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17. Mai The Last Journey Der Blog, Penzance und der Ring

Seit 9.00h sitze ich auf Hugh’s Terrasse -das ist der Nachbar, der verreist ist- schreibe meinen Blog. Ich bin infolge der Ereignisse der letzten Tage total in Verzug geraten und auf der Terrasse ist es nicht nur etwas abgelegener, sondern auch herrlich sonnig und ich bin ob der Umgebung nicht so abgelenkt. Ich genieße es hier oben mit meinem Tee und ein paar Broten, alles sind entspannt – Samstagmorgen auf dem Land.

Ich schreibe und schreibe und eigentlich wollte ich mit David nach Carn Euny und ihm das Dorf aus der Eisenzeit zeigen, aber ich bin so im Fluss und schlage ihm vor, er könne doch an der Küste entlanglaufen, da ich um 14.00h den Termin bei Chris hätte, könne ich ihn in Lands End abholen und dann nach Carn Euny bringen. Er ist einverstanden und ich schreibe weiter und die Zeit vergeht und ich habe es weder ins Penlee House Museum geschafft, wo an Samstagen der Eintritt frei wäre und ich eine wunderbare Ausstellung um Penzance ‚ 400 jähriges Bestehen hätte sehen können noch bin ich wenigstens mal bis an Meer unten gelaufen.

Jetzt ist es schon gleich zwei und ich muss mich beeilen und packe wieder Zoras Asche ein und fahre rüber zu Chris, the silversmith.
Wir sprechen kurz und ich trinke einen Tee und dann versucht sie, die rote Kiste mit Zoras Asche u öffnen. Ich helfe ihr, doch sie muss ins Haus und eine Klinge holen, der Kleber lässt sich schwer lösen. Irgendwie verspüre ich den Drang, es selbst zu tun und nehme ein Messer und mit etwas Kraftaufwand bekomme ich den Deckel ab und halte die Tüte mit der Asche in Händen, als sie zurückkommt. Sie ist überrascht und wir sehen beide auf die Tüte und finden, es sieht irgendwie aus wie Sand mit zerbrochenen Muscheln darin. Ich warte innerlich ein wenig, ob sich etwas in mir regt, doch es ist eher eine Art Freude und ich habe Zoras Foto mitgenommen und sag ab und zu was erheiterndes zu ihr, als wäre sie dabei-ist sie ja irgendwie auch, so oder so.
Und dann wird es spannend: wie kommt die Asche oder ein kleiner Teil davon in den Ring? Chris hat sich eine Spritze besorgt und glaubt, dass sie den feinen Teil der Asche damit in den Ring quasi injizieren kann. Das klappt natürlich nicht, denn es ist nicht flüssig und staut sich darin. Damit nichts verloren geht von der Asche, lege ich vorsichtshalber ein Heft auf ihren Arbeitsplatz.
Chris schüttet vorsichtig die Asche aus der Spritze darauf und beginnt, sie mit der Kanüle vorsichtig in den Ring hinein zu schaufeln. Das dauert eine ganze Weile, denn sie muss den feinsten Staub herauspicken. Ich mache ein paar Fotos, um das wichtige Ereignis zu dokumentieren. Dann ist der Moment erreicht, als nichts mehr hineinpasst und sie fügt den kleinen Verschluss aus Rotgold ein, dreht den Ring um und muss ihn von der Innenseite her nun verschließen. Das funktioniert, indem sie das untere Ende des Stifts durch Druck und mit speziellen Werkzeugen verbreitert, so dass der Stift nicht mehr nach oben austreten kann. Doch es geht irgendwie schief und ein kleines Silberkügelchen hat sich auf der Oberseite bereits gelöst, sie wirkt gestresst und sagt, dass sie nichts verderben will, weil das so wichtig ist mit dem Ring und der Asche.
Mir wird plötzlich klar, dass es das erste Mal ist, dass sie so ein Schmuckstück mit Asche füllt und das ist tatsächlich ihre Premiere, wie es sich herausstellt.
Ich schlage ihr vor, dass ich meine Sachen erledige und dass sie in Ruhe weitermachen solle ohne mich, dann hätte sie vielleicht weniger inneren Stress. Sie bittet mich, um 21h wiederzukommen, bis dahin wäre sie fertig.

