornwall sein. Dennoch veranlasst mich diese Ankündigung noch länger in der Kirche zu verweilen. Ich mochte Kirchen schon als Kind sehr gerne, obwohl ich nicht religiös war, aber diese mächtigen kunstvollen Gebäude flößten mir stets Ehrfurcht ein und machten mir Geschichte erst wirklich bewusst. Eine Ahnung, wie viele Menschen in Ihnen schon Schutz und Geborgenheit gefunden haben mögen, entsteht dabei jedes Mal erneut.
Für mich sind solche kleinen Entdeckungen wie so ein Flyer wie kleine Hinweise, die mir das Leben, das Universum oder wie ich es nennen mag als Anregung vorschlägt.
Eine nette Dame bot mir noch eine Tasse Tee an und wir kamen kurz sehr freundlich ins Gespräch über die Kirche und dass sie eine weltoffenere Richtung einschlagen, wie das ja einige tun und ich muss sagen, es fühlte sich sehr nach echter Gemeinschaft an.
Wieder draußen angelangt war es ein ebenso freundlicher wie friedvoller Anblick: überall Stände mit Essen, vielen Menschen aber nicht zu viele saßen auf den Wiesen und lachten und aßen Leckereien, tranken Bier oder Kaffee und jeder schien sich rundum wohlzufühlen. Genauso fühlte es sich dort auch an und selbst ohne jemanden zu kennen, blieb ich bis zum Nachmittag dort schaute den Menschen zu und hörte auf die Musik.
Eigentlich war ich noch kurz auf einer Führung auf dem West Norwood Cemetry, einem Friedhof mit einigen Gräbern bekannter Persönlichkeiten Englands. Und obwohl ich diesem älteren very british man so unendlich gerne zuhörte, wie er jeden Satz in feinstem britischem Englisch und einem so schönen Klang in meinen Ohren formulierte, vernahm ich plötzlich die Klänge eines Chores von der St. Luke Church kommend , die mich nicht mehr losließen und nachdem er an einer Grabstelle seine Ausführungen beendet hatte und die Gruppe weiterlief, bog ich schnellen Schrittes Richtung Kirche ab und dachte so bei mir, was will ich bei den Toten, mein Hund ist grad gestorben und es dürstet mich nach Leben und Freude und weg war ich.
Es folgten noch andere Musiker und einer sang so schöne Lieder, die mich jedoch traurig machten. Das Thema Einsamkeit stieg wieder in mir auf und plötzlich war ich bei dem Gedanken an Zora, die doch so viele Kontakte für mich im Vorübergehen gemacht hatte, kurz vorm Weinen. Wie sollte ich denn in Zukunft Leute kennenlernen ohne sie? Sie war doch die von uns beiden, die so viel Aufmerksamkeit erregte, dass die Leute stehen blieben und sie fotografierten. Da konnte ich nicht mithalten. Natürlich war da auch ein Anteil in mir, der mir versicherte, dass ich das auch so schaffen würde , aber der war grad sehr leise.
Und so entschied ich, dass ich jetzt doch langsam mal zu meiner ausgewählten Tangoveranstaltung im Excelsior in Balham ausrücken sollte.

Als ich jedoch meine Sachen ins Auto getan hatte, wurde mein Blick noch von diesem Stand and er Straße neben der Kirche eingefangen und ich hatte plötzlich die Eingebung,ich müsste dort unbedingt noch hingehen.
Da war eine rothaarige Frau, die den Tisch gerade abräumte und meinen neugierigen Blick auffing und mir einen Flyer mit einem Theaterstück, das dort bald aufgeführt würde in die Hand drückte und ich bedankte mich und sie räumte weiter ab und da dort große Zettel am Tisch hingen mit der Aufschrift „Save the old Fire Station“ erinnerte ich mich, dass ich auf dem Weg unmittelbar vor Norwood an einer alten Feuerwehr vorbeigefahren war, an der Feuerwehrleute demonstrierten, da die Regierung diese Feuerwache schließen will. Und so fragte ich sie, ob denn die Initiative Aussicht auf Erfolg hätte. Und dann legte sie richtig los und erzählte und erzählte und nach einigen Minuten begriff ich, dass es sich um dieses alte Gebäude handelte, das war die alte Feuerwehrstation von 1883 oder so -http://southlondontheatre.co.uk/restoration/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1-und es vergingen keine 5 Minuten, da gab sie mir eine kleine Privatführung durchs Theater und erzählte von den Restaurierungen, die geplant sind und dass sie 20% der Kosten selbst aufbringen müssten,aber das es gut aussieht und wenn ich wollte, könnte ich mir gern mit ihr noch die Proben zum neuen Stück ansehen. Ich musste das leider sehr höflich ablehnen,weil ich zum Tango wollte.Wir plauderten aber noch eine Weile und ich erzählte aus dem Gespräch heraus von meinen Reiseplänen und von Zora und dass ich gern eine Weile länger in England bliebe und so sprach sie mir noch einige Empfehlungen aus und bot mir sogar noch an, in ihrem Cottage in Cornwall zu bleiben, wenn ich möchte. Sicher nicht umsonst, aber eine sehr freundliche Geste, so gab sie mir ihre Telefonnummer und ihre Email und meinte, ich solle mich einfach melden, falls ich ins Theater möchte, würde sie mir eine Karte besorgen. Sie hieß Lisa und war wirklich freundlich. Das zum Thema wie ich ohne Zora bloß jemanden kennenlernen soll. Fehlte nur noch das Fotografieren. Vielleicht,wenn ich mir auch ein Schlappohr zulege….;-)

