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24. Mai The Last Journey Long way home

Und wieder wache ich nach einer sehr kurzen Nacht gerädert auf. Nach dem Aufstehen geht es meist etwas besser, dann kann ich die schweren Gedanken, die mir jetzt täglich noch stärker seit dem Beginn meiner Rückreise als erstes in den Sinn kommen, besser verdrängen.
Leise geh ich ins Bad und dusche als erstes und versuche Dominique nicht zu wecken, der mich bat, ihm in jedem Fall goodbye zu sagen, bevor ich fahre.
Am Abend zuvor hatte ich gottseidank schon alles vorbereitet an Verpflegung für die Fahrt und ich bin froh darum und auch dass Dominique noch schläft,da ich morgens auch immer eine Weile brauche, um richtig in die Gänge zu kommen und jede weitere Person meine Aufmerksamkeit unweigerlich von mir abzieht und ich stets fahrig werde. Kaum hab ich meinen Tee aufgegossen, höre ich ihn doch von oben herunterkommen und dann steht er ein freundliches ‚Good Morning‘ ausstoßend in Unterwäsche in der Küche. So distanzlos wie am gestrigen Morgen und als seien wir alte Freunde. Ich bin ganz offen für einen lockeren Umgang, doch frage ich mich jedesmal, wieso gerade Männer in meiner Gegenwart stets so ein Kumpelverhalten an den Tag legen, auch wenn sie mich wenig kennen.
Natürlich verliere ich meine Konzentration,weil ich mich mit ihm unterhalte und dann hektisch werde, weil ich vor 9.30h im Auto sitzen möchte – an Samstagen wird erst etwas später bestraft,wer falsch parkt.
Draußen regnet es in Strömen und Dominique sagt, das sei immer so in London, daher seien hier so viele Menschen depressiv,weil ihnen das Wetter so zu schaffen macht.
Schließlich ist es so weit und ich muss mich jetzt doch ein wenig beeilen und Dominique kommt zwar – inzwischen etwas bekleideter- mit bis an die Haustür unten doch drückt mir dann alles in die Hand ohne mir wenigstens die Vorgartentür zu öffnen, ganz offensichtlich weil er nicht nass werden möchte. Ich gebe ihm ein herzliches Dankeschön und eine flüchtige Tangoverabschiedung, die der üblichen französischen übrigens sehr ähnelt – bisou bisou gehaucht neben die die rechte und die linke Wange und geh zum Wagen, der gleich gegenüber parkt. Ich bin noch am Einladen, als Dominique mich in der Haustür stehend ruft und mir meine Tangokleidung auf meinem mitgebrachten Bügel entgegenwedelt. Mon dieu, beinahe hätte ich diese am Schrank vergessen, wo ich sie am Abend zuvor angehängt hatte.
Dann geht es wirklich los und ich habe wieder das Gefühl, es dauert Stunden, bis ich die Stadt hinter mir lassen kann.Ich muss einen großen Bogen fahren mit allen anderen, die von auswärts kommen, denn im inneren Kreis befindet sich Central London und das ist die sogenannte ‚charging zone‘, die mit Kamera überwacht wird und die mir fehlende Gebührenplakette einscannt beim Durchfahren der Stadt. Nachdem ich dann wirklich beinahe alle Umfahrungen hinter mir gelassen habe, entdecke ich unter dem Warnschild ‚charging zone‘ eine Beschränkung auf Montag-Freitag und bin nicht sicher, ob ich mich jetzt ärgern soll, weil ich womöglich doch mitten durch die Stadt hätte fahren können – auch ohne Strafzettel.
Schließlich erreiche ich endlich die Schnellstraße und dann eine Autobahn und dann geht es etwas schneller in Richtung Dover, das eigentlich nur gut 120km entfernt liegt, doch durch den Verkehr und die weite Ausdehnung Londons doch wesentlich aufwändiger und zeitintensiver zu erreichen ist als man es zunächst erwarten kann.
Auf der Autobahn höre ich wie beinahe die ganze Zeit in England BBC 2 und die alten Hits aus meiner Kindheit und Jugend begleiten mich wieder auf meiner inzwischen sich wieder sehr einsam anfühlenden Rückreise. Immer wieder sehe ich in Abständen einiger Kilometer eine Leuchtanzeige mit dem Hinweis auf ‚congestion after exit A236 und ich werde etwas unruhig, weil das womöglich auf meiner Strecke liegt. Auf einer der letzten Raststätten halte ich an und versuche herauszufinden,was es damit auf sich hat. Ich höre am Rande noch eine Verkehrsdurchsage im Radio mit Hinweis auf einen Stau irgendwo Folkestone/Dover und suche auf dem Parkplatz fieberhaft nach meiner Straßenkarte vom ADAC. Schließlich probiere ich das freie WLAN mit dem Handy aus und finde aber weder die passende Ausfahrt zur Meldung noch etwas auf der Karte und so frage ich den Tankwart, der zwar aus der Gegend um Dover kommt, doch außer dass es keinen anderen Weg zur Fähre gibt als den über die Autobahn, kann er mir nicht weiterhelfen. Also fahre ich weiter auf der Autobahn in der sicheren Annahme, als ich Folkestone passiert habe und die Autobahn jeden Moment endet und mich nach Dover zur Fähre führt, dass alle Stauwarnungen sich erübrigt hätten. Als ich nach Dover komme, sehe ich das Dilemma: Autoschlangen und kein Vorwärtskommen. Ich kann die Fähren schon sehen, es ist 12.15h und der Check In für meine Fähre ist um 13.00h. Fluchend stoße ich Hilfegesuche ins Universum aus und versichere, dass ich wirklich diese Fähre bekommen möchte. Ich erinnere mich an die Abfahrt aus Cornwall bei Chris, als mir die rote Kiste mit Zoras Asche aus der Hand auf den Boden krachte doch glücklicherweise heil blieb bis auf eine eingedrückte Ecke. Waren das auch alles Hinweise, lieber nicht nach Hause zu fahren? Doch das war mir jetzt egal, ich wollte die verdammte Fähre jetzt erreichen und abends irgendwo ankommen und meinen Geburtstag zuhause feiern – basta!
Ich schnappe mir also die Fährunterlagen und rufe die Nummer an, die preiswerter sein soll und erkundige mich bei der Dame, was passiert,wenn ich den Stau nicht rechtzeitig hinter mich bringen kann. Und sie bietet mir die spätere Fähre, die ich ja umgebucht hatte, um 16.40h an. Doch sie würde nichts unternehmen bis ich die eigentliche Fähre um 13.30h wirklich nicht geschafft haben sollte.
Stück für Stück geht es im Viertelstundentakt weiter und ich fluche, bin verzweifelt und beruhige mich dann irgendwann, als ich schließlich um 12.56h am Counter einchecken kann und schließlich auf der Fähre bin.
Es ist im Vergleich zur Hinfahrt wesentlich voller: Unzählige deutsche Familien mit schreienden, manchmal quietschenden Kindern, eilen an mir vorbei auf die oberen beiden Decks und ich suche nach einem Platz für mich, an dem ich noch ein wenig schreiben kann und etwas Ruhe finde. Der Fensterplatz neben den Rettungsbooten ist frei und so setze ich mich in einen Clubsessel, hole mir einen Tee und vergeude wiederholt wie bei der Hinfahrt kostbare Minuten mit dem Einloggen ins bordeigene WLAN, das in Anbetracht der inzwischen zunehmend unruhigen und regnerischen Wetterlage immer wieder auszufallen scheint und ärgere mich über dieses unnütze Bemühen. Überhaupt und das ist sicher unschwer zu erkennen, bin ich nicht bester Stimmung-wenngleich meine Fahrt kaum dass ich den östlichen Rand Londons erreicht hatte wieder in einen klaren blauen Himmel mündete und ich von strahlendem Sonnenschein begleitet wurde. Jetzt auf der Fähre war Deutschland wieder ein Stückchen näher gerückt und ich merkte, dass mir allein die Sprache schon Unwohlsein bereitete. Urlaubsblues nennt man das, hatte mir ein Freund noch kurz vor meiner Abreise geschrieben, ja da war etwas dran und ich hoffte, dass es nur bei diesem Blues bleiben würde.
Die französische Küste nähert sich und die Sonne scheint wieder und so eile ich an Deck, um noch einige Fotos zu schießen. Als ich danach zur Treppe nach unten gehe, bemerke ich das erste Mal, wie viele Menschen tatsächlich an Bord sind und habe eine winzige Ahnung, wie es sich auf der Titanic mit diesen Menschenmassen und der ausbrechenden Hysterie angefühlt haben könnte, als diese auf einen Eisberg lief. Natürlich ist mir bewusst, dass diese Fähre dagegen eine kleine Nussschale darstellt und der Vergleich absolut albern scheint, dennoch bin ich überrascht, wie wenig von meinen ursprünglichen klaustrophobischen Ängsten noch übrig geblieben scheinen oder befand ich mich noch immer in Schockstarre?
Ein Ruck und die Menge gerät in Bewegung und Schritt für Schritt kommen wir auf die verschiedenen unteren Decks und zu unseren Autos. Ich bin noch immer froh, den Zuschlag für das schnellere Befahren und Verlassen der Fähre gezahlt zu haben,denn so brauche ich nicht allzu lange warten, bis ich das Schiff verlassen kann. Vor mir steht ein Kombi aus Offenbach, der den Motor bereits anlässt, als die Brücke noch nicht einmal herabgelassen wurde und noch bevor ich aussteigen und ihn ansprechen kann, hat er den Motor wieder abgestellt.
Als ich den Fährhafen hinter mir gelassen habe, fällt es mir viel schwerer, mich wieder an den Rechstverkehr als hinwärts an den Linksverkehr zu gewöhnen und an einigen Stellen muss ich mir des öfteren laut aufsagen, wo ich fahren muss.
Ziemlich schnell erreiche ich dann doch Belgien und Deutschland und da ich keine Mitfahrer habe und auf dem Hinweg nach Cornwall mit der Geschwindigkeitsbeschränkung auf 110kmh so schön wenig Benzin verbraucht habe, beschließe ich, diesen reduzierten Fahrstil weiter beizubehalten. Für einige Kilometer drehe ich den Motor dann doch bis auf 190/20kmh, um die Ventile durchzupusten, doch das ist wahnsinnig anstrengend und ich entschleunige wieder und bleibe bei entspannenden 100-110kmh. Die Übernachtung ist noch nicht ganz geklärt, eigentlich sollte es Bonn werden, da bekam ich kurzfristig eine Absage und dann eine Zusage von der Eiffel, die dann aber doch irgendwie auch nicht das richtige schien, da ich mich tatsächlich nur sehr kurz aufgehalten hätte und man kaum ein Wort hätte wechseln können, um die nötigen alten Themen vom Tisch wischen zu können, also entschied ich mich etwas frustriert fürs Hotel, als mich plötzlich doch noch eine Zusage für Bonn erreichte und ich erleichtert in weiteren 45 Minuten gegen 21.00h meine freundliche Herberge bei einer guten Freundin erreichte. Es war schön, eine Freundin zu treffen und wir hatten uns auch lange nicht gesehen und so plauderten wir noch bis kurz vor Mitternacht auf ihrer Terrasse und gingen dann gelöst zu Bett.
Am Morgen fühle ich mich besser als an den anderen Tagen, was vielleicht daran liegt, dass ich am Vorabend beim Erzählen der letzten Atemzüge von Zora so sehr weinen musste, dass ich womöglich etwas von meiner Schwere loslassen konnte.
Wir frühstücken noch gemeinsam auf der Terrasse und ich versichere abermals, wie schön ich es bei meiner Freundin finde und dann wird es auch schon Zeit für die weitere Reise nach Berlin und so fahre ich gegen 10.30h los und erreiche nach 4 kurzen Pausen und mit allen sich wiederholenden Aufs und Abs gegen 16.30h Berlin. Dort werde ich von der besten Freundin von allen zusammen mit ihrem Freund herzlich in Empfang genommen und bin so erleichtert darüber, dass ich schon vor meiner Ankunft bei der Fahrt durch die Straßen vor Freude weinen muss. Wir setzen uns noch ins Cafe Atlantic bei mir im Haus zu den beiden Betreibern und ich erzähle munter und frei von der Rückfahrt und einigen witzigen Erlebnissen und bin wieder in meiner Rolle als unterhaltsame und witzige Person zuhause, wie es scheint.
Wir tragen noch mein Gepäck gemeinsam nach oben und gehen etwas essen und dann verabschieden wir uns und ich gehe allein zurück in meine Wohnung. Und um der nun drohenden Einsamkeit und dem erneuten Schmerz zu entkommen, flüchte ich ins Auspacken und Aufräumen und Wäsche waschen, ins geschäftige Treiben, das mich stets und ständig am Laufen ja oft eigentlich am Leben hält und falle gegen Mitternacht erschöpft ins Bett.