Ich fahre nach Penzance, obwohl es für die Ausstellung schon zu spät wird, denn inzwischen ist es 16h und ich habe auch etwas Hunger und mache einen Stop beim Supermarkt. Nachdem ich alle Besorgungen gemacht habe, fahre ich trotz fortgeschrittener Zeit weiter zum Penlee House, einfach um es mal von außen gesehen zu haben. Es gibt einen großen Parkplatz und direkt von dort geht es durch den Penlee Park direkt vorbei an einem Amphitheater zum Penlee House, was praktisch fünf Minuten später schließt. Der Park ist so wunderschön, dass ich überall stehen bleibe und Fotos machen möchte. An der kleinen Orangerie des Penlee House angelangt, schließt dieses tatsächlich unmittelbar. Also spaziere ich weiter durch den Garten und staune und freue mich und sehe plötzlich ein graues Tier auf dem Weg und es sieht ein bißchen aus wie eine zu helle Ratte und ist auch zu flauschig und dann geht es auf den Baum und ich frage mich, ob das eine Art Eichhörnchen ist und frage eine Frau, die mit ihrem Hund vorbei spaziert. Sie erklärt mir, dass dies ein Eichhörnchen ist, dass sie grau sind hier unten und dass sie wohl die braunen und roten vertrieben hätte über die Jahre.
Ich spaziere weiter und entdecke wilden Rosmarin mit blauen Blüten, wie ich ihn nur aus der Toskana kenne und freue mich über die vielen mediterranen Einflüsse hier. Ich gehe die Straßen entlang, sehe mir Penzance an, finde den Morab Garden ein kleiner sehr blumiger Park gleich in der Nähe und treffe dort die Katze wieder, die ich schon auf einer Baustelle im Penlee Garden entdeckt hatte. Ein Pavillon ziert den Park, der Rhododendron ist in den schönsten Farben erblüht, unendliche viel Pflanzen, die ich gar nicht kenne, begegnen mir auf meinem kleinen Spaziergang durch den Park und ich freue mich, als ich durch die Gassen gehe und denke, ich schreibe einen Reiseführer mit dem Titel ‚Penzance von hinten‘ gleich dem gleichnamigen Reiseführer über Berlin.
An jeder zweiten Ecke bleibe ich stehen,weil ich etwas interessantes entdecke oder ein Foto machen möchte. Dann erreiche ich ein Geschäft mit Bettwäsche und Bettdecken und sie haben diese echt britischen Überdecken reduziert. Begeistert bleibe ich stehen und staune, als ein Lieferwagen vor dem Geschäft anhält. Ein Mann um die fünfzig mit grauen Haaren und rötlich braunen Sonnengläsern steigt aus und lädt diverse Kartons aus und er schließt den Laden auf, der eigentlich geschlossen ist und ich staune weiter und spreche ihn dann an wegen der Maße etc. und er bittet mich ins Geschäft und wir beginnen zu plaudern und er fragt mich nach meinen Bettmaßen und erklärt, ich hätte ein KingSize Bett, was mir bis dato noch gar nicht klar war. Und er erklärt, ich bräuchte die größere Variante, weil sonst würde das nicht funktionieren da die Decke dann ja nur ein kleines Stück über die Bettkante hinausginge, Das ist ein sehr lustiges Gespräch weil er wirklich völlig unaufdringlich verkaufen möchte und ich es mir die ganze Zeit ausrede. Er ist so ein Typ, der dauernd Kosenamen verwendet und sagt immer ‚my love‘ oder ‚my dear‘ zu mir. Ich kann mich nicht durchringen, ob und welche Decke ich denn kaufen möchte, also mache ich Fotos und sage, ich überlege es mir nochmal und er erklärt, er sei nur samstags hier, er lebt in Devon mit seiner Frau, etwa 2 Stunden mit dem Auto entfernt. Wir verabschieden uns sehr herzlich und er sagt zum dritten Mal, wie lovely ich sei und drückt mir die Hand und küsst mich auf die Wange.

Ich schlendre noch ein wenig durch die Fußgängerzone und schau mir die alten Häuser an und gelange langsam aber sicher zum Penlee Park und damit zum Auto zurück und fahre zurück. Alle sind ausgeflogen zum Minack außer Sam und nachdem ich gegessen habe, ist Sam ganz eilig unterwegs und sagt, sie müsste nach Treen und ich bin interessiert, ob sie Freunde trifft, ja genau das würde sie und falls sie Pat und Jenny , die beiden Künstlerinnen treffen sollte, würde sie sie fragen, ob ich mir deren kleines Studio ansehen dürfe. Und ich sage, ich müsste nochmal zu Chris und würde vielleicht noch in Treen in den Pub gehen. Sie ist kaum weg, da muss ich auch schon wieder losfahren und bin um kurz nach neun bei Chris.

Sie kommt aus dem Haus und geht mit mir zusammen in ihre Werkstatt und präsentiert mir das Ergebnis. Sie erklärt, dass sie am Verschluss nichts weiter verarbeitet habe, da sie befürchtete, dass noch mehr von den Silberkügelchen verlustig gingen und dass sie die kleinen Kügelchen jetzt verkleben musste, da ein weiteres Erhitzen nicht mehr möglich war. Und sie fragt unzählige Male, ob er mir auch gefällt und dass ich keine Scheu haben solle, falls etwas nicht in Ordnung sei oder etwas kaputt ginge , ich ihn ihr jederzeit schicken könnte. Und wir unterhalten uns noch eine Weile über die verschiedensten Dinge und sie erzählt von ihrer Schwester und dass diese so krank sei seit Jahren und immer sehr ernste Dinge hätte. Dann sprechen wir über das National Health System und über Zuwanderer, über die sich die Briten mehr und mehr ärgern, ohne rassistisch sein zu wollen, denn sie würden seit Jahren einzahlen in die Krankenkassen und die Leute kämen her und würden die kostenlosen Behandlung missbrauchen und müssten nichts dafür bezahlen und das würde sich auf die Europawahlen auswirken und dass die britische Regierung mal einen Dämpfer bräuchte. Und dass die Leute hier unten genervt seien ob der stetig wachsenden Anzahl an Zugezogenen und ich sage, dass es dann wohl keine gute Idee wäre, wenn ich herzöge, weil ich ja auch eine Zugereiste sei. Doch Chris wehrt das ab, nein nein, so sei das nicht, sie meinte eher die Leute, die das Gesundheitssystem so ausnutzen würden. Wir sprechen noch eine Weile und ich erkläre ihr, dass es bei uns nicht viel anders wäre, was die Sozialleistungen betreffe und der Unmut in der Bevölkerung wachsen würde. Und als ich gehe, denke ich, dass ich hätte sagen sollen, was ich wirklich denke über verschiedene Länder und wie wir damit umgehen und ob nicht für alle Platz sein sollte überall und wir mehr teilen sollten. Doch stattdessen habe ich mich mehr hinreißen lassen die Krankheitsgeschichte ihrer Schwester zu analysieren. Gegen 22.15h gehen wir auseinander und verspreche, nochmal vorbeizukommen, bevor ich abreisen würde und bedanke mich nochmal für all ihre Mühe und fahre los.
Plötzlich ist mir doch etwas mulmig mit dem Ring und es hat etwas gespenstisches an sich, doch das scheinen auch eher kindliche Ängste zu sein, die ich da verarbeite.
Mir fällt ein, dass David noch nicht zurück war aber angerufen hatte und sam bescheid gegeben, dass er ok sei und seine Wanderung sehr genießt und sich niemand Sorgen machen müsste. Doch in der Dunkelheit frage ich mich besorgt, ob David von seinem Fußmarsch eigentlich schon zurückgekehrt ist, als ich die kurvenreiche Straße abbiege und er plötzlich vor mir herläuft. Ich hupe und er ist erleichtert, dass ich grad vorbeigekommen bin, denn sein Handy sei auch leer inzwischen und er total k.o. und er erzählt mir von seinen Erlebnissen und ich bin froh, dass ich ihn mitnehmen konnte und erleichtert, weil ich abgelenkt bin von weiteren Gedanken über Asche und Zora und Geister.