post scriptum: auch wenn ich mich zum Schluss wieder einsam fühlte, hab ich dennoch an diesem Ort so viele freundliche Menschen getroffen. Solche, die mir ein ehrliches warmes Lächeln von Herzen schenkten und das tat so gut. Überhaupt verglichen zu meiner Touristentour am Vortag habe ich dort erstaunlich schöne Menschen dort gesehen. Menschen, die zufrieden wirkten, ausgeglichen, die ein Gefühl des Miteinander verströmten. Das hat mich sehr beeindruckt. So sehr, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, eine Weile dort zu bleiben. Nun,manche kennen meine Luftschlösser, aber ein Zimmer mieten ohne Hund ist sicher nicht so schwer und nicht so teuer in diesem Bezirk, der ein wenig dem alten SO 36 in Berlin ähnelt.

4.Mai The last Journey Aufwachen in London

Wie ist das mit dem Aufwachen am Morgen?Ist es ein Traum, aus dem man erwacht?Ist die Blase einfach voll?Ist der Körper ausgeruht?Das sehe ich also gerade morgens nach dem Aufwachen und natürlich gibts auch heute wieder diese Aneinanderreihung von Sorgen, Ängsten und Gedanken, Werde ich das alles schaffen?Fühle mich unsicher und allein und fast hilflos. Ein oder einige Anteile in mir haben offenbar Ängste, die mir tagsüber irgendwie verborgen bleiben und ich frage mich, wie ich sie beruhige, damit ich endlich mal etwas länger schlafen kann. und mich ausgeruhter fühle.

Auch das sehe ich morgens und es beruhigt mich weiterhin irgendwie. Und ich vermisse Zoras feuchte Nase und ihr sagenhaft flauschiges Fell, in das ich gleich morgens immer meine Nase gesteckt hab.
Man kann das Foto gegen das Licht schlecht erkennen, doch Ihr kennt es schon von vor einigen Tagen. Ich hab ein Iphone und immer wenn ich eine SMS verschicke, hab ich so ein smiley und ein paar Hundepfoten mitgepostet. Gestern fiel mir auf, dass ich ja nun eigentlich keine Pfoten mehr posten kann,weil ich ja jetzt eigentlich die Frau mit ohne Hund bin. Aber Gabi meinte dann, wir machen das weiter so, dann denken wir immer an sie und so mach ich es jetzt…..🐾🐾🐾🐾🐾

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Heute steht der Norwood Feast -eine Art Kunsthandwerk- oder Nachbarschaftsmarkt auf dem Programm
http://westnorwoodfeast.com – hier findet Ihr ein kleines Video, was dort so los ist. Das fühlt sich warm und gut an vom Intro.
Heute Abend weiss ich mehr…

3.Mai the last journey LONDON Down and Up

Kein einfacher Morgen. Nach nur 6 Stunden um 6.50h wieder wach und wieder die gleichen quälenden Fragen wie gestern:Hätte ich etwas anders, etwas besser machen können?Wäre Zora dann noch da?
Unzählige andere unnütze Fragen und Zweifel gesellten sich dazu, bis ich nach einer guten halben Stunde entscheide, mich doch noch einmal in den Schlaf zu drehen.Um 10h schaue ich wieder auf die Uhr und bin erleichtert und stehe auf. Schließlich will ich doch endlich in die City.My Host Tricia fragt, ob ich denn gleich mit zum Swimming Pool käme-damit meinen sie hier das städtische Schwimmbad. Ich zögere einen Moment und entscheide mich dann doch für ein ruhiges Frühstück im Garten in der Sonne.Und zwar in sehr netter Gesellschaft….