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23. Mai The Last Journey London calling

Am Morgen erwache ich von erneuten Alpträumen geplagt und von Dominiques Gepolter im benachbarten Badezimmer. Wenige Minuten später klopft er an die Tür und kaum dass ich mich rege, steht er auch schon in der Tür und ich fühl mich alles andere als ansehnlich ohne Morgentoilette.
Dominique, der im Übrigen mit viel Wohlwollen allerhöchstens 1,70m misst , kenne ihn praktisch nicht und da ist es mir zu intim, wenn er mich noch im Schlafkostüm und so direkt nach dem Aufwachen sieht. Dann fragt er mich gut gelaunt, ob ich einen Tee möchte und da ich ein umständliches Frühstücksprocedere vollziehe, umgehe ich mit dem Hinweis, dass ich kurz ins Bad müsste und danach zu ihm in die Küche käme, eine klare Antwort. Zu viele Erklärungen!
Wir treffen uns also in der Küche und nachdem ich meine für andere eher umständlichen Frühstücksgewohnheiten erledigt habe, erinnert mich Dominique, dass ich mein Auto um 9.00h aus der Anwohnerparkzone entfernt haben muss. Er ist heut viel freundlicher als gestern und wieder eher so, wie ich ihn beim Tango kennengelernt habe -eher charmant und französisch. Als ich gestern eintraf, hatte ich buchstäblich das Gefühl, er müsse besonders maskulin auftreten und das hat mich etwas irritiert. Nach meiner Erfahrung lernt man Menschen oft erst richtig in ihrer eigenen Umgebung kennen Bei Dominique ist es nur das Auftreten, die Wohnung zeigt mir im Grunde nur, dass er hier nicht wirklich zuhause ist, denn es fühlt sich leer und kalt an.
Wir plaudern und plaudern und irgendwann erhält er einen Anruf und legt etwas entnervt auf, während er sich über die unterschiedlichen Geschäftsgebaren verschiedener Länder amüsiert. Außer in England würde nirgendwo ein Geschäftspartner so kurzfristig einen Termin absagen. Er erinnert mich an die Uhrzeit und statt dessen ich einfach schnell ungewaschen rausgehe und den Wagen wegfahre, trödel ich noch im Bad herum und komme um fünf Minuten verspätet am Auto an, als ich schon einen uniformierten Mann an meinem Auto stehen und irgendwelche Notizen machen sehe. Ich rufe laut ‚Hello!‘ und nocheinmal ‚Hello‘ , dann hebt er den Kopf. Es ist ein älterer Mann mit Brille, der etwas zerknautscht aussieht und maulfaul scheint, denn er reagiert nicht. Ich sehe die kleine Plastiktüte unter meinem Scheibenwischer und deute auf seine Armbanduhr und frage ihn, wie spät es ist und er schaut drauf und sagt: 9.05h und ich halte ihm die kleine gelbe Tüte entgegen und frage ihn, was das soll, ich wäre nur fünf Minuten zu spät und was ich jetzt damit machen soll und er nimmt mir die Tüte ab und holt einen langen Zettel heraus und ich frage ihn, was ich damit machen soll und ob das wirklich sein Ernst sei. Und er erzählt mir etwas von einer Frist und nuschelt dann etwas in seinen Bart. Als ich den Betrag von 130£ höre, flippe ich aus und werde etwas lauter und frage ihn nochmal, ob das wirklich nötig war und ob das der übliche Umgang mit Touristen sei. Und ihm fällt gar nichts ein und dann sagt er ärgerlich, ‚This is the UK!‘ und ich sitze schon im Auto und fahre den Wagen weg.
Ich fahre im Kreis und finde keinen Parkplatz mit Parkuhr; eigentlich hatte ich vor, schon fertig vorbereitet zu sein und den Wagen nach Plumstead zum Haus meiner Gastgeberin Tricia zu bringen weil dort keine Parkgebühren anfallen und er außerdem sicher steht. Und jetzt der ganze Ärger, weil ich mit Dominique geplaudert habe statt mich vorzubereiten. Am liebsten würde ich sofort meine Sachen packen und abreisen, ich bin ohnehin nicht in Sight-Seeing Laune und meine Stimmung ist einfach mit jedem Kilometer näher an Berlin weiter in den Keller gesunken. Ich fühle mich nicht nur deprimiert und verzweifelt, sondern auch halt- und ziellos. Es ist, als würde ich einer unbekannten Mission folgen und einfach mechanisch alle notwendigen Arbeiten und Details bewältigen, um an das Ziel mit unbekanntem Namen zu gelangen und ohne zu ahnen, was ich dort soll und wohin es mich zieht. Alles scheint mir in den letzten zwei Tagen fremdgesteuert zu sein, ich fühle mich nicht bei mir, ich stehe neben mir.
Nachdem ich eine Weile im Kreis gefahren bin, finde ich einen Parkplatz an einem Eingang des Hampstead Heath, dem großen Park gleich eine Minute von meinem vorübergehenden Domizil entfern. Parken ist dort erlaubt von 10-12.0h, die maximale Parkdauer beträgt 1,5 Stunden. Es ist 9.30h und der Parkschein gilt bis 11.30h und ich laufe durch den Park und nehme mein Navi mit, da ich nicht ganz sicher bin, ob ich tatsächlich auf der anderen Seite wieder bei Dominique ankommen werde. Das Navi hat natürlich plötzlich kein Signal mehr und mein Handy kann sich hier nicht ins Netz einloggen. Als der Weg durch den Park immer länger zu werden droht und ich an einen Abzweig gelange, wo ich gefühlt lieber nach links über eine kleine Brücke gehen würde, frage ich vorsichtshalber eine junge Mutter nach der Agincourt Road und tatsächlich war mein Instinkt richtig und ich muss über die Brücke gehen und dann bin ich nach ein paar Minuten auch schon da. Vorher treffe ich jedoch noch so einen Ordnungshüter, der Strafzettel verteilt und ich frage ihn ganz freundlich, ob er mir das mit dem Strafzettel erklären könne. Und wir kommen gleich etwas länger ins Gespräch, als ich ihm sage, dass wir nicht solche teuren Strafzettel in Berlin bekommen, wenn wir falsch parken, das müsste dann schon eine Feuerwehreinfahrt sein. Beim Stichwort Berlin leuchten seine Augen und wieder habe ich eine Eintrittskarte zu einem freundlichen und vor allem respektvollen Lächeln bekommen, als wäre ich Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. In solchen Momenten hätte ich dann gern Visitenkarten, um so jemanden einfach einzuladen, mich zu besuchen, denn diese Art vermittelt mir stets den Eindruck, ich würde im New York Europas leben und dass das etwas besonderes sei, weshalb ich dann häufig das Bedürfnis habe, ihnen das echte Berlin einmal näher zu bringen – als Urberlinerin und eingesessene Kreuzbergerin, die noch zu Zeiten der Hausbesetzungen in den 1980ern hingezogen ist, fühle ich mich diesbezüglich äusserst kompetent.
Der Ordnungsmann ist wirklich sehr nett, lässt sich den Zettel zeigen und fragt, ob ich die Tüte noch hätte und ich schüttle den Kopf, woraufhin er mir eine neue gibt und erklärt, dass ich den Wagen nicht hätte umparken müssen. Ich soll ihn wieder in Agincourt Road abstellen, es gäbe heute keinen zweiten Strafzettel mehr, wenn ich diesen in der Tüte unter den Scheibenwischer klemmen würde. Ich müsste nur unbedingt in derselben Strasse parken. Außerdem erfahre ich, dass mein Strafzettel innerhalb von 14 Tagen bezahlt werden muss und dann nur 65£ kosten würde und das steigert meine Stimmung schon erheblich neben dem wirklich netten Gespräch.
Ich bedanke mich und geh erstmal zu Dominique zurück und mache mir einen neuen Tee und esse ein paar Brote, während ich ihm das Dilemma des Tages erzähle und er lacht und sagt, die Engländer seien die einzigen, die ein internationales europäisches Abkommen (angeblich als einziges EU-Land ) nicht unterzeichnet hätten, wonach Verkehrssünder über das Kennzeichen in deren jeweiligen Heimatländern strafrechtlich verfolgt werden würden. Seine Freunde aus Frankreich würden das nie bezahlen und es wäre noch nie etwas passiert. Ich bezweifle das zwar, aber sage nichts. Für mich sind das einige Stunden Arbeit, um so einen unnötigen Strafzettel zu bezahlen. Wir unterhalten uns noch eine Weile auch wegen der für den Abend anstehenden Milongas, zu denen er gehen wird und ob ich zu beiden mitkomme. Und ich weiss es einfach nicht, denn ich möchte in beide Tate Galerien gehen und habe keine Ahnung, wie kaputt ich am Abend sein werde. Und so beschließen wir, dass er mir eine Email schicken will mit der Adresse von der späteren Milonga und ich bin schon müde, wenn ich daran denke.
Nachdem ich den Wagen wieder in die Straße zurückgebracht habe, steige ich in den nächsten ankommenden Bus 24 und erinnere mich im letzten Augenblick daran, dass man hier ja den Bussen winken muss, damit sie anhalten. Die Route des Bus 24 ist so ähnlich wie unser Bus 100 oder der 200, der auch viele der Sehenswürdigkeiten in Berlin anfährt auf seiner Route. So kommen wir nochmal direkt Camden Town entlang, kreuze ich Trafalgar Square und sehe ein Stück vom Piccadilly Circus und steige kurz vor Pimlico aus und laufe zur Themse und gelange zur Tate Britain, der ursprünglichen Tate Gallery, bevor deren Ausstellungsgelände aufgrund des Umfangs der Sammlung auf ein weiteres Gebäude auf der anderen Seite der Themse hinter der South Bank ausgedehnt wurde.
Die Ausstellungen darin sind kostenfrei und das Gebäude schlicht umwerfend schön von innen wie außen. Ich genieße den Aufenthalt sehr und mache mich nach knapp zwei Stunden auf den Weg zur Tate Modern. Gleich gegenüber der Tate Britain ist eine Anlegestelle für eine Fähre die Themse entlang bis eben zur Tate Modern und obwohl ich die Überfahrt mit 6,80£ nicht billig finde, möchte ich mir dennoch diese Freude gönnen, einmal auf der Themse geschippert zu sein.
An der Tate Modern angekommen zu sein, strömen dort Menschenmassen am Ufer entlang, als wäre da ein Jahrmarkt beheimatet. Strassenkünstler versuchen ein paar Pfund zu verdienen mit Musik, akrobatischen Tänzen oder ausgefallenen Kostümen. Ich bin immer wieder überrascht, was für Ideen Menschen haben, um sich darzustellen und staune über jemanden in knallgelbem Roboteroutfit, der mir direkt aus der neueren Ausgabe des Raumschiff Enterprise entstiegen scheint.
Die Tate Modern ist übervoll mit Touristen, die Leute stapeln sich auf Sitzbänken, Schüler und Studenten scheinen in Bussen angereist und eilen emsigen Bienen gleich in kleinen Schwärmen um und im Gebäude herum und von Etage zu Etage und von Raum zu Raum zu den Kunstwerken und bestaunen diese scheinbar verständnislos wie Sehenswürdigkeiten, die man einmal sieht und dann weitergeht. Der Strom der Menschen riecht ein wenig nach Konsum und dabei gewesen sein, an anderen Stellen jedoch sitzen Menschen und scheinen tatsächlich auch die Atmosphäre zu genießen und das erinnert mich an die Stimmung bei der Reichstagsverhüllung von Christo.
Das Gebäude an sich wirkt auf mich in architektonischer Hinsicht wie eine Mischung aus den Deichtorhallen in Hamburg und der Eingangshalle des Hamburger Bahnhofs in Berlin. Der Unterschied besteht zum einen in der Größe und zum anderen darin, dass man von jeder der oberen Ebenen durch verglaste Barrieren die unterste Ebene noch sehen kann und quasi stets geneigt ist, die untere Eingangshalle mit jeder höheren Etage aus der Vogelperspektive zu betrachten, was nicht nur mir gut zu gefallen scheint. Auf der obersten Ebene kann man gleichfalls nach draußen gehen und sich die Themse ansehen und sich am Anblick der gegenüberliegenden Uferkulisse erfreuen. Wenn man nach Osten blickt, wirkt diese tatsächlich ein wenig wie Kulisse und erinnert mich sehr an die für mich eher künstlich belebte Hafencity in Hamburg, die auf stets kühl und trostlos wirkt ebenso wie hier das Themsenufer zur meiner Rechten trotz der unvergleichbaren Menge an Menschen. Beinahe direkt am Ende der Fußgängerbrücke, die zur gegenüberliegenden Seite der Themse führt, befindet sich zwischen den modernen Häuserblöcken hindurch die St. Paul’s Cathedral , wie ich gleich beim Überqueren herausfinden werde und mich freue, nach so vielen Jahren einmal wieder hier zu stehen. Leider ist sie schon geschlossen, und ich bin übersättigt von den Menschenmengen und eile zur nächsten UBahn Station , um zurück nach Camden Town zu fahren und mich für den Tangoabend vorzubereiten.
Nach einigen Umwegen und einem Imbiss erreiche ich erschöpft das Domizil von Dominique, der gottlob schon unterwegs ist und mir wie besprochen eine Email mit den Koordinaten der möglichen Milonga geschickt hat, falls ich denn nicht zu erschöpft wäre. Obwohl ich tatsächlich viel zu müde bin, mache ich mich mit dem Bus auf den Weg ins La Negracha , der – wie ich später erfahre- größten Milonga der Stadt. Die südamerikanischen Männer am Eingang sind mir als unbekannter Besucherin gegenüber eher indifferent bis unfreundlich und der Eintritt mit 12£ macht mich bereits missmutig, auch wenn es zwei Tanzflächen gibt, auf denen ich kaum gute Tänzer entdecken kann und mich frage, mit welcher Berechtigung die Leute hier eher etwas abgehoben daher zu kommen scheinen.
Nach einer halben Stunde sehe ich Dominique in Anzug mit suchendem Blick eintreten. Er trägt den Anzug vom Vorabend und mit offener Jacke und beiden Hände in den Hosentaschen läuft er Kaugummi kauend wie seinerzeit Robert Redford als der große Gatsby an der Tanzfläche entlang und einige Stufen die mir gegenüberliegende kleine Tribüne hinauf und schaut weiterhin suchend über die Tanzfläche. Ich vermeide es zu winken, weil mir das alles wie eine alberne Farce erscheint und ich innerlich lachen und nach außen lächeln muss über diesen Auftritt, mit dem ich nicht wirklich in Zusammenhang gebracht werden möchte. Ich stehe weiter an der kleinen Bär, wo ich mein wirklich überteuertes alkoholfreies Bier trinke und abwarte ,was passiert und sehe, wie er eine Frau auffordert und mich dann nach einer halben Runde entdeckt und mir eine Begrüßung von weitem mit den Augen andeutet. Ich merke, ich fühle mich nicht wohl hier und sehne mich nach dem schönen Tangonachmittag in so wirklich freundlicher Umgebung meines ersten Besuchs zurück.
Wenig später kommt Dominique zu mir herüber und wir gehen gemeinsam hinunter zu der Tanzfläche mit den modernen Tangos und er führt mich einige Tänze und dann plaudern wir noch etwas und da es schon spät ist, breche ich ein wenig zu seinem Unverständnis bald auf. Ich werde am nächsten Tag schon um 9.30h losfahren und geschätzt 12 Stunden unterwegs sein und bin schon jetzt erschöpft vom Schlafmangel und viel zu späten Zubettgehen. Ich laufe nach seiner Beschreibung zum Leicestersquare und steige dort in den Bus, der mich fast ganz bis in die Agincourt Road bringt und schlafe gegen 1.00h endlich ein.