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Einige Einrücke von meinem Spaziergang:

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16. Mai The Last Journey St. Just The CookBookShop and the Minack

Gegen 7h am Morgen wache ich auf, Gedanken um Zora quälen mich etwas und lassen mich nicht wieder einschlafen. Um 8h gebe ich auf , ziehe die Vorhänge zurück und lasse die Sonne herein. Was für ein Wetter!
Ich rufe meine Emails ab und kriege wie jeden Morgen eine SMS von der besten Freundin von allen, über die ich mich sehr freue und beschließe aufzustehen und zu frühstücken.
Sam und Tiffany sind schon unten und begrüßen mich und Sam muss gleich los zur Arbeit. Als sie weg ist, erzählt Tiffany von dem unglaublich großen und roten Mond, den sie im Minack über dem Meer gesehen haben und sie holt ihre Kamera, um mir die Bilder zu zeigen. Das letzte Mal, als ich einen so großen roten Mond gesehen habe, war ich auf der Autobahn auf dem Rückweg aus dem Saarland letztes Jahr um diese Zeit. Das war beeindruckend. Tiffany erzählt, dass sie das Foto auf Facebook gepostet hätte und dass man ihn angeblich in Berlin auch sehen konnte.
Dann steht plötzlich ein zurückhaltender junger Mann in der Küche, er heisst David, hat gepflegtes, dunkles weit über die Schultern hinausgewachsenen Haaren und reicht mir die Hand. Er ist sehr gross und wirkt etwas linkisch und ist irgendwie seltsam aber sehr liebenswürdig.

Ich mache mein Frühstück und höre den beiden zu. David kommt aus Gillingham in Kent, wie ich erfahre und das ist etwa 50 km östlich von London entfernt. Er scheint sehr interessiert daran zu sein, einen amerikanischen Akzent zu haben, auf jeden Fall fragt er Tiffany danach und sie bestätigt ihm, dass er doch einige Worte ein wenig amerikanisch aussprechen würde. In meinen Ohren klingt er sehr britisch und sehr aus der Umgebung von London, weil er diese etwas abgehackte Aussprache hat, wie ich sie von dort aus der Umgebung zu kennen meine.
Nach einer Weile geht es um seine Pläne für den Tag und ich höre etwas von der Zinn-Mine, die er gern sehen möchte und da er kein Auto hat, schlage ich vor, dass ich ihn mitnehmen könnte auf meinem Weg nach St.Just. Chris, the silversmith hatte mir am Vorabend vorgeschlagen, doch mal etwas kürzer zu treten und empfahl mir den CookBookShop in St. Just zur Entspannung.