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Kurzentschlossen fahre ich mit der National Railway nach London Bridge und steige dort in die U Bahn nach Camden Town, denn dort war ich das letzte Mal 1988 und kaufte mir damals ein Lederbustier zum Schnüren, dessen Schnüre am Abend in einer Londoner Disco eine Irin beim Tanzen mit einem Griff löste, was sie sehr lustig fand….aber es war viel harmloser als das jetzt klingt.
Camden High Street is totally overcrowded. Wenn ich an vollen Tagen in der Bergmannstrasse in Kreuzberg schon beinahe Beklemmungen spüre: hier ist es dreimal so voll.
Im Grunde stelle ich fest, dass ich als jahrzehntelange Kreuzbergerin kaum noch zu beeindrucken bin. Ich laufe an den Läden vorbei und lasse den Plunder links und rechts von mir liegen. Die Menschen sind es, die mich hier interessieren. Sie kommen von überall, aber nur wenige Gesichter sind wirklich interessant und gerade diese entziehen sich meiner Kamera mit einer katzenhaften Geschwindigkeit, so dass ich als dann doch ungeübte Hobbyfotografin wenig Chancen habe.
Ich hab das jetzt zwar so schnell runtergeschrieben mit der UBahn und so, aber das sind für mich jedesmal Mutproben: Die mich näher kennen, wissen um meine klaustrophobischen Anfälle und umso mehr habe ich nochmals Grund zum Feiern, dass ich auch diese Hürde fast(! es gab nur einen klitzekleinen Moment wo ich drohte schwach zu werden, als der Zug nach Camden Town plötzlich stockte und fast anhielt und dann sehr schleichend in den Zielbahnhof einlief, aber es war vergleichweise nur ein klitzekleiner Moment, und wieder geschafft!!Juhuuu!!)
Hier einige Impressionen der UBahn

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Nach genügend Eindrücken ziehe ich mich zurück und flüchte mit dem nächsten Bus erst zur Viktoria Station und dann zum Leicester Square und finde mich plötzlich wieder in Menschenmengen in Chinatown wieder. Kameras und Handys werden überall in den Händen gehalten,die Menschen positionieren sich , sie posieren. Und inmitten all diesen Trubels schleichen sich die traurigen Empfindungen wieder ein. Dieses Gefühl, dass da niemand mehr auf mich wartet, wenn ich nach Hause komme, durchdringt mich immer mehr und plötzlich nehme ich nur noch zusammenhängende Menschengruppen wahr, Paare, Familien….nicht, dass ich nicht auch schon mit Zora nicht mal solche „Lost“ Gefühle gehabt hätte, aber natürlich haben diese Anteile jetzt eine ganz andere Qualität. Ich unterdrücke den Impuls zu weinen und gehe weiter und bleibe wieder stehen vor einem Laden, der mit chinesischer Medizin, Massage und Akupunktur wirbt. Auf dem Aushang steht, dass Frau Prof.Ling Gong 40 Jahre Erfahrung in traditionell chinesischer Medizin verspricht und bei fast allem helfen kann, auch bei menopausalen Beschwerden, bei Schmerzen, Stress und emotionalen Problemen und Schlaflosigkeit. Einen Moment schleiche ich um das Geschäft herum und fühle mich von der bereits erlebten Möglichkeit der Schmerzlinderung in meinem Herzen durch eine Akupunktur magisch angezogen…schließlich nehm ich die Kamera in die Hand, verstecke mich und meine Gefühle dahinter und laufe weiter auf Motivschau und bin doch aber auf einer ganz anderen Suche.

Ich steige in einen Bus, der mich am Piccadilly Circus vorbei auf den Trafalgar Square blicken lässt und am Hyde Park vorbei rauscht, wo es endlich etwas menschenleerer wird und mein ganzer Körper sich entspannen kann.Irgendwann an der Themse steige ich aus und lauf zu Fuß weiter bis zur South Bank. Dort steht das größte Riesenrad Europas zur Freude der Touristen und verschandelt die architektonische Landschaft und liegt etwa schräg gegenüber von Big Ben. Eine Art Party-Kultur-Meile, wieder unzählige Menschen, die alle irgendwie mit irgendwelchen anderen zusammenzugehören scheinen und wieder flüchte ich erst mitten rein ins Gewühl und dann irgendwie wieder raus aus dem Getümmel und schließlich lande ich auf meinem Weg in die Tate Modern, wo ich eigentlich hinwollte in einem alternativen Theater á la HAU II am Ufer und leider hat das Stück, dessen Plakat ich draussen entdeckt hatte, schon 20 Minuten vorher begonnen. Es ist ein Stück über Syrien, das Plakat und der Titel berühren mich tief -warum denn bloß? 😉 –

„Oh,my sweet land“ steht darauf.

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und schließlich lande ich in einem Pub und esse einen VeggieBurger, nachdem man bei dreimal Byrons Schlange steht, um einen Platz zu bekommen und fahre dann gegen 21.30h langsam aber sicher zurück zu meiner Unterkunft. Und freu mich, das Bild von Zora an der Urne stehen zu sehen und mein Herz geht wieder etwas auf, so als sei sie einfach noch da.