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Camden Town

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Skulptur an der Themse

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Tate Britain

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Ansicht gegenüberliegendes Ufer Themse (von Tate Britain aus)

Eindrücke aus der Tate Britain

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21. Mai The Last Journey Nachtrag

Mir gehen noch viel mehr Gedanken durch den Kopf, denn die ganze WG fährt am Freitag und Samstag los auf die Isles of Scilly, etwa 3 Bootsstunden von Penzance entfernt, um dort eine Woche gemeinsam Urlaub zu machen, die Schwestern reisen alle drei und dann noch Ian mit seiner Freundin und vermutlich auch Scott würde ich annehmen.
Die Vorstellung, hier ein Wochenende ganz allein zu verbringen, ängstigt mich doch ziemlich, obwohl es auch gleichzeitig eine Übung wäre für den Fall, wirklich hier zu bleiben für einige Monate und eine entsprechende Unterkunft für mich zu finden, in der ich dann eben auch nicht mehr in diesem bunten WG Leben zuhause wäre.
Dann noch der Montag, meinen Geburtstag hier ganz allein verbringen? – ohje, mir fällt Weihnachten ein und das war schon so deprimierend und Kräfte zehrend, als Zora am zweiten Feiertag starke Schmerzen bekam und sicher schon ihren ersten unentdeckt gebliebenen Bandscheibenvorfall hatte. Es waren schreckliche Tage und Nächte, bei dieser Erinnerung bin ich getröstet, dass sie nun Erleichterung im Tierhimmel gefunden hat. Doch der Schock und die Sorge und Anspannung sitzen noch immer in meinen Knochen.
Nein, ich möchte meinen Geburtstag mit Menschen, die mir nahestehen verleben,nicht hier unten am Meer allein. Auch wenn die Küsten noch so malerisch schön und mystisch sein können und mich sehr in ihren Bann ziehen.

22. Mai The Last Journey Leaving Cornwall

In der Nacht habe ich furchtbare Alpträume und fühle mich mit allen Traumbildern von Berlin unendlich deprimiert. Ich stehe rasch auf und dusche als erste noch ehe die anderen aufgestanden sind. Dann packe ich meine Sachen in aller Ruhe, als es an der Tür klopft und Tiffany verabredungsgemäß ruft, dass sie jetzt zum Yoga geht und wir verabschieden uns und sie lacht und sagt, dass sie heute morgen beim Aufwachen dachte, ach es regnet wieder und als ich vor zwei Tagen schon fahren wollte,hätte es auch geregnet. In meinem Gedächtnis lasse ich die Küchenszene von vor zwei Tagen Revue passieren und erinnere die Regentropfen auf dem Fenster nun auch.
Dann bedanke ich mich bei ihr und entschuldige mich für das Hin und Her mit der Situation, obwohl ich es gar nicht müsste. Doch ich schäme mich für meine Unentschlossenheit, in der ich gerade stecke und sie wirkt nach wie vor irritiert und ich kann es nicht ändern und will es auch nicht. Wir verabschieden und umarmen uns kurz.
Dann geh ich runter und mache mir Brote und bereite alles für die Abreise vor, während Ian und Sam in Ruhe frühstücken und sam irgendwelche Dinge vorbereitet. Am Abend zuvor hatte ich David schon zugesagt, ihn nach Penzance zum Zug mitzunehmen, denn auch er reist heute ab.
Es ist dann doch noch viel mehr zu tun und die Zeit dehnt sich aus. Sam muss los zur Arbeit, verabschiedet sich von uns beiden sehr herzlich und drückt mir einen Umschlag in die Hand und umarmt mich und sagt: ‚So ist das Wetter im Übrigen normalerweise hier‘ und lächelt mich an.
Ian verabschiedet sich einige Minuten später auch und David und ich bleiben allein zurück und trinken noch in Ruhe Tee. Ich muss noch einige Telefonate erledigen, z.B. den Termin beim Jobcenter absagen, die Fähre umbuchen und ich möchte unbedingt noch bei Chris vorbei und mich persönlich verabschieden und schicke ihr eine SMS, ob sie denn zuhause sei. David ist so nett und sagt den Termin beim Jobcenter für mich ab. Die Reservierungsnummer solle ich jedoch aufbewahren für den Fall, dass ich doch noch eine National Insurance Number benötigen würde.
Ich schreibe noch einen Zettel für Sam und Tiffany und bedanke mich bei ihnen für ihre Gastfreundschaft und lege Ihnen passend zum Ambiente eine Tafel Organic Dark Chocolate und mein letztes Glas vegetarischen Brotaufstrich dazu.
Im Umschlag von Sam war eine hübsche Karte mit einer Blumenwiese darauf, in der sie mir alles Gute wünscht für den Rest meiner Reise und zur Erinnerung hat sie mir die kleine Landkarte der direkten Umgebung beigefügt. Ich bin sehr berührt von der Geste, denn mit dieser kleinen Karte begann mein erster Schritt in die Umgebung.
David und ich brechen auf, es regnet noch immer in Strömen, was mir den Abschied ehrlich gesagt erleichtert. Auf dem Weg zu Chris stelle ich fest, dass ich einige von den Silberkügelchen aus dem Ring verloren habe und zeige es David und versuche ihm in Ermangelung entsprechender englischer Fachbegriffe das physikalische Problem zu erklären, das sich durch die Verkleinerung des Rings ergeben hat. Ich bin frustriert, dass sich der Ring äusserlich aufzulösen beginnt. Ich weiss, ich sollte nicht so symbolisch denken, aber es fühlt sich einfach nach erneutem Verlust, nach zwangsläufig dem nächsten Schritt – nach Loslassen müssen, aber nicht wollen an. Ich habe einmal in einem Film den Satz gehört: Nicht das Loslassen, das Festhalten tut so weh Und das stimmt, dennoch scheint es so schwer zu fallen.
Wir erreichen das Haus von Chris nach zwanzig Minuten und sie bittet uns hinein und bietet uns Tee an, während ihr Hund und der ihrer Tochter um uns herumspringen und um die Gunst unserer streichelnden Hände buhlen.
Wir setzen uns und ich erzähle, weshalb ich nun doch früher weg müsste und zeige ihr meinen englischen Lebenslauf, den David für mich aufpoliert hat und sie findet ihn sehr gut.
Ich zeige ihr den Ring mit der Frage, ob eine erneute Reparatur noch möglich sei. Sie wirkt bestürzt und ich höre, wie sehr es ihr leid tut als sie sagt, dass sie das befürchtet habe, dass alles aufbricht dadurch, dass sie den Ring kleiner machen musste. Sie fragt, ob ich ihn dalassen könnte und ich schüttle traurig den Kopf und sage, ich würde ihn lieber mitnehmen wollen. Ich möchte doch Zora bei mir haben, denke ich und die Erschaffung dieses besonderen Schmuckstücks war schon sehr besonders für uns beide. Alternativ könnte ich etwas Asche hier lassen, damit sie einen neuen Ring anfertigen kann, denn dieser hier ließe sich nicht mehr reparieren. Ich hole die rote Kiste mit der Asche aus dem Auto, während Chris ihren Mann Keith bittet, diese noch einmal zu öffnen und etwas Asche zu entnehmen in ihrer Werkstatt. Für mich ist das ok, ich habe den Eindruck, Zora würde sich hier wohlfühlen und so überlasse ich Keith vertrauensvoll die Asche.
Indes sitzen wir drei weiter zusammen inzwischen mit Olivia, der Enkelin, die sich dazugesellt hat.
Chris hört David aufmerksam zu, den sie nach seinem Studium gefragt hat.
Und dann zeigt uns Chris das Fotoalbum, in dem die Fotos sind von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn und Olivia, die der Queen die Hand schüttelt sowie dem Prinz of Whales. Die Fotos sind gestochen scharf, obwohl sie sie mit dem Iphone aufgenommen habe, wie sie stolz erklärt. Und ganz ehrlich bin auch ich beeindruckt von der Queen so nah und persönlich auf dem Foto mit der kleinen Olivia. Wenn ich es nicht gewusst hätte, würde ich vermutet haben, es sei eine sehr gute Fotomontage.
Die Zeit ist nun sehr fortgeschritten und Keith kommt auch mit der Asche zurück, als ich David bedeute, dass wir langsam losfahren müssten, um seinen Zug pünktlich zu erreichen.
Chris gibt mir erneut mit auf den Weg, dass ich nicht vergessen solle, dass ich nun hier eine Familie hätte und jederzeit willkommen sei. Ich bedanke mich und umarme sie herzlich, wenngleich ich nicht wage, in diesen Abschied hineinzuspüren aus Angst, wieder weinen zu müssen.
Nun sind wir wirklich spät dran und ich hetze die schmale serpentinenartige Strasse gefährlich schnell nach unten, um David pünktlich zum Zug zu bringen und ärgere mich über unsere Trödelei, weil ich lieber entspannt nach Penzance fahren wollte. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig und verabschieden uns eher nüchtern, obwohl wir doch einige Dinge miteinander geteilt haben in den vergangenen Tagen. Merkwürdig, denke ich, man weiss einfach niemals, was ein anderer Mensch wirklich denken mag.

Es regnet noch immer und ich fahre schnell zur Tankstelle und noch in den Supermarkt, um Dominique in London eine Flasche Merlot mitzubringen. Dann geht die Reise wirklich los und nun muss ich doch weinen, zusammen mit dem Regen, der immer stärker auf die Autoscheiben peitscht.

BBC 2 ist mein neuer Lieblingssender, denn er schickt mich wieder zurück in meine Jugend mit all den Titeln, die ich noch heute mitsingen kann. Der Regen ist teilweise so heftig, dass ich kaum mehr als 70/80 kmh fahren kann. Und dann kurz hinter Exeter reist die Wolkendecke auf, als hätte ein heftiger Wind sie einfach weggeblasen und ich sehe die Sonne und den blauen Himmel und freue mich über das Wechselspiel zwischen tiefhängenden dunkelgrauen Regenwolken und der Sonne, die weit dahinter wie ein Lichtstrahl einen schmalen Streifen am Horizont unter den Wolken erhellt. Die Landschaft erlangt durch dieses intensive Licht eine Tiefe wie bei einem Gewitter und ich muss an die Bilder Friedrich Schinkels denken und stelle mir vor, wie er hier inspiriert von der Landschaft und dem Wetter gemalt hat. Ich erinnere mich an die Bilder in der Schinkelausstellung im vorletzten Jahr im Kulturforum, die ich mindestens fünfmal besuchte und jedes Mal wieder neue Details entdecken konnte.

Gegen kurz vor fünf erreiche ich Stonehenge, wieder zu spät für einen Einlass, der noch lohnen würde, denn der Fussweg beträgt 30 Minuten und ich müsste mich schnell entschließen und könnte für insgesamt fast 15 £ Eintritt ich mit der letzten Minibahn rüberfahren und eine Stunde später käme ich zurück, doch ich bin viel zu müde und entscheide, lieber weiterzufahren und endlich anzukommen.

Ich habe den Eindruck quer durch Somerset zu fahren durch diese wunderschöne hügelige Landschaft mit kleinen englischen Farmen. Alles wirkt so ordentlich und gemütlich aber weniger bürgerlich. Bis London verfahre ich mich noch einmal, als Schloss Windsor ausgeschildert ist und ich dem Schild neugierig folge und am Bedford College lande nach einer weiteren Umgehung und das Gefühl habe, noch lange hierbleiben zu wollen, um alles ansehen zu können.

Nach einer weiteren Stunde erreiche ich London und bis ich Hampstead Heath erreiche, ist es bereits fast 21.00h und ich bin nach beinahe 8 stündiger Reisezeit total erschöpft.

Dieser nördliche Teil von Camden Town ist sehr schön, alte Häuser, nette Läden, es wirkt sehr ansprechend Ich freu mich auf den nächsten Tag, um die Gegend zu erkunden und muss früh aufstehen, um den Wagen aus der Anwohnerzone rechtzeitig zu entfernen. Und so geh ich lieber zu Bett, anstatt mit Dominique zu einer Milonga aufzubrechen, wie er mir bei meiner Ankunft vorschlägt.
Kurz vor Mitternacht schlafe ich traumlos ein.

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21. Mai The Last Journey Kalte Füsse und Heimweh

Meine Nacht war viel zu kurz und das flaue Gefühl ist immer noch nicht weg. Gestern Abend nach meinem Einkauf war ich noch bei der Silberschmiedin und habe ihr Blumen und eine Falsche Merlot vorbeigebracht. Wir habe uns wie immer festgequatscht bei einer Tasse Tee und sie hat sich beinahe aufgeregt, dass ich einen Putzjob annehmen möchte. Sie meinte, allein mit meinen Fremdsprachenkenntnissen könnte ich doch viel mehr anfangen – das war einmal vor vielen Jahren mein Plan, doch mein persönliches Self-Marketing reicht dafür nicht wirklich aus. Sie ruft ihre jüngere Tochter an, die auch auf dem Gelände wohnt, weil in deren Krankenhausverwaltung gerade Aushilfen gesucht würden und so will sie mir gleich am folgenden Tag die entsprechenden Informationen weiterleiten.

Nach dem Frühstück versuche ich zunächst Lesley zu erreichen und sage schließlich ihrem Mann bescheid, dass ich am Samstag um 8.30h da wäre.
Dann schreibe ich weiter am Blog, als David aufsteht und auch frühstückt. Inzwischen ist die Email von Chris‘ Tochter Lottie eingetroffen und ich lese mir die Anforderungen durch. Im Grunde alles Anforderungen, denen mein Profil entsprechen könnte. Und ich versuche, online eine Bewerbung abzuschicken, was jedoch aus technischen Gründen mit dem Ipad nicht zu funktionieren scheint. David ist so freundlich und bietet mir sein Laptop an und ich schicke ihm meinen Lebenslauf per Email. Er schaut ihn sich an und als er mir seine Unterlagen zeigt, um die Form einmal zu vergleichen, stellen wir fest, dass mein Lebenslauf quasi nach englischem Vorbild voller Lücken ist. David macht sich die Mühe und stylt und formuliert ihn entsprechend um und dann laden wir ihn hoch. Und dann wird auch noch ein Anschreiben verlangt, eine Art Motivationsschreiben. Draußen scheint inzwischen wieder die Sonne und wir vertrödeln hier drinnen unseren Tag mit blödsinniger Bürokratie – ich glaube, ich hab mich in meinem Leben nur dreimal irgendwo beworben und hatte meine Jobs entweder lange oder hab mich telefonisch beworben und einfach einen Lebenslauf abgeschickt. Ich strebe keine weitere Karriere an, mir geht es lediglich um einen Job, um meine Zeit hier eventuell noch etwas zu strecken.
David ist total lieb, er zaubert ein hervorragendes Motivationsschreiben aufs Display und auf meinen überschwänglichen Dank hin, erklärt er ganz lakonisch, dass er wenigstens das gründlich in der Uni gelernt hätte.