So fuhren wir gegen 11h gemeinsam los und plauderten ein bisschen und er erzählte, dass er gerade in der vergangenen Woche sein erstes Staatsexamen in Jura gemacht hätte, doch eigentlich lieber Krankenpfleger werden würde.
Als wir ankommen und auf dem großen Dorfparkplatz das Auto abstellen, entdeckt er zunächst eine alte Kirche. Schon beim Eintreten bin ich überwältigt und habe den Eindruck, in eine andere Zeit eingetaucht zu sein. Mächtige Mauern aus vielen kleinen runden Steinen gebaut, die in der typischen gotischen Bauweise der Zeit um 1200 üblich war. An den Wänden Überreste von zwei alten Wandmalereien mit Drachen und einem Ritter. In einer Ecke hängt an der Wand ein großes rot-weisses Tuch herab und ich habe noch bevor ich die Wandmalereien entdecke das Gefühl, als würde gleich irgendwo ein echter Ritter auftauchen.
Im Hintergrund spielt ein Organist vielleicht nicht die ausgewähltesten Stücke und im Mittelschiff arrangiert eine Frau sehr engagiert die Blumen für den Altar. Es freut mich, dass ich dies einmal beobachten kann, obwohl es dem ganzen auch ein wenig die Mystik, den Zauber nimmt.
David versucht noch ein wenig das ursprüngliche Datum des Kirchenbaus zu ergründen, dass um 1250 zu liegen scheint und nachdem wir noch eine Runde in dieser wirklich alten Kirche machen, gehen wir wieder nach draußen und suchen den CookBookSchop auf.
Dort gibt es sehr alte und jüngere gebrauchte Bücher, die man bei Kaffee oder Tee oder einer Kleinigkeit zu Essen in Ruhe studieren kann oder man stöbert sich einfach durch die Unmengen von Büchern in der oberen Etage so wie wir es tun. Trotz des fabelhaften Wetter draußen schaffe ich es kaum, mich von all den interessanten Werken loszueisen und vertiefe mich in den Briefwechsel von Jane Austen mit ihrer Tante Cassandra, anhand dessen wie ich lesen kann seit Jahrzehnten Biographen versuchen, Jane Austens alltägliches Leben nachzuempfinden. Im Grunde sieht es so aus, dass diese Art des Briefwechsels, der sich über einen Zeitraum von fast 30 Jahren erstreckt, auch eine wichtige Form der Nachrichtenübermittlung beinhaltete, da es durchaus üblich war, dass nicht nur der Adressat selbst sondern auch die restlichen Familienmitglieder oder teils auch Gäste die Briefe selbst zum lesen oder diese Laut vorgelesen wurden. Das mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb Jane Austen vor ihrem Tod große Teile des Briefwechsels verbrannt hat, bevor sie die Überreste ihrer Nichte übergab.
Ich muss mich zwingen, mit dem Lesen noch weiterer Bücher z.B. von Oscar Wilde, dessen Ausdrucksweise im Original wirklich bezwingend ist, aufzuhören und doch wenigstens einen Kaffee in der Sonne zu trinken. Und so gehen David, der sich ebenfalls kaum losreißen kann, und ich nach unten ins Café und bestellen uns ein Stück Kuchen zum Kaffee dazu und setzen uns in den Hof, denn dort ist am meisten Sonne.
Als wir den CookBookShop verlassen und eigentlich loswollen,entdecken wir direkt nebenan eine Art Galerie mit schönen großen Fenstern, die uns beide neugierig macht. Als wir eintreten, habe ich ein Gefühl von Weite und Durchatmen einer Frühlingsbrise gleich und finde es fabelhaft dort.
Es gibt Vitrinen mit Silberschmuck, Filztaschen, Bilder an den Wänden und vier freundliche Damen um die Fünfzig begrüßen uns. Wir sehen uns alles an und als ich frage, ob ich einige Fotos machen dürfte, heißt es erst ja und dann aber bestimmte Dinge doch nicht, weil sie fürchten, ich würde was kopieren wollen und ich erkläre ihnen, dass ich einen Blog schreiben würde und so reichen sie mir gleich eine Visitenkarte. Es ist eine Kooperative von 16 Künstlerinnen aus der Gegend um Penzance und St. Just, die dieses Atelier mit Geschäft zusammen eröffnet haben. Zwei der Frauen ziehen los, um ihre Hunde auszuführen und David kommt mit der dritten Dame an der Kasse ins Gespräch über Masken aus Venedig, wie ich am Rande mitbekomme, während ich mich mit der filzenden Künstlerin über das Leben hier unten unterhalte. Sie sei mit ihrem Mann erst letzten Juli nach Penzance gezogen und sie hätten hier so viele Freunde jetzt und die Leute seien so nett und hilfsbereit. Das erlebe ich auch selbst, dennoch bin ich etwas argwöhnisch, ob es sich dann wirklich um Freunde oder eher gute Bekannte handelt.
Inzwischen ist es schon nach 15h und eigentlich ist es zu kurz für einen Besuch in des Minenmuseums und das Wetter ist zu schön. Und David ist einverstanden, dass wir nachdem wir noch einen Rundgang durchs Dorf machen und das Amphitheater durchqueren und es für einen kleinen Park halten und in der Touristeninformation neben dem Parkplatz noch ein paar Flyer mitnehmen bevor wie wieder losfahren.

Im Haus angekommen, spielt mir David wie versprochen ein paar Titel der Sängerin Nerina Pallot, die am Abend im Minack theatre auftreten wird und für deren Konzert er bereits eine Karte hätte. Obwohl ich die Musik zunächst als etwas durchschnittlich empfinde, ist da doch das eine oder andere Stück dabei, das mir gut gefällt wie etwa Idaho . Und am Abend und obwohl ich total erschöpft bin und mich wieder einmal zerrissen fühle und denke, ich sollte besser zu Bett gehen oder mich ausruhen, fahre ich David kurzerhand hinterher und treffe ihn unterwegs und nehm ihn mit bis oben zum Minack, dass eigentlich fussläufig sehr gut erreichbar ist, doch da ich schon so spät dran bin…..
Es gibt noch Tickets und er trifft dort eine Bekannte vom Vorabend, die schon einen Platz für ihnen freigehalten hat und mit einigen anderen dort verabredet ist.
Ein unglaublicher Ausblick eröffnet sich mir mit diesem in die Felsen gebauten Amphitheater und dem Blick aufs Meer. es geht allerdings so steil nach unten, dass mir ziemlich mulmig wird beim Abstieg, denn die Plätze werden hier im Aufrückverfahren zugewiesen