Und obwohl wir so viel Zeit darauf verwendet haben, erzähle ich ihm,dass ich unsicher sei und am Vorabend eine Email von einer Bekannten erhalten hätte, die mich sehr nachdenklich gestimmt habe. Unter anderem stand darin, ob ich nicht meine Familie in Berlin bzw. meine Freunde vermissen würde und dass sie eine Freundin habe, die auch in ein anderes Land gegangen sei, dort auch alles schön fände, jedoch nie wirklich ganz aufgenommen worden sei und daher ihre alten gewachsenen sozialen Kontakte sehr vermissen würde. Das arbeitet sehr in mir nach und ich frage David, ob er noch Lust hätte, mit mir eine Entscheidungsfindung zu machen, bei der ich seine Hilfe bräuchte.
Es ist eine ganz einfache Methode, bei der man jeweils auf einen Zettel eine Option schreibt. Dann legt man die Zettel auf den Boden und stellt sich darauf und spürt einfach, wie es sich anfühlt und das spricht man dann laut aus und die andere Person im Raum hört sich das ohne Kommentar an. In diesem Fall habe ich vier verschiedene Zettel benötigt und David hat zu jedem Zettel einige Stichpunkte notiert von meinen Worten.
Das Ergebnis war eigentlich ganz klar: Berlin und ein weiteres Studium fühlte sich am besten an und schon fühlte ich mich besser und nicht mehr flau und dachte, dass ist jetzt zwar alles blöd mit meinem Hin und Her, aber ich muss das tun, wonach mir ist. Er ist sehr angetan von dieser Form der Entscheidungsfindung und irgendwie bindet das auch ein wenig.

Jetzt ist es schon gleich 14.30h und ich schlage ihm vor, dass wir doch jetzt vielleicht noch in Treen einen Kaffee trinken könnten und wir fahren mit dem Auto rüber, da ich anschließend noch ein paar Dinge in Penzance erledigen muss.
Wir treffen auch nochmal Pat und Jenny, deren kleine Werkstatt direkt gegenüber vom Cafe liegt. Sie wirken allerdings sehr geschäftig und eher etwas verschlossen und Pat schaut nochmal etwas später aus ihrem Vorgarten einige Male neugierig zu mir und David herüber, da wir noch Kaffee trinken. Ich registriere das eigentlich nur nebenbei und finde das im Nachhinein sehr merkwürdig und es erinnert mich ungemein an diese typische Art von Menschen in einem Dorf, in dem nicht viel geschieht – doch eigentlich sind in Treen ständig Touristen zu dieser Jahreszeit.
David erzählt von seinem Studium und dass er nach seinem 3 jährigen Jurastudium erstmalig nochmals 1 ganzes Jahr an die Uni soll, um eine Art Aufbaustudium zu machen, das seit neuestem Pflicht ist vor den Praxisjahren in einer Anwaltskanzlei. Dieses eine Jahr soll zusätzlich nochmal 12.000£ kosten. Das Geld habe er nicht und er wäre jetzt schon so hoch verschuldet durch sein dreijähriges Studium, dass er den Sinn nicht sehen würde.
Gegen 15.30h tritt er den Rückweg zu Fuss über die Felder an und ich fahre mit dem Auto los in die ‚Stadt‘. Ich laufe nach meinen Erledigungen noch etwas herum, sehe mir die verschiedenen Maklerangebote und die Preise an. Ich bin erstaunt, wie hochpreisig selbst völlig verwahrlost wirkende Häuser noch durchgehen.
Als ich zurückkehre, ist David noch da und macht sich ein paar Sandwiches, weil er gleich zum dritten Mal ins Mick will und mich fragt, ob ich auch mitmöchte, doch mir ist es zu kalt und ich möchte lieber packen und schreibe Lesley noch schnell eine Email, die sehr verständnisvoll reagiert.

Später am Abend, als alle wieder da sind, eröffne ich meine neueste Entscheidung und dass ich am nächsten Tag nach London und von dort aus am Samstag weiter nach Berlin reisen würde.Tiffany trägt wieder ihr irritiertes Lächeln im Gesicht und ich sehe, dass sie angesichts so vieler Umentscheidungen das Verständnis verliert – verständlicherweise. Aber alle sind nett und niemand macht mir Vorwürfe oder drängt mich. Sam ist total lieb und sagt, dass sie sich doch irgendwie schon an mich gewöhnt hätten und ich erwidere nur, dass ich sicher wiederkäme und einfach erstmal mein Leben zuhause regeln müsste.
Ich rede noch eine Weile mit David nach dem Minack und er erzählt von de interessanten Theaterstück über die Seele eines verstorbenen Königs, die ein tapferer Ritter sucht, um sie zu vernichten und selbst König zu werden. Dann gehen wir beiden als letzte zu Bett.

20. Mai The Last Journey Porthgwarra und die Cottages

Heute morgen nach dem Aufwachen habe ich das dringende Bedürfnis, umgehend zu verlassen und nach London zu fahren. Es ist so ein Gefühl, als sei ich hier einfach fertig und müsste jetzt gehen. Ich sehne mich auch sehr nach meiner Wohnung, nach geschütztem Raum, nach Ruhe in der Unruhe.

Ich stehe auf, gehe in die Küche und fange schon an, ein paar Brote für die Reise vorzubereiten, als Tiffany nach unten kommt. Nach dem üblichen morgendlichen Geplänkel, stoße ich heraus, dass ich glaube, dass ich gleich fahren werde. ‚ No way! sagt Tiffany. ‚ We will block your car‘ und lacht mich an. Ich seufze. Ja ich möchte gerne wieder flüchten, alles fühlt sich irgendwie nach Flucht an und ich weiss einfach nicht wohin, sprudelt es aus mir heraus und ich vermisse Zora so und da fang ich auch schon an zu heulen. Tiffany nimmt mich in den Arm und ihre Augen werden auch nass und sie sagt, sie könne das mit dem Hund so gut verstehen. Sam wäre nicht so der Tierfan, doch sie und Abigail seien da ganz anders. Naja und dann erzähl ich von dem Job und da müsste ich auf jeden Fall hingehen und Bescheid sagen.

Nach dem Frühstück bin ich etwas ruhiger doch genauso unentschlossen, ich lasse mich treiben und dann schreibe ich wieder bis die Zeit soweit ist, dass ich nach Porthgwarra fahre. Es gießt in Strömen, passend zu meiner Stimmung.

Dort angekommen begrüsst mich Kerry freundlich mit den Worten, dass Lesley jeden Moment eintreffen würde. Ich parke noch rasch meinen Wagen um und sehe auf dem Rückweg eine blonde schlanke Frau mit spitzem Gesicht aus dem Auto steigen, eher der strenge, korrekte Typ – innerlich wappne ich mich schon mal.
Und dann kommt Lesley und ich bin beeindruckt : da begrüßt mich eine sehr attraktive Brünette, äußerst gepflegte Erscheinung, sehr britisch in der Ausdrucksweise und Habitus mit rotblonden langen leicht gewellten Haaren, leider völlig gruseligem Nagellack in einem Rot ähnlich roter Grütze und wie es grad modern ist mit Strass-Steinchen. Dazu ist sie barfuß mit Badelatschen unterwegs und jeder Zehnagel ist in einer anderen Farbe und mit schwarzen Punkten versehen. Vielleicht ist die Ähnlichkeit absichtlich und ich muss unweigerlich an Marienkäfer denken. Wie dem auch sei, eine ansonsten angenehme Erscheinung mit sehr schöner Ausstrahlung. Sie erklärt mir ein wenig sie Einzelheiten und erläutert, dass sie ein Team von sechs Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen und alle im Alter von 50 und 68 Jahren. Ich bin überzeugt, sie ist die jüngste aus dem Team. Nach einem Tee und einem ausführlichen Gespräch fährt sie mit mir zu dem zweitgrößten Objekt, das sie nicht mehr als Cottage bezeichnet. Es hat drei Schlafzimmer, drei Bäder, zwei Wohnzimmer – beide mit offenem Feuer – und eine Küche.
Als wir eintreffen, bin ich von außen noch wenig beeindruckt, was sich schlagartig ändert, nachdem wir den Eingang und die Küche hinter uns lassen. Wir betreten ein Wohnzimmer, wie man es vermutlich aus Rosamunde Pilcher Filmen kennt und tatsächlich bestätigt sie auch, dass hier vor kurzem gedreht wurde. Der Blick durchs Fenster eröffnet einen immens großen Garten eingesäumt von den landesüblichen stonewalls. Der ganze Raum wirkt so belassen wir vor Hunderten von Jahren, natürlich ein wenig modernisiert und so gepflegt, dass man vermutlich vom Fußboden essen könnte.
Der Eindruck entsteht bei mir allein dadurch, wie Lesley mit Adleraugen durch die Räume geht und hier und da einen Fussel einsammelt oder eine Spinnwebe entfernt, während sie von den Mounts – den Besitzern Lord St. Levan und Lady Mary erzählt. Es sind zwar auch Royals, sollen aber ganz bodenständig und ganz approachable, was so viel bedeuten soll wie ganz normale Leute, die einfach zufällig einen Adelstitel haben und einfach durch den Verwandtschaftsgrad unglaublich große Ländereien und Häuser besitzen, die sie für Unsummen vermieten. Allein dieses alte Farmhouse kostet jetzt im Mai 900£/Woche – es könnten ja zwei Paare oder eine Familie mit Kindern nutzen und ich höre heraus, dass sie solche Summen nicht für außergewöhnlich hält. Tiffany erzählt mir später, dass diese Häuser im Sommer ein Vermögen von mindestens 2000£/Woche kosten, da sie als sie noch Kinder waren mit ihren Eltern auch da unten gemietet hätten.
Während wir durch das große Wohnzimmer wandern, erklärt sie, dass man Lady Mary am besten immer fernhält von den Cottages, da sie stets und ständig kleine neue Staubfänger aufzustellen pflegt, die die Arbeit nur unnötig erschweren, da man hier und da wieder eine Vase oder eine kleine Dose anheben muss, um darunter Staub zu wischen.
Wir reden noch eine Weile über putzen und über Hunde und ich erzähle und sie erzählt von ihrem ersten Schäferhund und dass sie zehn Jahre gewartet hat, bevor sie einen neuen Hund nehmen konnte, weil sie den Schmerz nicht verwinden konnte.Und ihr jetziger Hund wäre jetzt 10 Jahre und sie sei sich dessen sehr gewahr, dass sie einfach nicht mehr so viel Zeit zusammen hätten. Viele Leute verstünden es nicht, dass man über den Verlust eines Tieres so traurig sein kann. Als ihr erster Hund gestorben sei, habe sie sich zwei Wochen frei genommen. Sie wäre wirklich zu nichts in der Lage gewesen und hätte ununterbrochen weinen müssen.
Sie hat auch zwei Söhne und sei auch bereits zweifach Großmutter, ihre Enkel seien schon Teenager. Ihr jüngster Sohn ist 20 Jahre jung und Model in der Türkei, seine Freundin auch, so leben sie beide dort. Man solle kein Lieblingskind haben, doch der Jüngere wäre einfach so herzlich – ganz anders als ihr ältester Sohn.
Und als ich sie danach frage, sagt sie mir, sie sei bereits 59 und ich total überrascht, denn ehrlich gesagt sieht sie noch jünger aus als ich.

Wir fahren zum Café nach Porthgwarra zurück und Lesley fragt mich zum zweiten Mal, ob ich am Samstag kommen kann. Ich bitte Lesley, mir bis zum Abend Zeit zu geben. Da es so wenige Stunden sind und das Geld eigentlich nicht reicht und ich vielleicht abhängig von der Wetterlage an Sonntagen vereinzelt auch im Café arbeiten könnte, bin ich mir unsicher und möchte einfach etwas Bedenkzeit haben. Ich verspreche, mich bis zum Abend zu melden. Sie sind einverstanden und ich sehe es Lesley an, dass sie ahnt, dass ich große Zweifel habe.

Im Bodellan Farmhouse wieder angekommen, ist es bereits nach 13.00h und ich mache mir erstmal einen Tee und ein zweites Frühstück. Während ich darüber nachdenke, ob das alles Sinn macht, den Putzjob womöglich als Einstieg zu nehmen und womöglich darauf aufzubauen, google ich im Internet schon mal nach der zuständigen Stelle für eine National Insurance Number. Die ist für eine Arbeitsaufnahme in England zwingend notwendig und ich muss bei der Fährgesellschaft erfragen, ob die Aufhebung meiner Buchung ohne neuen Termin möglich wäre ohne dass sie verfällt. Und wie mache ich das mit meinem Job in Berlin? Ich ahne, dass ich mit einer provisorischen Krankschreibung nicht weit kommen werde und womöglich kein Gehalt für diesen Monat bekomme, so wie die Personalsituation aussieht. Das beunruhigt mich natürlich und die große Frage, ob das alles richtig ist, denn es fühlt sich noch nicht wirklich danach an.

Ich erledige also alle Details und lasse mir vorsichtshalber einen Termin beim JobCenter in Truro geben, um dort meine National Insurance Number zu bekommen und der Termin ist erst in einer Woche, also genügend Zeit, um diesen nötigenfalls wieder zu stornieren.

Es ist schon Nachmittag und ich möchte wenigstens nochmal das Haus verlassen und so fahre ich kurz nach Penzance, ein paar Lebensmittel besorgen und koche mir wie zur Zeit sehr häufig frischen Spinat mit Kartoffeln und Ei. In diesem Haushalt kann man nicht wirklich von Esskultur sprechen, nicht dass sich die Mahlzeiten nicht wirklich verbessert hätten. Natürlich ist der Bio-Boom auch hier nicht vorbeigerauscht und inzwischen wird auch etwas besser gewürzt. Doch beim Anblick mancher Jugendlicher fühle ich mich sehr an meinen einzigen Besuch in den USA 1978 erinnert, was den Körperumfang angeht und beim Blick in die Supermarktregale, in denen sehr viel britisches Fastfood und sehr viel Weißbrot angeboten wird, bin ich nicht überrascht, denn offenbar wird der Zucker- und Weißmehlkonsum hier noch immer sehr stark gefördert.

Bei meiner Rückkehr ist Ian schon zuhause, ich erzähle ein wenig von dem Putzjob und dass ich von Tiffany und Sam eine Bestätigung brauche, dass ich hier wohne, sonst würde ich keine National Insurance Number erhalten. Er ist sicher, dass Tifanny das machen wird und bevor sie kommt und auch um noch etwas mehr Zeit zu gewinnen, rufe ich Lesley gegen 20.30h an und sage ihr, dass ich leider die Eigentümerin heute mittag verpasst hätte und von ihr noch die Informationen bräuchte wegen der National ID und dass ich mich gleich am Vormittag melden würde.

Als Tiffany kommt, ist sie überrascht und etwas irritiert – das merke ich inzwischen daran, dass ihr Lächeln dann stets erhalten bleibt. ich wähle hier bewusst nicht das Wort ‚Einfrieren‘, das würde die Wirkung nicht wiedergeben. Sie lächelt einfach weiter, so wie das manche Menschen tun, wenn sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Ich wünschte manchmal, ich hätte auch diese Gabe, mein Gesicht zu einer freundlichen Maske werden zu lassen. Am Morgen hatte ich noch gesagt, mir scheint der Putzjob nicht ganz ok zu sein, weil ich das Gefühl hatte, Kerry weicht meiner Frage nach der vorgesehenen Stundenzahl aus. Dann erfuhr ich jedoch von Lesley, dass mindestens 6 Stunden bezahlt würden, was mich etwas beruhigt hatte.

Tiffany ist weiterhin freundlich und ermutigt mich, es zu versuchen, obwohl mir schon bei dem Gedanken, 6 Stunden zu putzen, jeder Knochen wehtut. Und eigentlich möchte ich nicht mehr putzen, wozu hab ich studiert und noch eine weitere Ausbildung gemacht? Doch natürlich führt auch hier der Weg zum Ziel und Tiffany schließt mit den Worten, ich solle es versuchen und dann herum erzählen, dass ich einen Job suche, mir Zeit verschaffen.

Eine gute Idee und so gehe ich mit dem weiterhin flauen Gefühl ins Bett und schlafe ein.

19. Mai The Last Journey Porthgwarra Cafe and Exchange Gallery Penzance

Noch immer bin ich im Verzug mit dem Blog und darum starte ich auch heute den Tag mit dem Ipad beim Frühstückstisch. Ich merke auch, wie sehr mir das in der vergangenen Woche gefehlt hat, alles aufzuschreiben und die Worte fließen seit Tagen aus meinem Kopf in die Hände und Tasten und das tut mir gut. Zwischendurch frage ich mich, wieviele Menschen das hier tatsächlich lesen, denn ich weiss nur von einigen engeren Freunden durch Emails, dass sie weiter dabei sind und mitfiebern, ein schönes Gefühl.

Seit ich als Teenager die Kinderbücher von der damaligen Meisterin der Unterhaltungsliteratur Marie Luise Fischer gelesen habe, eine Reihe über Mädchen im Internat, wollte ich selbst Romane schreiben. Mein Traum war es, in einem schönen Haus mit Garten und verschiedenen Tieren zu leben und zu schreiben. Ich habe für den Traum vom Haus nie wirklich gekämpft, weil ich überzeugt war, niemals genug Geld zu haben und mich mit Schulden für die Erfüllung meines Traumes um meine Freiheit zu bringen.
Doch ich hatte Glück, denn seit ich mit 17 Jahren mein Elternhaus verlassen hatte, lernte ich in meinem Leben so viele Menschen kennen, die Eltern mit einem Haus hatten, das wir mal hüten oder die wir besuchen konnten oder in den letzten 15 Jahren solche, die selbst Hausbesitzer sind und mich einluden , sie zu besuchen oder mir großzügigerweise sogar ihre Wochenend- oder Gartenhäuschen für kurze Urlaube zum Ausspannen überließen. Ich war und bin sehr dankbar für diese Begegnungen und Möglichkeiten schon allein wegen Zora, die dadurch einfach immer wieder in den Genuss kam, ihrer eigentlichen artgerechten Bestimmung als Hütehund wenn auch nur für eine Weile näher zu sein. Das war sehr schön und eine große Erleichterung für mich, denn obwohl sie selbst in verschiedenen Büros, in denen ich gearbeitet hatte, mitkommen durfte, hatte ich mit meiner Altbauwohnung im dritten Stock ohne Fahrstuhl immer ein schlechtes Gewissen, weil ich ursprünglich vorhatte, mit ihr aufs Land zu ziehen, als sie noch sehr jung war.

Es ist schon 13h und David schleicht in der Küche herum und hatte im Gespräch mit Tiffany angedeutet, St.Michaels Mountain ansehen zu wollen. Das Wetter ist heute eher bewölkt aber trocken und so frage ich ihn, ob ich ihn nach St. Michaels mitnehmen solle, da ich selbst in die exchange gallery in Penzance gehen würde. Er ist einverstanden und wir fahren gemeinsam los.

Sam hatte mir am Sonntag vor ihrer Abfahrt davon erzählt, dass sie im Cafe in Porthgwarra noch jemanden für den Samstag suchen würden.
Ich frage David, ob das für ihn ok wäre, wenn wir den kleinen Umweg machten und ich mal nachfrage was für ein Job das sei.
Natürlich ist das kein Problem und so schlängeln wir uns die schmale Straße bis hinunter zur Porthgwarra Bucht zum Café. Ich steige aus und frage den jungen Mann nach dem Job an Samstagen und er geht mit mir in ein kleines Wäschehaus und verweist mich an eine Frau in den Fünfzigern mit dicken blondierten Haaren und einem ebenso dicken Zopf. Sie ist ein bisschen kräftiger und hat eine schöne tiefe Stimme, die mich an Marianne Faithful erinnert und ich bin mir beinahe sicher, dass sie raucht oder es früher getan hat. Ich stelle mich vor und erzähle in der Annahme, dass sich hier ohnehin jeder kennen muss, dass Sam vom Bodellan Farmhouse mir von dem Job erzählt hätte und dass ich mal nachfragen wollte. Sie erklärt mir, sie suchen jemanden für den Putzjob für die Cottages und dass ich jedoch erst Lesley treffen müsste, wobei sie sich keine wirklichen Gedanken machen würde. Doch das kennt man ja, manchmal trifft man jemanden und kann einfach nicht miteinander. Sie schlägt mir vor, am Samstag einmal zur Probe zu arbeiten, doch ich brauche schon vorher eine klare Zusage und frage, ob es vielleicht früher ginge, Lesley zu treffen. Und so ruft sie Lesley an, nicht ohne mir für die Unterbrechung einen Kaffee anzubieten und nach ein paar Minuten ist klar, dass ich Lesley morgen um 11.00h treffen werde.
Ich bedanke mich und wir verabschieden uns und verbleiben bis zum nächsten Tag und ich kehre mit dieser Information zurück zum Auto und wir fahren wieder zurück in Richtung Penzance.
Ich setze ihn an einem Parkplatz kurz vor St.Michaels Mountain ab und sage ihm, er solle sich melden, wenn er zurück möchte, denn vielleicht sei ich noch da und könnte ihn wieder mit nach Porthcurno nehmen, andernfalls ginge es auch mit dem Bus.

Ich parke am Hafen und die Schiffe sehen in der Ebbe wieder wie gestrandete Wracks aus, weil sie teilweise etwas zur Seite gekippt daliegen. Vor mir liegt so etwas wie eine verbilligte Ausgabe einer Shopping Mall und ich steige die Treppen hinauf dem Hinweisschild zur Exchange Gallery folgend und lande zunächst auf der kleinen Hauptstraße, die an einer Art Turm vorbeiführt. Dann sehe ich etwas weiter das nächste Schild, werde an einer kleinen Baustelle vorbeigeführt und finde mich in einer kleinen Gasse und schließlich vor der Exchange Gallery wieder.
Eine freundliche alte Dame sitzt an der Kasse , drückt mir einen Flyer in die Hand über die Ausstellung und macht einen Strich auf einer Liste.
Die Ausstellung heißt 3am wonder, paranoia and the restless nightin der die Werke der unterschiedlichsten Künstler zusammengetragen wurden, die sich diesem Thema in ihren Werken schon einmal genähert haben. Gleich neben dem Eingang finde ich wieder ein äußerst interessantes 8-minütiges Video sixpack-der film(nähere Infos hier klick), in dem die beiden Künstler Willi Dorner und Michael Palm in ihrer Outdoor.Performance, wie sie es selbst nennen zunächst leere Straßen und Hauseingänge, heruntergerissene Plakate in langen Einstellungen festhalten, dann tauchen plötzlich Beine auf oder zusammengerollte Körper, Menschen wie Wollknäule ineinander verschlungen um Hausecken oder Laternenpfosten, in Telefonzellen übereinandergestapelt – eine grandiose und sehr wirksame Installation.
An einer Wand hängen zwei Arbeiten der Fotografin Sophie Rickett, die vorzugsweise bei Nacht arbeitet und hier provokativ Frauen, die im Stehen urinieren fotografiert hat aus Protest gegen das für Männer oft selbige selbstverständliche Verhalten in der Öffentlichkeit.
Auffällig sind auch die Arbeiten von Bettina von Zwehl, die mitten in der Tiefschlafphase Freundinnen geweckt und diese ganz in weiss wie durchscheinende Geister vor weissem Hintergrund fotografiert hat.Es gibt noch einige andere Arbeiten wie etwa der Song Lights go on von Paul Rooney den ich hörenswert finde. Und dann gehe ich noch durchs Cafe und sehe mir einige andere Arbeiten an und stöbere im Gallery-Shop, als David anruft, der auf dem Rückweg von St.Michaels Mountain ist und ich schlage ihm vor, dass wir uns gegen 17.30h am Hafenparkplatz treffen und laufe noch wachen Auges durch die Straßen und mache begeistert einige Fotos von ein paar Häusern.
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17. Mai The Last Journey Der Blog, Penzance und der Ring

Seit 9.00h sitze ich auf Hugh’s Terrasse -das ist der Nachbar, der verreist ist- schreibe meinen Blog. Ich bin infolge der Ereignisse der letzten Tage total in Verzug geraten und auf der Terrasse ist es nicht nur etwas abgelegener, sondern auch herrlich sonnig und ich bin ob der Umgebung nicht so abgelenkt. Ich genieße es hier oben mit meinem Tee und ein paar Broten, alles sind entspannt – Samstagmorgen auf dem Land.

Ich schreibe und schreibe und eigentlich wollte ich mit David nach Carn Euny und ihm das Dorf aus der Eisenzeit zeigen, aber ich bin so im Fluss und schlage ihm vor, er könne doch an der Küste entlanglaufen, da ich um 14.00h den Termin bei Chris hätte, könne ich ihn in Lands End abholen und dann nach Carn Euny bringen. Er ist einverstanden und ich schreibe weiter und die Zeit vergeht und ich habe es weder ins Penlee House Museum geschafft, wo an Samstagen der Eintritt frei wäre und ich eine wunderbare Ausstellung um Penzance ‚ 400 jähriges Bestehen hätte sehen können noch bin ich wenigstens mal bis an Meer unten gelaufen.

Jetzt ist es schon gleich zwei und ich muss mich beeilen und packe wieder Zoras Asche ein und fahre rüber zu Chris, the silversmith.
Wir sprechen kurz und ich trinke einen Tee und dann versucht sie, die rote Kiste mit Zoras Asche u öffnen. Ich helfe ihr, doch sie muss ins Haus und eine Klinge holen, der Kleber lässt sich schwer lösen. Irgendwie verspüre ich den Drang, es selbst zu tun und nehme ein Messer und mit etwas Kraftaufwand bekomme ich den Deckel ab und halte die Tüte mit der Asche in Händen, als sie zurückkommt. Sie ist überrascht und wir sehen beide auf die Tüte und finden, es sieht irgendwie aus wie Sand mit zerbrochenen Muscheln darin. Ich warte innerlich ein wenig, ob sich etwas in mir regt, doch es ist eher eine Art Freude und ich habe Zoras Foto mitgenommen und sag ab und zu was erheiterndes zu ihr, als wäre sie dabei-ist sie ja irgendwie auch, so oder so.
Und dann wird es spannend: wie kommt die Asche oder ein kleiner Teil davon in den Ring? Chris hat sich eine Spritze besorgt und glaubt, dass sie den feinen Teil der Asche damit in den Ring quasi injizieren kann. Das klappt natürlich nicht, denn es ist nicht flüssig und staut sich darin. Damit nichts verloren geht von der Asche, lege ich vorsichtshalber ein Heft auf ihren Arbeitsplatz.
Chris schüttet vorsichtig die Asche aus der Spritze darauf und beginnt, sie mit der Kanüle vorsichtig in den Ring hinein zu schaufeln. Das dauert eine ganze Weile, denn sie muss den feinsten Staub herauspicken. Ich mache ein paar Fotos, um das wichtige Ereignis zu dokumentieren. Dann ist der Moment erreicht, als nichts mehr hineinpasst und sie fügt den kleinen Verschluss aus Rotgold ein, dreht den Ring um und muss ihn von der Innenseite her nun verschließen. Das funktioniert, indem sie das untere Ende des Stifts durch Druck und mit speziellen Werkzeugen verbreitert, so dass der Stift nicht mehr nach oben austreten kann. Doch es geht irgendwie schief und ein kleines Silberkügelchen hat sich auf der Oberseite bereits gelöst, sie wirkt gestresst und sagt, dass sie nichts verderben will, weil das so wichtig ist mit dem Ring und der Asche.
Mir wird plötzlich klar, dass es das erste Mal ist, dass sie so ein Schmuckstück mit Asche füllt und das ist tatsächlich ihre Premiere, wie es sich herausstellt.
Ich schlage ihr vor, dass ich meine Sachen erledige und dass sie in Ruhe weitermachen solle ohne mich, dann hätte sie vielleicht weniger inneren Stress. Sie bittet mich, um 21h wiederzukommen, bis dahin wäre sie fertig.

Ich fahre nach Penzance, obwohl es für die Ausstellung schon zu spät wird, denn inzwischen ist es 16h und ich habe auch etwas Hunger und mache einen Stop beim Supermarkt. Nachdem ich alle Besorgungen gemacht habe, fahre ich trotz fortgeschrittener Zeit weiter zum Penlee House, einfach um es mal von außen gesehen zu haben. Es gibt einen großen Parkplatz und direkt von dort geht es durch den Penlee Park direkt vorbei an einem Amphitheater zum Penlee House, was praktisch fünf Minuten später schließt. Der Park ist so wunderschön, dass ich überall stehen bleibe und Fotos machen möchte. An der kleinen Orangerie des Penlee House angelangt, schließt dieses tatsächlich unmittelbar. Also spaziere ich weiter durch den Garten und staune und freue mich und sehe plötzlich ein graues Tier auf dem Weg und es sieht ein bißchen aus wie eine zu helle Ratte und ist auch zu flauschig und dann geht es auf den Baum und ich frage mich, ob das eine Art Eichhörnchen ist und frage eine Frau, die mit ihrem Hund vorbei spaziert. Sie erklärt mir, dass dies ein Eichhörnchen ist, dass sie grau sind hier unten und dass sie wohl die braunen und roten vertrieben hätte über die Jahre.
Ich spaziere weiter und entdecke wilden Rosmarin mit blauen Blüten, wie ich ihn nur aus der Toskana kenne und freue mich über die vielen mediterranen Einflüsse hier. Ich gehe die Straßen entlang, sehe mir Penzance an, finde den Morab Garden ein kleiner sehr blumiger Park gleich in der Nähe und treffe dort die Katze wieder, die ich schon auf einer Baustelle im Penlee Garden entdeckt hatte. Ein Pavillon ziert den Park, der Rhododendron ist in den schönsten Farben erblüht, unendliche viel Pflanzen, die ich gar nicht kenne, begegnen mir auf meinem kleinen Spaziergang durch den Park und ich freue mich, als ich durch die Gassen gehe und denke, ich schreibe einen Reiseführer mit dem Titel ‚Penzance von hinten‘ gleich dem gleichnamigen Reiseführer über Berlin.
An jeder zweiten Ecke bleibe ich stehen,weil ich etwas interessantes entdecke oder ein Foto machen möchte. Dann erreiche ich ein Geschäft mit Bettwäsche und Bettdecken und sie haben diese echt britischen Überdecken reduziert. Begeistert bleibe ich stehen und staune, als ein Lieferwagen vor dem Geschäft anhält. Ein Mann um die fünfzig mit grauen Haaren und rötlich braunen Sonnengläsern steigt aus und lädt diverse Kartons aus und er schließt den Laden auf, der eigentlich geschlossen ist und ich staune weiter und spreche ihn dann an wegen der Maße etc. und er bittet mich ins Geschäft und wir beginnen zu plaudern und er fragt mich nach meinen Bettmaßen und erklärt, ich hätte ein KingSize Bett, was mir bis dato noch gar nicht klar war. Und er erklärt, ich bräuchte die größere Variante, weil sonst würde das nicht funktionieren da die Decke dann ja nur ein kleines Stück über die Bettkante hinausginge, Das ist ein sehr lustiges Gespräch weil er wirklich völlig unaufdringlich verkaufen möchte und ich es mir die ganze Zeit ausrede. Er ist so ein Typ, der dauernd Kosenamen verwendet und sagt immer ‚my love‘ oder ‚my dear‘ zu mir. Ich kann mich nicht durchringen, ob und welche Decke ich denn kaufen möchte, also mache ich Fotos und sage, ich überlege es mir nochmal und er erklärt, er sei nur samstags hier, er lebt in Devon mit seiner Frau, etwa 2 Stunden mit dem Auto entfernt. Wir verabschieden uns sehr herzlich und er sagt zum dritten Mal, wie lovely ich sei und drückt mir die Hand und küsst mich auf die Wange.