Es ist nicht wirklich genug Platz für uns alle, also entschließe ich mich, weiter oben am Rand zu sitzen, so dass ich freie Sicht aufs Meer habe und auf die Bühne. Es geht ziemlich steil nach unten und das bereitet mir ein wenig Schwindelgefühle und so fühle ich mich an meinem Panoramaplatz ganz wunderbar. Ich habe alle warmen Jacken mit und Kissen, weil man dort auf grasbewachsenen Treppen sitzt und der Wind am Abend am Meer einfach sehr kalt werden kann.
Und dann geht es auch schon los und Nerina Pallot kommt im dunkelroten Samtrock und grauen Highheels auf die Bühne, das Meer im Rücken. Sie macht einen äußerst bodenständigen Eindruck und spricht, als wären wir alte Bekannte und dann spielt und singt sie los und es ist ein solcher Genuss , denn sie spielt nicht nur sehr gut Gitarre und Keyboard sondern hat darüberhinaus eine wirklich hervorragende Stimme und ich bin so froh, dass ich doch ins Minack gegangen bin.
Nach ein paar Songs entdecke ich auf den Klippen unterhalb der Bühne einen Mann in Bermudas und barfuß, wie er sich dort hinsetzt und lauscht. Da ruft auch schon bald eine Besucherin : Nerina, da sitzt ein Fan auf den Klippen, der offensichtlich keine Lust hat zu zahlen. Und sie ruft dem Mann zu, er solle hochkommen und auch seine 17,50£ bezahlen wie wir alle. Und dann geht Nerina selbst nachsehen und winkt ihm ebenfalls zu und lädt ihn ein, nach oben zu kommen. Nach einigem Hin und Her klettert er nach oben und wird von einem der Angestellten vom Minack hereingelassen. Sie begrüßt ihn freundlich und stellt uns den halbnackten Kerl als Paul vor und er umarmt sie, als wären sie alte Bekannte. Und dann soll er sich einen Platz suchen und dem Konzert beiwohnen und er setzt sich direkt neben mich. Wieder so ein Zufall, denke ich, egal wo ich hingehe, es passiert immer etwas besonderes. Und so sage ich zu ihm, er sei ganz schön mutig gewesen und erfahre, dass er ein kleines Baby zuhause hat und daher nur auf einen Sprung vorbeikommen, ein paar Lieder hören und dann wieder zu seiner Frau zurückfahren wollte. Und er spricht einen schwer verständlichen Akzent und er sagt, er kommt aus Liverpool und lebt aber schon eine Weile in Penzance und das alles ist irgendwie aberwitzig und freundlich. In der Pause kommt David nach oben zu mir, um sich zu erkundigen, ob es mir gefällt und dass jetzt noch ein Platz bei ihnen freigewordenen wäre und dann kommt noch seine Bekannte und der Dialog wiederholt sich irgendwie und ich lehne erneut dankend ab, denn ich fühle mich hier oben mit Paul ganz wohl. Es ist etwas kalt und eigentlich könnte ich noch eine Mütze und Handschuhe gebrauchen. Die anderen Leute haben noch Decken mit und Wein und ich hab mir Tee mitgenommen und bin ganz froh drüber und sitze da mit meinem Winteranorak und meiner Fleecejacke über den Beinen und zwei Kissen unter mir und friere trotzdem ein bisschen.
Und nach der Pause plaudern Paul und ich immer mal ein bisschen, weil ich ihn sehe barfuß in seinen Shorts und im TShirt und ihn frage, ob ihm nicht kalt sei, und die Frau, die zwei Reihen unter mir sitzt mit ihrem kleinen Sohn und offensichtlich ihrer Mutter,sieht mich aus unverschämt schönen braunen Augen an und sagt lakonisch, die Leute von der Küste laufen selbst im Winter im Bikini und in Badehose herum, und Paul pflichtet ihr bei, dass er noch nicht mal einen Mantel zu besitzen glaubt.
Das Konzert geht noch eine Weile weiter, aber Nerina kündigt schon an, dass ihr so kalt sei, dass sie leider nicht mehr lange spielen könnte.Da kommt eine Frau nach oben zu Paul und drückt ihm ein paar Pulswärmer in die Hand und bittet ihn, diese zu Nerina zu bringen. Er springt auch sofort auf und läuft nach unten und sie sieht ihn und sagt, ‚ach Paul, da bist du ja wieder‘ . Er übergibt ihr die Pulswärmer, sagt er wüsste nicht, von wem aber eine Frau hätte sie ihm eben gegeben.Und sie ist begeistert und ruft übers Mikrofon ihrem Mann zu, dass es mal an der Zeit wäre, dass er auch Berge hinaufklettert, um sie zu hören und ihr Handschuh bringt und dann bedankt sie sich bei Paul und der Frau im Publikum. Dann singt sie noch ein paar Lieder und schafft es den Abend über tatsächlich das Gefühl zu erwecken, als säßen wir alle wie ein paar Freunde zusammen und würden ein bisschen Musik machen. Paul und ich tauschen noch ein paar Meinungen aus und er sagt, er möchte den Blog sehen, den ich schreibe und ob ihn. Ich auf Facebook kontaktieren könnte und wir verabschieden uns und ich freue mich über den erfüllten Abend.
Als ich nach Hause zurückkehre – David verschwand noch backstage – sitzen da Wayne und seine Tochter Bracken, die am Folgetag mit Freunden aus Falmouth dem Konzert der Coverband von Fleetwood Mac called Fleetwood Bac im Minack beiwohnen werden. Es ist leider schon ausverkauft , sonst würde ich auch hingehen. Es kommt noch das Studentenpaar aus Plymouth, das schon bei meiner Ankunft hier war am nächsten Tag und andere Freunde und das Haus ist voll und ich ziehe mich ins Bett zurück und denke, das kann alles sehr lustig werden.