Ich schlendre noch ein wenig durch die Fußgängerzone und schau mir die alten Häuser an und gelange langsam aber sicher zum Penlee Park und damit zum Auto zurück und fahre zurück. Alle sind ausgeflogen zum Minack außer Sam und nachdem ich gegessen habe, ist Sam ganz eilig unterwegs und sagt, sie müsste nach Treen und ich bin interessiert, ob sie Freunde trifft, ja genau das würde sie und falls sie Pat und Jenny , die beiden Künstlerinnen treffen sollte, würde sie sie fragen, ob ich mir deren kleines Studio ansehen dürfe. Und ich sage, ich müsste nochmal zu Chris und würde vielleicht noch in Treen in den Pub gehen. Sie ist kaum weg, da muss ich auch schon wieder losfahren und bin um kurz nach neun bei Chris.

Sie kommt aus dem Haus und geht mit mir zusammen in ihre Werkstatt und präsentiert mir das Ergebnis. Sie erklärt, dass sie am Verschluss nichts weiter verarbeitet habe, da sie befürchtete, dass noch mehr von den Silberkügelchen verlustig gingen und dass sie die kleinen Kügelchen jetzt verkleben musste, da ein weiteres Erhitzen nicht mehr möglich war. Und sie fragt unzählige Male, ob er mir auch gefällt und dass ich keine Scheu haben solle, falls etwas nicht in Ordnung sei oder etwas kaputt ginge , ich ihn ihr jederzeit schicken könnte. Und wir unterhalten uns noch eine Weile über die verschiedensten Dinge und sie erzählt von ihrer Schwester und dass diese so krank sei seit Jahren und immer sehr ernste Dinge hätte. Dann sprechen wir über das National Health System und über Zuwanderer, über die sich die Briten mehr und mehr ärgern, ohne rassistisch sein zu wollen, denn sie würden seit Jahren einzahlen in die Krankenkassen und die Leute kämen her und würden die kostenlosen Behandlung missbrauchen und müssten nichts dafür bezahlen und das würde sich auf die Europawahlen auswirken und dass die britische Regierung mal einen Dämpfer bräuchte. Und dass die Leute hier unten genervt seien ob der stetig wachsenden Anzahl an Zugezogenen und ich sage, dass es dann wohl keine gute Idee wäre, wenn ich herzöge, weil ich ja auch eine Zugereiste sei. Doch Chris wehrt das ab, nein nein, so sei das nicht, sie meinte eher die Leute, die das Gesundheitssystem so ausnutzen würden. Wir sprechen noch eine Weile und ich erkläre ihr, dass es bei uns nicht viel anders wäre, was die Sozialleistungen betreffe und der Unmut in der Bevölkerung wachsen würde. Und als ich gehe, denke ich, dass ich hätte sagen sollen, was ich wirklich denke über verschiedene Länder und wie wir damit umgehen und ob nicht für alle Platz sein sollte überall und wir mehr teilen sollten. Doch stattdessen habe ich mich mehr hinreißen lassen die Krankheitsgeschichte ihrer Schwester zu analysieren. Gegen 22.15h gehen wir auseinander und verspreche, nochmal vorbeizukommen, bevor ich abreisen würde und bedanke mich nochmal für all ihre Mühe und fahre los.
Plötzlich ist mir doch etwas mulmig mit dem Ring und es hat etwas gespenstisches an sich, doch das scheinen auch eher kindliche Ängste zu sein, die ich da verarbeite.
Mir fällt ein, dass David noch nicht zurück war aber angerufen hatte und sam bescheid gegeben, dass er ok sei und seine Wanderung sehr genießt und sich niemand Sorgen machen müsste. Doch in der Dunkelheit frage ich mich besorgt, ob David von seinem Fußmarsch eigentlich schon zurückgekehrt ist, als ich die kurvenreiche Straße abbiege und er plötzlich vor mir herläuft. Ich hupe und er ist erleichtert, dass ich grad vorbeigekommen bin, denn sein Handy sei auch leer inzwischen und er total k.o. und er erzählt mir von seinen Erlebnissen und ich bin froh, dass ich ihn mitnehmen konnte und erleichtert, weil ich abgelenkt bin von weiteren Gedanken über Asche und Zora und Geister.

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Einige Einrücke von meinem Spaziergang:

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16. Mai The Last Journey St. Just The CookBookShop and the Minack

Gegen 7h am Morgen wache ich auf, Gedanken um Zora quälen mich etwas und lassen mich nicht wieder einschlafen. Um 8h gebe ich auf , ziehe die Vorhänge zurück und lasse die Sonne herein. Was für ein Wetter!
Ich rufe meine Emails ab und kriege wie jeden Morgen eine SMS von der besten Freundin von allen, über die ich mich sehr freue und beschließe aufzustehen und zu frühstücken.
Sam und Tiffany sind schon unten und begrüßen mich und Sam muss gleich los zur Arbeit. Als sie weg ist, erzählt Tiffany von dem unglaublich großen und roten Mond, den sie im Minack über dem Meer gesehen haben und sie holt ihre Kamera, um mir die Bilder zu zeigen. Das letzte Mal, als ich einen so großen roten Mond gesehen habe, war ich auf der Autobahn auf dem Rückweg aus dem Saarland letztes Jahr um diese Zeit. Das war beeindruckend. Tiffany erzählt, dass sie das Foto auf Facebook gepostet hätte und dass man ihn angeblich in Berlin auch sehen konnte.
Dann steht plötzlich ein zurückhaltender junger Mann in der Küche, er heisst David, hat gepflegtes, dunkles weit über die Schultern hinausgewachsenen Haaren und reicht mir die Hand. Er ist sehr gross und wirkt etwas linkisch und ist irgendwie seltsam aber sehr liebenswürdig.

Ich mache mein Frühstück und höre den beiden zu. David kommt aus Gillingham in Kent, wie ich erfahre und das ist etwa 50 km östlich von London entfernt. Er scheint sehr interessiert daran zu sein, einen amerikanischen Akzent zu haben, auf jeden Fall fragt er Tiffany danach und sie bestätigt ihm, dass er doch einige Worte ein wenig amerikanisch aussprechen würde. In meinen Ohren klingt er sehr britisch und sehr aus der Umgebung von London, weil er diese etwas abgehackte Aussprache hat, wie ich sie von dort aus der Umgebung zu kennen meine.
Nach einer Weile geht es um seine Pläne für den Tag und ich höre etwas von der Zinn-Mine, die er gern sehen möchte und da er kein Auto hat, schlage ich vor, dass ich ihn mitnehmen könnte auf meinem Weg nach St.Just. Chris, the silversmith hatte mir am Vorabend vorgeschlagen, doch mal etwas kürzer zu treten und empfahl mir den CookBookShop in St. Just zur Entspannung.

So fuhren wir gegen 11h gemeinsam los und plauderten ein bisschen und er erzählte, dass er gerade in der vergangenen Woche sein erstes Staatsexamen in Jura gemacht hätte, doch eigentlich lieber Krankenpfleger werden würde.
Als wir ankommen und auf dem großen Dorfparkplatz das Auto abstellen, entdeckt er zunächst eine alte Kirche. Schon beim Eintreten bin ich überwältigt und habe den Eindruck, in eine andere Zeit eingetaucht zu sein. Mächtige Mauern aus vielen kleinen runden Steinen gebaut, die in der typischen gotischen Bauweise der Zeit um 1200 üblich war. An den Wänden Überreste von zwei alten Wandmalereien mit Drachen und einem Ritter. In einer Ecke hängt an der Wand ein großes rot-weisses Tuch herab und ich habe noch bevor ich die Wandmalereien entdecke das Gefühl, als würde gleich irgendwo ein echter Ritter auftauchen.
Im Hintergrund spielt ein Organist vielleicht nicht die ausgewähltesten Stücke und im Mittelschiff arrangiert eine Frau sehr engagiert die Blumen für den Altar. Es freut mich, dass ich dies einmal beobachten kann, obwohl es dem ganzen auch ein wenig die Mystik, den Zauber nimmt.
David versucht noch ein wenig das ursprüngliche Datum des Kirchenbaus zu ergründen, dass um 1250 zu liegen scheint und nachdem wir noch eine Runde in dieser wirklich alten Kirche machen, gehen wir wieder nach draußen und suchen den CookBookSchop auf.
Dort gibt es sehr alte und jüngere gebrauchte Bücher, die man bei Kaffee oder Tee oder einer Kleinigkeit zu Essen in Ruhe studieren kann oder man stöbert sich einfach durch die Unmengen von Büchern in der oberen Etage so wie wir es tun. Trotz des fabelhaften Wetter draußen schaffe ich es kaum, mich von all den interessanten Werken loszueisen und vertiefe mich in den Briefwechsel von Jane Austen mit ihrer Tante Cassandra, anhand dessen wie ich lesen kann seit Jahrzehnten Biographen versuchen, Jane Austens alltägliches Leben nachzuempfinden. Im Grunde sieht es so aus, dass diese Art des Briefwechsels, der sich über einen Zeitraum von fast 30 Jahren erstreckt, auch eine wichtige Form der Nachrichtenübermittlung beinhaltete, da es durchaus üblich war, dass nicht nur der Adressat selbst sondern auch die restlichen Familienmitglieder oder teils auch Gäste die Briefe selbst zum lesen oder diese Laut vorgelesen wurden. Das mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb Jane Austen vor ihrem Tod große Teile des Briefwechsels verbrannt hat, bevor sie die Überreste ihrer Nichte übergab.
Ich muss mich zwingen, mit dem Lesen noch weiterer Bücher z.B. von Oscar Wilde, dessen Ausdrucksweise im Original wirklich bezwingend ist, aufzuhören und doch wenigstens einen Kaffee in der Sonne zu trinken. Und so gehen David, der sich ebenfalls kaum losreißen kann, und ich nach unten ins Café und bestellen uns ein Stück Kuchen zum Kaffee dazu und setzen uns in den Hof, denn dort ist am meisten Sonne.
Als wir den CookBookShop verlassen und eigentlich loswollen,entdecken wir direkt nebenan eine Art Galerie mit schönen großen Fenstern, die uns beide neugierig macht. Als wir eintreten, habe ich ein Gefühl von Weite und Durchatmen einer Frühlingsbrise gleich und finde es fabelhaft dort.
Es gibt Vitrinen mit Silberschmuck, Filztaschen, Bilder an den Wänden und vier freundliche Damen um die Fünfzig begrüßen uns. Wir sehen uns alles an und als ich frage, ob ich einige Fotos machen dürfte, heißt es erst ja und dann aber bestimmte Dinge doch nicht, weil sie fürchten, ich würde was kopieren wollen und ich erkläre ihnen, dass ich einen Blog schreiben würde und so reichen sie mir gleich eine Visitenkarte. Es ist eine Kooperative von 16 Künstlerinnen aus der Gegend um Penzance und St. Just, die dieses Atelier mit Geschäft zusammen eröffnet haben. Zwei der Frauen ziehen los, um ihre Hunde auszuführen und David kommt mit der dritten Dame an der Kasse ins Gespräch über Masken aus Venedig, wie ich am Rande mitbekomme, während ich mich mit der filzenden Künstlerin über das Leben hier unten unterhalte. Sie sei mit ihrem Mann erst letzten Juli nach Penzance gezogen und sie hätten hier so viele Freunde jetzt und die Leute seien so nett und hilfsbereit. Das erlebe ich auch selbst, dennoch bin ich etwas argwöhnisch, ob es sich dann wirklich um Freunde oder eher gute Bekannte handelt.
Inzwischen ist es schon nach 15h und eigentlich ist es zu kurz für einen Besuch in des Minenmuseums und das Wetter ist zu schön. Und David ist einverstanden, dass wir nachdem wir noch einen Rundgang durchs Dorf machen und das Amphitheater durchqueren und es für einen kleinen Park halten und in der Touristeninformation neben dem Parkplatz noch ein paar Flyer mitnehmen bevor wie wieder losfahren.

Im Haus angekommen, spielt mir David wie versprochen ein paar Titel der Sängerin Nerina Pallot, die am Abend im Minack theatre auftreten wird und für deren Konzert er bereits eine Karte hätte. Obwohl ich die Musik zunächst als etwas durchschnittlich empfinde, ist da doch das eine oder andere Stück dabei, das mir gut gefällt wie etwa Idaho . Und am Abend und obwohl ich total erschöpft bin und mich wieder einmal zerrissen fühle und denke, ich sollte besser zu Bett gehen oder mich ausruhen, fahre ich David kurzerhand hinterher und treffe ihn unterwegs und nehm ihn mit bis oben zum Minack, dass eigentlich fussläufig sehr gut erreichbar ist, doch da ich schon so spät dran bin…..
Es gibt noch Tickets und er trifft dort eine Bekannte vom Vorabend, die schon einen Platz für ihnen freigehalten hat und mit einigen anderen dort verabredet ist.
Ein unglaublicher Ausblick eröffnet sich mir mit diesem in die Felsen gebauten Amphitheater und dem Blick aufs Meer. es geht allerdings so steil nach unten, dass mir ziemlich mulmig wird beim Abstieg, denn die Plätze werden hier im Aufrückverfahren zugewiesen

Es ist nicht wirklich genug Platz für uns alle, also entschließe ich mich, weiter oben am Rand zu sitzen, so dass ich freie Sicht aufs Meer habe und auf die Bühne. Es geht ziemlich steil nach unten und das bereitet mir ein wenig Schwindelgefühle und so fühle ich mich an meinem Panoramaplatz ganz wunderbar. Ich habe alle warmen Jacken mit und Kissen, weil man dort auf grasbewachsenen Treppen sitzt und der Wind am Abend am Meer einfach sehr kalt werden kann.
Und dann geht es auch schon los und Nerina Pallot kommt im dunkelroten Samtrock und grauen Highheels auf die Bühne, das Meer im Rücken. Sie macht einen äußerst bodenständigen Eindruck und spricht, als wären wir alte Bekannte und dann spielt und singt sie los und es ist ein solcher Genuss , denn sie spielt nicht nur sehr gut Gitarre und Keyboard sondern hat darüberhinaus eine wirklich hervorragende Stimme und ich bin so froh, dass ich doch ins Minack gegangen bin.
Nach ein paar Songs entdecke ich auf den Klippen unterhalb der Bühne einen Mann in Bermudas und barfuß, wie er sich dort hinsetzt und lauscht. Da ruft auch schon bald eine Besucherin : Nerina, da sitzt ein Fan auf den Klippen, der offensichtlich keine Lust hat zu zahlen. Und sie ruft dem Mann zu, er solle hochkommen und auch seine 17,50£ bezahlen wie wir alle. Und dann geht Nerina selbst nachsehen und winkt ihm ebenfalls zu und lädt ihn ein, nach oben zu kommen. Nach einigem Hin und Her klettert er nach oben und wird von einem der Angestellten vom Minack hereingelassen. Sie begrüßt ihn freundlich und stellt uns den halbnackten Kerl als Paul vor und er umarmt sie, als wären sie alte Bekannte. Und dann soll er sich einen Platz suchen und dem Konzert beiwohnen und er setzt sich direkt neben mich. Wieder so ein Zufall, denke ich, egal wo ich hingehe, es passiert immer etwas besonderes. Und so sage ich zu ihm, er sei ganz schön mutig gewesen und erfahre, dass er ein kleines Baby zuhause hat und daher nur auf einen Sprung vorbeikommen, ein paar Lieder hören und dann wieder zu seiner Frau zurückfahren wollte. Und er spricht einen schwer verständlichen Akzent und er sagt, er kommt aus Liverpool und lebt aber schon eine Weile in Penzance und das alles ist irgendwie aberwitzig und freundlich. In der Pause kommt David nach oben zu mir, um sich zu erkundigen, ob es mir gefällt und dass jetzt noch ein Platz bei ihnen freigewordenen wäre und dann kommt noch seine Bekannte und der Dialog wiederholt sich irgendwie und ich lehne erneut dankend ab, denn ich fühle mich hier oben mit Paul ganz wohl. Es ist etwas kalt und eigentlich könnte ich noch eine Mütze und Handschuhe gebrauchen. Die anderen Leute haben noch Decken mit und Wein und ich hab mir Tee mitgenommen und bin ganz froh drüber und sitze da mit meinem Winteranorak und meiner Fleecejacke über den Beinen und zwei Kissen unter mir und friere trotzdem ein bisschen.
Und nach der Pause plaudern Paul und ich immer mal ein bisschen, weil ich ihn sehe barfuß in seinen Shorts und im TShirt und ihn frage, ob ihm nicht kalt sei, und die Frau, die zwei Reihen unter mir sitzt mit ihrem kleinen Sohn und offensichtlich ihrer Mutter,sieht mich aus unverschämt schönen braunen Augen an und sagt lakonisch, die Leute von der Küste laufen selbst im Winter im Bikini und in Badehose herum, und Paul pflichtet ihr bei, dass er noch nicht mal einen Mantel zu besitzen glaubt.
Das Konzert geht noch eine Weile weiter, aber Nerina kündigt schon an, dass ihr so kalt sei, dass sie leider nicht mehr lange spielen könnte.Da kommt eine Frau nach oben zu Paul und drückt ihm ein paar Pulswärmer in die Hand und bittet ihn, diese zu Nerina zu bringen. Er springt auch sofort auf und läuft nach unten und sie sieht ihn und sagt, ‚ach Paul, da bist du ja wieder‘ . Er übergibt ihr die Pulswärmer, sagt er wüsste nicht, von wem aber eine Frau hätte sie ihm eben gegeben.Und sie ist begeistert und ruft übers Mikrofon ihrem Mann zu, dass es mal an der Zeit wäre, dass er auch Berge hinaufklettert, um sie zu hören und ihr Handschuh bringt und dann bedankt sie sich bei Paul und der Frau im Publikum. Dann singt sie noch ein paar Lieder und schafft es den Abend über tatsächlich das Gefühl zu erwecken, als säßen wir alle wie ein paar Freunde zusammen und würden ein bisschen Musik machen. Paul und ich tauschen noch ein paar Meinungen aus und er sagt, er möchte den Blog sehen, den ich schreibe und ob ihn. Ich auf Facebook kontaktieren könnte und wir verabschieden uns und ich freue mich über den erfüllten Abend.
Als ich nach Hause zurückkehre – David verschwand noch backstage – sitzen da Wayne und seine Tochter Bracken, die am Folgetag mit Freunden aus Falmouth dem Konzert der Coverband von Fleetwood Mac called Fleetwood Bac im Minack beiwohnen werden. Es ist leider schon ausverkauft , sonst würde ich auch hingehen. Es kommt noch das Studentenpaar aus Plymouth, das schon bei meiner Ankunft hier war am nächsten Tag und andere Freunde und das Haus ist voll und ich ziehe mich ins Bett zurück und denke, das kann alles sehr lustig werden.

St.Just Parish Church

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Makers Emporium

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The Minack Theatre
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Nerina Pallot

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Paul Bridgewater, the Climbing Fan

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15. Mai The Last Journey Silversmith and St. Ives

Am Morgen sind alle schon ausgeflogen, als ich mir Frühstück mache, doch Sam kommt kurz zurück, da sie etwas vergessen hat. Wir begrüßen uns und dann nimmt Sam ihre gekochten Eier und tritt an mich heran und sagt: Patricia, könntest Du bitte versuchen, heute zu Tiffany nicht grob zu sein? Und ich frage, ob es Tiffany nicht gut ginge oder ob etwas passiert sei und sie erklärt, nein es ginge nur darum, dass Tiffany sie heute morgen aufgeregt angesprochen hätte, ob sie (Sam) mir alles richtig erklärt habe und dass ich nicht sofort ausziehen müsste und dass es doch nur darum ginge, dass ich den ganzen Sommer über dort bliebe. Und ich sage, dass ich mir auch Gedanken gemacht hätte, ob ich vielleicht am Vortag zu scharf gewesen sei und wir redeten und mir kommen mal wieder die Tränen – sonst bin ich ja nicht so nahe am Wasser gebaut, doch das große Weinen begann ja schon vor einem Jahr in meinem Urlaub an Belgiens Küste, als Zoras Gesundheitszustand sich zusehends verschlechterte , und mich schmerzlich die Erkenntnis traf, dass ich wohl nun mehr auf sie denn sie auf mich aufpassen müsste.
Wir reden und ich sage ihr, dass mich das traurig macht, dass ihre Schwester und ich nicht so gut miteinander können aber dass das eben vorkommt und Sam drückt mich mal kurz und sagt, es wäre doch schade, wenn ich jetzt einfach fahre, weil ich doch bisher eine gute Zeit dort hatte und das stimmt.
Ich schlage vor, sie solle doch besser mit Tiffany sprechen. Sam hatte ihr wohl auch schon meine zur Zeit schwierige Situation erklärt und richtig erkannt und weitergegeben, dass diese Information vom Vortag einfach ein Tröpfchen zu viel war für mich. Nicht dass mir das nicht ähnlich sähe, dass ich vielleicht eine kleine Spitze werfe, wenn ich eigentlich zutiefst verletzt bin, doch ich hatte nach wie vor das Gefühl, dass am Vortag nicht wirklich mit offenen Karten gespielt worden war.Und da ich oft ein Gespür für die verborgenen Dinge habe, die Menschen nicht gern preisgeben, blieb ich innerlich dabei. Es wäre für mich völlig ok gewesen, wenn sie es wegen des Geldes lieber an Airbnb Gäste vermieten; ganz ehrlich könnten sie, wenn sie es für die Restaurierung und Reparatur des Hauses nutzen würden, Hunderte von Gästen gut gebrauchen. Doch selbst wenn sie es für etwas anderes verwendeten, wäre es mir egal.
Es geht mir nur um Ehrlichkeit und dass es nicht so ein Gefühl des hinterm Rücken ist, doch es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, so offen wie ich zu sein, auch das habe ich inzwischen begriffen, wenngleich ich oft nicht nachvollziehen kann, weshalb anderen Menschen ihre ursprünglichen Motivationen nicht so klar sind wie ich es selbst oft bei mir erkennen kann. So wie ich gestern schon dachte, hoffentlich ist es kein Stellvertreterdrama, das ich innerlich und irgendwie dann auch ein bißchen im Außen austrage und so dann eben auf meiner Pilgerstrecke -so nenne ich das manchmal bei mir, wenn ich die Trauer ablaufe – meine innersten Bewegungen nach außen tragen konnte .
Als Sam das Haus verließ, muss ich trotzdem laut auflachen bei der Erinnerung, dass sie mich bittet, zu ihrer Schwester nicht grob zu sein – ich fand, ich hatte auch so eine Schwester verdient, die Tiffany sagt, dass sie etwas netter sein sollte.

Ich mache ich also auf den Weg zu Chris, denn heute ist der große Tag: ein kleiner Teil Zoras Asche soll in den Ring gefüllt werden. Wie aufregend! Ich halte eine Art Zwiesprache mit ihr und ich glaube, sie ist mal wieder recht entspannt und denkt sich, was diese ganze Angelegenheit wohl soll, doch sie fühlt sich wohl, habe ich das Gefühl als wir auf dem Weg sind.
Auch als ich sie bei Chris auf den Tisch stelle, habe ich ein gutes Gefühl und finde alles stimmig. Ich erzähle ein wenig von den kleinen Differenzen und meiner Bewerbung und Chris bietet mir sofort ihr kleines Cottage um selben Preis an wie ich mein Zimmer hier gemietet habe. Wie lieb und ich muss sie umarmen. Natürlich sehe ich auch, dass es zur Zeit eh nicht vermietet ist und dass die Lage strategisch ungünstig ist, um beispielsweise durchfahrende Urlauber anzuziehen. Aber ich weiss auch, dass sie es nicht wirklich nötig haben, dass sie gut versorgt sind. Und ich bin sehr dankbar für das freibleibende Angebot.
Wir machen uns an den Ring; dieser ist wunderschön aber sehr wuchtig geworden und leider auch zu groß. Doch das ist wirklich meine Schuld, denn ich habe sie überredet, ihn größer zu machen, nachdem ich den „Rohentwurf“ anprobiert hatte. Und so muss sie ihn aufsägen und ihn kleiner machen. Ich entschuldige mich, sie entschuldigt sich. Sie zeigt mir noch das Cottage und sagte, dass sie es noch putzen müsste und ich lehne das dankend ab und es geht eine Weile hin und her, bis ich sie überzeugt habe, dass ich es lieber selbst putzen würde, weil mich das immer gedanklich etwas befreit. Und sie überlässt es mir, ob ich dort einziehe oder nicht. ich finde das alles sehr großzügig und bedanke mich abermals und mach mich auf den Weg zum Poetry Slam nach St. Ives und versprechen gegen 18h wiederzukommen und die Ringfüllung mit ihr zusammen zu machen.

Auf dem Weg nach St.Ives nehme ich einen Umweg über St.Just, einem Anfang des 19. Jh den seinerzeit umliegenden Bergbauminen als Ballungszentrum dienenden Ort etwas oberhalb von Lands End und mehr oder weniger auf gleicher Höhe mit Cape Cornwall, das früher als westlichster Punkt auf der Landkarte galt und das einzige Kap, an dem zwei Ozeane aufeinandertreffen.
Es ist ein schöner kleiner Ort und ich fahre nur einmal kurz durch und beschließe, mir dafür mehr Zeit zu nehmen und an einem anderen Tag wiederzukommen. Die Strecke nach St. Ives führt an der Küste entlang und ich komme an alten Minen vorbei. Mir wird klar, dass ich die kürzere Strecke nehmen muss über Penzance, da ich es ansonsten keinesfalls zum Poetry Slam schaffen werde und so biege ich ab und bin etwa 20 Minuten später auf einem Parkplatz in St. Ives, der mir entsetzlich weit vom Geschehen weg erscheint. Und so frage ich ein Ehepaar, das gerade ins Auto steigt und einen Plan in Händen hält, ob sie wüssten, wo das Norwegerviertel sei. Sie wissen es nicht genau aber vermuten, es sei auf der anderen Seite in der Nähe von der Tate St.Ives. Und ich müsste den Hügel runter und wieder hinauf und ich könnte aber auch einen der Busse nehmen. Das erscheint mir alles zu knapp in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und so frage ich zwei junge Männer nach einem Parkplatz näher am Zentrum und sie empfehlen mir die Trainstation und ich erinnere mich, dass ich vor zwei Tagen , als ich mit der Küsteneisenbahn gekommen bin über einen großen Parkplatz gelaufen bin.Ich bedanke mich und fahre wieder los in Richtung Town Centre und entdecke dort auch gleich einen versteckten Parkplatz und finde tatsächlich auch noch einen freien Platz. Das Wetter ist traumhaft und so eilen Menschenmengen in das Künstlerparadies und die Parkplätze sind an den bekannten Plätzen regelrecht überlastet, dafür an anderen Stellen vergleichsweise leer.
Es braucht eine Weile, bis ich jemanden finde, der mir wirklich den richtigen Weg weisen kann. Doch dann nach dem dritten Anlauf beim Visitor’s shop der Tates Gallery St.Ives finde ich endlich den Norway Square und auch die Poeten vor Ort Ort. Es ist ein lauschiger kleiner Platz zwischen den Häusern, im Rücken finde ich die St.Ives School of Painting und vor mir eine Gallery, die Artists United of St. Ives oder ähnliches. In der Mitte also ein kleiner quadratischer Platz von kleinen Bäumen und Blumenkästen umsäumt und dort stehen einige Reihen mit Stühlen und ich sehe eine Frau mit langen grauen Haaren, einem weiten orangefarbenen Hemd d sie wirkt ein wenig wie jemand aus der Studentenbewegung aus den 1968ern. Das ist mir sympathisch, denn bis auf die Touristen, die ich an dem Staunen vor den Schaufenstern und in den Gassen zu erkennen meine oder weil sie wie ich eine Kamera um den Hals tragen, sind hier eigentlich die meisten sehr lässig gekleidet – eine Künstlerstädtchen eben.
Da sehe ich auch Bob Devereaux, den Veranstalter des jährlichen Literaturfestivals in St. Ives. Ich traf ihn schon vor zwei Tagen im St.Ives Arts Club und er rezitierte mir einige seiner Kunstwerke und erklärte mir deren Hintergründe. Er ist so voller Freude und Stolz auf dieses kleine Festival, das er mich im Vorbeigehen gar nicht bemerkt, doch das ist nicht schlimm. Er hatte mir vorgestern schon so viel über St.Ives und die Geschichte der Künstler erzählt und das war sehr sehr spannend – doch das krieg ich nicht mehr alles zusammen., denn es führte bis Ende des 19. Jh zurück und dauerte mindestens zwei Stunden.
Die Autoren scheinen sich aus Amateuren und bekannteren Dichtern und Autoren zusammenzusetzen. Es ist ein wahrer Genuss, manchen zu lauschen, die Betonung im Englischen ist irgendwie ähnlich doch auch wieder ganz anders. Man könnte sagen, es ist als zögen sie ihrer Intonation mit weichen Bleistiften klare Linien und auch Kurven, doch alles wirkt glasklar und dennoch zart und berührend.
Das Gedicht einer blonden Frau weit in ihren Fünfzigern berührt mich besonders. Sie beginnt damit, dass es eine wahre Geschichte ist und dann spricht sie von der Bucht in Sennen, über der ich letzte Woche auch gesessen und bitterlich um Zora weinte, und sie erzählt vom Meer und von den Wellen und der Kraft und wie sich sich hineinstürzt und taucht und wie plötzlich die Delfine um sie herum schwimmen und tanzen, als hörten sie Musik, die sie nicht wahrnehmen kann. Und wie sie das erzählt und in Worte kleidet, ist so wunderschön, das ich eine Gänsehaut bekomme.
Zwischen den Dichtern spielt immer jemand Gitarre und singt oder ein Duo tritt nach vorne, das Klarinette und Ukulele spielt und singt. Es ist alles sehr entspannt, sehr freundlich und wohlwollend und die Sonne scheint dazu. Ich fühle mich wohl und bin erneut dankbar, dabei sein zu können.