St.Just Parish Church

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Makers Emporium

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The Minack Theatre
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Nerina Pallot

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Paul Bridgewater, the Climbing Fan

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15. Mai The Last Journey Silversmith and St. Ives

Am Morgen sind alle schon ausgeflogen, als ich mir Frühstück mache, doch Sam kommt kurz zurück, da sie etwas vergessen hat. Wir begrüßen uns und dann nimmt Sam ihre gekochten Eier und tritt an mich heran und sagt: Patricia, könntest Du bitte versuchen, heute zu Tiffany nicht grob zu sein? Und ich frage, ob es Tiffany nicht gut ginge oder ob etwas passiert sei und sie erklärt, nein es ginge nur darum, dass Tiffany sie heute morgen aufgeregt angesprochen hätte, ob sie (Sam) mir alles richtig erklärt habe und dass ich nicht sofort ausziehen müsste und dass es doch nur darum ginge, dass ich den ganzen Sommer über dort bliebe. Und ich sage, dass ich mir auch Gedanken gemacht hätte, ob ich vielleicht am Vortag zu scharf gewesen sei und wir redeten und mir kommen mal wieder die Tränen – sonst bin ich ja nicht so nahe am Wasser gebaut, doch das große Weinen begann ja schon vor einem Jahr in meinem Urlaub an Belgiens Küste, als Zoras Gesundheitszustand sich zusehends verschlechterte , und mich schmerzlich die Erkenntnis traf, dass ich wohl nun mehr auf sie denn sie auf mich aufpassen müsste.
Wir reden und ich sage ihr, dass mich das traurig macht, dass ihre Schwester und ich nicht so gut miteinander können aber dass das eben vorkommt und Sam drückt mich mal kurz und sagt, es wäre doch schade, wenn ich jetzt einfach fahre, weil ich doch bisher eine gute Zeit dort hatte und das stimmt.
Ich schlage vor, sie solle doch besser mit Tiffany sprechen. Sam hatte ihr wohl auch schon meine zur Zeit schwierige Situation erklärt und richtig erkannt und weitergegeben, dass diese Information vom Vortag einfach ein Tröpfchen zu viel war für mich. Nicht dass mir das nicht ähnlich sähe, dass ich vielleicht eine kleine Spitze werfe, wenn ich eigentlich zutiefst verletzt bin, doch ich hatte nach wie vor das Gefühl, dass am Vortag nicht wirklich mit offenen Karten gespielt worden war.Und da ich oft ein Gespür für die verborgenen Dinge habe, die Menschen nicht gern preisgeben, blieb ich innerlich dabei. Es wäre für mich völlig ok gewesen, wenn sie es wegen des Geldes lieber an Airbnb Gäste vermieten; ganz ehrlich könnten sie, wenn sie es für die Restaurierung und Reparatur des Hauses nutzen würden, Hunderte von Gästen gut gebrauchen. Doch selbst wenn sie es für etwas anderes verwendeten, wäre es mir egal.
Es geht mir nur um Ehrlichkeit und dass es nicht so ein Gefühl des hinterm Rücken ist, doch es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, so offen wie ich zu sein, auch das habe ich inzwischen begriffen, wenngleich ich oft nicht nachvollziehen kann, weshalb anderen Menschen ihre ursprünglichen Motivationen nicht so klar sind wie ich es selbst oft bei mir erkennen kann. So wie ich gestern schon dachte, hoffentlich ist es kein Stellvertreterdrama, das ich innerlich und irgendwie dann auch ein bißchen im Außen austrage und so dann eben auf meiner Pilgerstrecke -so nenne ich das manchmal bei mir, wenn ich die Trauer ablaufe – meine innersten Bewegungen nach außen tragen konnte .
Als Sam das Haus verließ, muss ich trotzdem laut auflachen bei der Erinnerung, dass sie mich bittet, zu ihrer Schwester nicht grob zu sein – ich fand, ich hatte auch so eine Schwester verdient, die Tiffany sagt, dass sie etwas netter sein sollte.

Ich mache ich also auf den Weg zu Chris, denn heute ist der große Tag: ein kleiner Teil Zoras Asche soll in den Ring gefüllt werden. Wie aufregend! Ich halte eine Art Zwiesprache mit ihr und ich glaube, sie ist mal wieder recht entspannt und denkt sich, was diese ganze Angelegenheit wohl soll, doch sie fühlt sich wohl, habe ich das Gefühl als wir auf dem Weg sind.
Auch als ich sie bei Chris auf den Tisch stelle, habe ich ein gutes Gefühl und finde alles stimmig. Ich erzähle ein wenig von den kleinen Differenzen und meiner Bewerbung und Chris bietet mir sofort ihr kleines Cottage um selben Preis an wie ich mein Zimmer hier gemietet habe. Wie lieb und ich muss sie umarmen. Natürlich sehe ich auch, dass es zur Zeit eh nicht vermietet ist und dass die Lage strategisch ungünstig ist, um beispielsweise durchfahrende Urlauber anzuziehen. Aber ich weiss auch, dass sie es nicht wirklich nötig haben, dass sie gut versorgt sind. Und ich bin sehr dankbar für das freibleibende Angebot.
Wir machen uns an den Ring; dieser ist wunderschön aber sehr wuchtig geworden und leider auch zu groß. Doch das ist wirklich meine Schuld, denn ich habe sie überredet, ihn größer zu machen, nachdem ich den „Rohentwurf“ anprobiert hatte. Und so muss sie ihn aufsägen und ihn kleiner machen. Ich entschuldige mich, sie entschuldigt sich. Sie zeigt mir noch das Cottage und sagte, dass sie es noch putzen müsste und ich lehne das dankend ab und es geht eine Weile hin und her, bis ich sie überzeugt habe, dass ich es lieber selbst putzen würde, weil mich das immer gedanklich etwas befreit. Und sie überlässt es mir, ob ich dort einziehe oder nicht. ich finde das alles sehr großzügig und bedanke mich abermals und mach mich auf den Weg zum Poetry Slam nach St. Ives und versprechen gegen 18h wiederzukommen und die Ringfüllung mit ihr zusammen zu machen.

Auf dem Weg nach St.Ives nehme ich einen Umweg über St.Just, einem Anfang des 19. Jh den seinerzeit umliegenden Bergbauminen als Ballungszentrum dienenden Ort etwas oberhalb von Lands End und mehr oder weniger auf gleicher Höhe mit Cape Cornwall, das früher als westlichster Punkt auf der Landkarte galt und das einzige Kap, an dem zwei Ozeane aufeinandertreffen.
Es ist ein schöner kleiner Ort und ich fahre nur einmal kurz durch und beschließe, mir dafür mehr Zeit zu nehmen und an einem anderen Tag wiederzukommen. Die Strecke nach St. Ives führt an der Küste entlang und ich komme an alten Minen vorbei. Mir wird klar, dass ich die kürzere Strecke nehmen muss über Penzance, da ich es ansonsten keinesfalls zum Poetry Slam schaffen werde und so biege ich ab und bin etwa 20 Minuten später auf einem Parkplatz in St. Ives, der mir entsetzlich weit vom Geschehen weg erscheint. Und so frage ich ein Ehepaar, das gerade ins Auto steigt und einen Plan in Händen hält, ob sie wüssten, wo das Norwegerviertel sei. Sie wissen es nicht genau aber vermuten, es sei auf der anderen Seite in der Nähe von der Tate St.Ives. Und ich müsste den Hügel runter und wieder hinauf und ich könnte aber auch einen der Busse nehmen. Das erscheint mir alles zu knapp in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und so frage ich zwei junge Männer nach einem Parkplatz näher am Zentrum und sie empfehlen mir die Trainstation und ich erinnere mich, dass ich vor zwei Tagen , als ich mit der Küsteneisenbahn gekommen bin über einen großen Parkplatz gelaufen bin.Ich bedanke mich und fahre wieder los in Richtung Town Centre und entdecke dort auch gleich einen versteckten Parkplatz und finde tatsächlich auch noch einen freien Platz. Das Wetter ist traumhaft und so eilen Menschenmengen in das Künstlerparadies und die Parkplätze sind an den bekannten Plätzen regelrecht überlastet, dafür an anderen Stellen vergleichsweise leer.
Es braucht eine Weile, bis ich jemanden finde, der mir wirklich den richtigen Weg weisen kann. Doch dann nach dem dritten Anlauf beim Visitor’s shop der Tates Gallery St.Ives finde ich endlich den Norway Square und auch die Poeten vor Ort Ort. Es ist ein lauschiger kleiner Platz zwischen den Häusern, im Rücken finde ich die St.Ives School of Painting und vor mir eine Gallery, die Artists United of St. Ives oder ähnliches. In der Mitte also ein kleiner quadratischer Platz von kleinen Bäumen und Blumenkästen umsäumt und dort stehen einige Reihen mit Stühlen und ich sehe eine Frau mit langen grauen Haaren, einem weiten orangefarbenen Hemd d sie wirkt ein wenig wie jemand aus der Studentenbewegung aus den 1968ern. Das ist mir sympathisch, denn bis auf die Touristen, die ich an dem Staunen vor den Schaufenstern und in den Gassen zu erkennen meine oder weil sie wie ich eine Kamera um den Hals tragen, sind hier eigentlich die meisten sehr lässig gekleidet – eine Künstlerstädtchen eben.
Da sehe ich auch Bob Devereaux, den Veranstalter des jährlichen Literaturfestivals in St. Ives. Ich traf ihn schon vor zwei Tagen im St.Ives Arts Club und er rezitierte mir einige seiner Kunstwerke und erklärte mir deren Hintergründe. Er ist so voller Freude und Stolz auf dieses kleine Festival, das er mich im Vorbeigehen gar nicht bemerkt, doch das ist nicht schlimm. Er hatte mir vorgestern schon so viel über St.Ives und die Geschichte der Künstler erzählt und das war sehr sehr spannend – doch das krieg ich nicht mehr alles zusammen., denn es führte bis Ende des 19. Jh zurück und dauerte mindestens zwei Stunden.
Die Autoren scheinen sich aus Amateuren und bekannteren Dichtern und Autoren zusammenzusetzen. Es ist ein wahrer Genuss, manchen zu lauschen, die Betonung im Englischen ist irgendwie ähnlich doch auch wieder ganz anders. Man könnte sagen, es ist als zögen sie ihrer Intonation mit weichen Bleistiften klare Linien und auch Kurven, doch alles wirkt glasklar und dennoch zart und berührend.
Das Gedicht einer blonden Frau weit in ihren Fünfzigern berührt mich besonders. Sie beginnt damit, dass es eine wahre Geschichte ist und dann spricht sie von der Bucht in Sennen, über der ich letzte Woche auch gesessen und bitterlich um Zora weinte, und sie erzählt vom Meer und von den Wellen und der Kraft und wie sich sich hineinstürzt und taucht und wie plötzlich die Delfine um sie herum schwimmen und tanzen, als hörten sie Musik, die sie nicht wahrnehmen kann. Und wie sie das erzählt und in Worte kleidet, ist so wunderschön, das ich eine Gänsehaut bekomme.
Zwischen den Dichtern spielt immer jemand Gitarre und singt oder ein Duo tritt nach vorne, das Klarinette und Ukulele spielt und singt. Es ist alles sehr entspannt, sehr freundlich und wohlwollend und die Sonne scheint dazu. Ich fühle mich wohl und bin erneut dankbar, dabei sein zu können.