Die kleine Veranstaltung neigt sich schon etwas dem Ende zu, als ich das Bedürfnis verspüre, mir die St.Ives School of Painting genauer anzusehen. Ich gehe hinein und sehe, dass sie eine kleine Stelle offen haben und dass sie Leute suchen für geführte Touren durch St.Ives. Da ist ein kleines Büro und ich gehe einfach durch die Tür daneben und nach oben zu den Ateliers, wie ich herausfinde. Schon immer hab ich es genossen, in Ateliers herumzustöbern, einfach den Geruch der Kreativität und Weite wahrzunehmen, der Farben und das Licht in den Räumen aufzusaugen. Wie oft habe ich mir gewünscht, malen zu können und habe mich nie getraut. Erst vor gut dreieinhalb Jahren führten mich günstige Umstände zu der Entdeckung, dass das Arbeiten mit Farben viel ursprünglicher, näher an den Gefühlen dran als viele meiner Worte, mithilfe derer ich seit meinem 13. Lebensjahr immer wieder versucht hatte, Bilder mit Worten zu malen.
Was ich mache, würde ich jedoch nicht malen nennen, sondern eher experimentieren mit Farben und das mache ich eher selten, doch es bringt mich stets zu einer tiefen inneren Ruhe.
Ich hatte großes Glück, eine befreundete Grafikerin zu treffen, die mich darin bestärkt und mich sehr unterstützt hat d mich mit Farben und Pinseln,Leinwänden,Papier, Kartons – kurz sämtlichen Utensilien ausgestattet hat, die man dafür so braucht, um sich mal auszuprobieren.

Das Atelier zu meiner Rechten ist leer und ich trau mich nicht wirklich, es in Ruhe zu inspizieren. Es ist ein mittelgroßer Raum ganz in weiss und mit Fenstern, die einen unmittelbaren Blick aufs Meer gewähren. Wieder so ein Moment, in dem ich das Gefühl habe, Generationen von Malern in diesem Raum zu spüren, die von dieser Aussicht inspiriert worden sind.

Zu meiner Linken findet sich ein Atelier mit ein paar Leuten darin, die an Leinwänden oder an Tischen konzentriert und in Stille arbeiten und ich möchte mich am liebsten dazu setzen und auch mit Farben etwas machen, mich ausdrücken, genießen und zur Ruhe kommen. Doch es ist ein Kurs, wie mir eine dr Anwesenden mit starkem deutschen Akzent auf englisch erklärt und ich könnte unten im Büro mal nachfragen. Einige Momente später tue ich genau das und die Lady im Office erklärt mir, dass man als Kursteilnehmer alles nutzen darf und dass am Montag ein Kurs startet, der irgendwie draußen stattfindet und experimentiert in der Natur und als ich sage, ich wüsste nicht, ob ich mir das zutraue, ermuntert sie mich. Die Kurse scheinen mir mit mindestens 240£ nicht preiswert zu sein, andererseits habe ich keinen wirklichen Vergleich und wenn ich an die Materialkosten denke und an das Honorar für den Lehrer ist es vielleicht doch nicht so viel. Ich rechne die Preise häufig in Übernachtungen um und überlege, bevor ich das Geld ausgebe, wie viele Übernachtungen ich damit vergeuden könnte, die ich lieber hier verbringen würde. Darüberhinaus hängt es natürlich sehr vom Wetter ab, doch es ließe sich wohl nötigenfalls auch spontan einrichten, soweit ich es richtig verstehe.
Ich verlasse die St.Ives School und gehe nochmal über die kleine Straße zum Norway Square, wo eine andere sympathische Frau gerade ihr Gedicht vorträgt. Das macht sie ganz wunderbar und sie ist so aufgeregt, dass das Papier in ihren Händen mit ihnen gemeinsam zittert und das rührt mich so sehr, dass ich mich kaum auf das gesprochene Wort konzentrieren kann. Sie bekommt einen ebenfalls wohlwollenden Applaus und Bob lädt noch einmal zum anschließenden Cafe auf der anderen Seite im Arts Club ein. Doch ich bekomme Hunger und so mache ich mich auf den Weg in Richtung town centre und halte Ausschau nach Leckereien.
Ich finde mein Feinkostgeschäft von vergangener Woche wieder und so kaufe ich dort wieder das letzte Vollkornbrot und nehme noch ein Stück Walnusskuchen dazu. Weiter unten am Strand tummeln sich die Touristen, sitzen in Cafes und da low tide (Ebbe) ist, kann man wunderbar am Strand entlang laufen und sich die vorübergehend gestrandeten Boote ansehen.

Die Sonne scheint, es ist herrlich warm und einige Menschen liegen am Strand, lesen, plaudern oder sonnen sich und scheinen infolge der leichten erfrischen Meeresbrise nicht zu bemerken, dass ihre Haut schon stark gerötet ist von der Sonne. Ich entferne mich weiter vom Trubel der umliegenden Cafes und klettere an einer Leiter über die Brücke und gehe auf die andere Seite, wo es zwar etwas windiger, dafür jedoch menschenleerer ist. Das herrliche klare blaugrüne Wasser lädt mich ein, meine Füße darin zu baden und so ziehe ich meine Schuhe aus und kremple die Hosenbeine hoch und geh schnurstracks ins kalte Wasser bis zu den Knien. Die Sonne meint es so gut, da ist es egal, dass die Jeans trotzdem nass wird und ich suche mir ein stilleres geschützteres Plätzchen und lege mich auf meine Weste und meinen Rucksack und genieße das Treiben der Wellen und des leichten Windes und falle in einen leichten Dämmerschlaf, so gleichmäßig und beruhigend sind all diese Geräusche für mich. Ich erinnere mich an die Ostsee mit Zora und Kathrin und wie mich jedesmal als erstes hingelegt und diese tiefe Entspannung gespürt habe und gleichsam in einen Dämmerschlaf versank, während Zora und Kathrin spielten. Und ich bin ein bißchen traurig wegen Zora, ein Mann ist gleich neben mir mit seinen Hunden am Strand und spielt mit ihnen und sie kläffen. Ich blinzle mit den Augen, um sie zu sehen und freue mich an dem Spaß, den sie haben, ins Wasser zu springen und Phantomsteinen nachzujagen.
Ich mache die Augen wieder zu und lausche dem immer näher kommendem Wasser und erkenne, dass mein Pläuschchen am Wasser gleich beendet ist, wenn ich nicht nass werden möchte. Ich erinnere mich, wie ich einmal nach Hamburg fuhr und mit Zora direkt an die Elbe ging und mich dort ebenfalls hinlegte in den Sand und Zora spielte und ich tatsächlich einschlief und erst von den Wellen, die nach und nach zurückkamen und mich umspülten geweckt wurde.

ich gehe nochmal durch town centre und besorge ein paar Kleinigkeiten und sehe die fortgeschrittene Zeit und eile zurück zum Auto. Das Parkticket ist schon abgelaufen und ich habe noch einen Besichtigungstermin für ein möbliertes Zimmer für den Fall, dass ich tatsächlich länger hierbleiben könnte.

ich habe nur eine Postleitzahl und nur den Namen von dem Cottage, das sie bewohnen.Jen und ihr Mann leben in Hendra Cottage in einer Art Wohnpark in der Nähe von Penzance aber es ist etwas anders als wir es in Deutschland kennen. Man stelle sich ein von bepflanzten Mauern umwachsenes Gelände vor, das eigentlich den Eindruck macht, als würde man die Zufahrt zu einem herrschaftlichen Landsitz hinauffahren. Vielleicht war es das früher auch einmal so. Vereinzelt stehen umsäumt von riesigen alten Bäumen und Wiesen mit Langgras alte stone cottages, das sind diese typischen alten englischen Häuser, die aus riesigen Steinen gebaut wurden, die aussehen,als wären sie mit Stroh vermengt. Nach etwa 100 Metern finde ich Hendra Cottage und sehe Jen und ihren Mann imm Garten werkeln. Ein nettes Ehepaar in ihren Fünfzigern, wir begrüßen uns und sie zeigt mir das Haus. Es ist alles sehr eng und im Vergleich zu meinem Standort in Porthcurno eher eng und das Zimmer, das sie mir zeigt, ist freundlich und hat jeweils ein Fenster an der linken Wand und gegenüber vom Bett auch noch eines. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt von dem alten Haus und dass sie aus der Nähe von London kommen und nachdem ihre Kinder erwachsen waren und sie neu geheiratet hat, sie hier aufs Land gezogen sind und dass sie nichts vermisst. Es ist sehr abgelegen und sehr ruhig hier und ihr Schlafzimmer ist gleich nebenan und das kleine Bad auf der anderen Seite. Wir sprechen über die Feuchtigkeit hier in der Nähe des Meeres und dass leider auch ihr Haus ein wenig betroffen wäre und ja tatsächlich, gleich neben dem Fenster die Wand sieht ziemlich mitgenommen aus. Schade, denke ich, doch so wohne ich ja gerade schon, mit sehr viel Feuchtigkeit und Schimmel und wir sind nicht mal einen Kilometer vom Meer entfernt.
Wir reden noch eine Weile und ich erkläre, dass ich abwarten müsste, wie sich das Telegraph Museum entscheidet und mich dann sofort bei ihr melden würde. Ihr Mann erklärt noch etwas von einer Anzahlung, sollten sie das Zimmer für mich bereithalten und sie sagt, das wäre nicht nötig und er möchte aber darauf bestehen. Und als ich mich bedanke und mich freundlich verabschiede und ins Auto steige, denke ich, ich müsste ihnen gleich am nächsten Tag schreiben, dass es mit dem Museumsjob nicht klappt, denn so wie die Räume dort aufgeteilt sind, ist es mir schlichtweg zu eng beieinander.

Ich fahre nach Porthcurno entschlossen, meine Sachen abzuholen und ins kleine Cottage bei Chris zu ziehen. Doch als ich hier ankomme, kommt Tiffany nach unten und strahlt mich an mit der Unschuld eines kleinen Mädchens und ist so bemüht, freundlich zu sein und fragt, ob ich einen guten Tag hatte und dass ich Glück hätte mit dem Wetter. Und ich lege die Sachen aus dem Kühlschrank zurück, als sie die Küche verlassen hat, weil ich mich ganz schrecklich fühle bei dem Gedanken, diese freundlichen Bemühungen abzulehnen. Ich sehe, dass sie alles geputzt hat und fahre mit hängenden Schultern und mich zwischen den Stühlen fühlend zu Chris. Leider treffe ich sie nicht an und so warte ich eine Weile , gehe ins Cottage, das sie doch für mich vorbereitet hat und wo Zoras Asche bereits am Nachttisch auf mich wartet.Ich fühle mich beschämt und warte im Auto auf Chris, die nach etwa 20 Minuten mit dem Auto von wo immer zurückkehrt. Wir sprechen eine Weile und sie erklärt, ich solle mir wegen ihnen keinen weiteren Gedanken machen, ich könnte jederzeit kommen und dort einziehen. Alles gar kein Problem und sie sagt, sie hätte den Ring nicht weiter bearbeitet, ob es mir etwas ausmachen würde, am Samstag wiederzukommen und sie ist so freundlich und wir verabschieden uns und verbleiben wie besprochen.

Als ich zurückkomme zum Bodellan Farmhouse – das ist das Haus, in dem ich wohne – ist niemand da, es liegt ein Zettel auf dem Tisch ‚David and Tiffany at the Minack‘ und ich mache mir etwas zu essen und dann kommt Sam und ich erzähle noch von der Begegnung mit Tiffany und dass ich eigentlich fahren wollte, aber dass sie so freundlich gewesen sei. Und Sam lacht, als ich ihr das erzähle, aber sie findet es gut, dass ich nicht weg bin und so geh ich ins Bett, denn es ist schon fast 22.30 h und ich bin so erschlagen von dem Tag und den Ereignissen, dass ich tief und fest einschlafe.

So sieht hier eine Möbellieferung aus in den engen Gassen

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Ein weiterer aufmerksamer Besucher des Norway Square

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Bob Devereaux
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St.Ives Arts Club
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Wartende Piratin vor dem Cafe
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