Die kleine Veranstaltung neigt sich schon etwas dem Ende zu, als ich das Bedürfnis verspüre, mir die St.Ives School of Painting genauer anzusehen. Ich gehe hinein und sehe, dass sie eine kleine Stelle offen haben und dass sie Leute suchen für geführte Touren durch St.Ives. Da ist ein kleines Büro und ich gehe einfach durch die Tür daneben und nach oben zu den Ateliers, wie ich herausfinde. Schon immer hab ich es genossen, in Ateliers herumzustöbern, einfach den Geruch der Kreativität und Weite wahrzunehmen, der Farben und das Licht in den Räumen aufzusaugen. Wie oft habe ich mir gewünscht, malen zu können und habe mich nie getraut. Erst vor gut dreieinhalb Jahren führten mich günstige Umstände zu der Entdeckung, dass das Arbeiten mit Farben viel ursprünglicher, näher an den Gefühlen dran als viele meiner Worte, mithilfe derer ich seit meinem 13. Lebensjahr immer wieder versucht hatte, Bilder mit Worten zu malen.
Was ich mache, würde ich jedoch nicht malen nennen, sondern eher experimentieren mit Farben und das mache ich eher selten, doch es bringt mich stets zu einer tiefen inneren Ruhe.
Ich hatte großes Glück, eine befreundete Grafikerin zu treffen, die mich darin bestärkt und mich sehr unterstützt hat d mich mit Farben und Pinseln,Leinwänden,Papier, Kartons – kurz sämtlichen Utensilien ausgestattet hat, die man dafür so braucht, um sich mal auszuprobieren.

Das Atelier zu meiner Rechten ist leer und ich trau mich nicht wirklich, es in Ruhe zu inspizieren. Es ist ein mittelgroßer Raum ganz in weiss und mit Fenstern, die einen unmittelbaren Blick aufs Meer gewähren. Wieder so ein Moment, in dem ich das Gefühl habe, Generationen von Malern in diesem Raum zu spüren, die von dieser Aussicht inspiriert worden sind.

Zu meiner Linken findet sich ein Atelier mit ein paar Leuten darin, die an Leinwänden oder an Tischen konzentriert und in Stille arbeiten und ich möchte mich am liebsten dazu setzen und auch mit Farben etwas machen, mich ausdrücken, genießen und zur Ruhe kommen. Doch es ist ein Kurs, wie mir eine dr Anwesenden mit starkem deutschen Akzent auf englisch erklärt und ich könnte unten im Büro mal nachfragen. Einige Momente später tue ich genau das und die Lady im Office erklärt mir, dass man als Kursteilnehmer alles nutzen darf und dass am Montag ein Kurs startet, der irgendwie draußen stattfindet und experimentiert in der Natur und als ich sage, ich wüsste nicht, ob ich mir das zutraue, ermuntert sie mich. Die Kurse scheinen mir mit mindestens 240£ nicht preiswert zu sein, andererseits habe ich keinen wirklichen Vergleich und wenn ich an die Materialkosten denke und an das Honorar für den Lehrer ist es vielleicht doch nicht so viel. Ich rechne die Preise häufig in Übernachtungen um und überlege, bevor ich das Geld ausgebe, wie viele Übernachtungen ich damit vergeuden könnte, die ich lieber hier verbringen würde. Darüberhinaus hängt es natürlich sehr vom Wetter ab, doch es ließe sich wohl nötigenfalls auch spontan einrichten, soweit ich es richtig verstehe.
Ich verlasse die St.Ives School und gehe nochmal über die kleine Straße zum Norway Square, wo eine andere sympathische Frau gerade ihr Gedicht vorträgt. Das macht sie ganz wunderbar und sie ist so aufgeregt, dass das Papier in ihren Händen mit ihnen gemeinsam zittert und das rührt mich so sehr, dass ich mich kaum auf das gesprochene Wort konzentrieren kann. Sie bekommt einen ebenfalls wohlwollenden Applaus und Bob lädt noch einmal zum anschließenden Cafe auf der anderen Seite im Arts Club ein. Doch ich bekomme Hunger und so mache ich mich auf den Weg in Richtung town centre und halte Ausschau nach Leckereien.
Ich finde mein Feinkostgeschäft von vergangener Woche wieder und so kaufe ich dort wieder das letzte Vollkornbrot und nehme noch ein Stück Walnusskuchen dazu. Weiter unten am Strand tummeln sich die Touristen, sitzen in Cafes und da low tide (Ebbe) ist, kann man wunderbar am Strand entlang laufen und sich die vorübergehend gestrandeten Boote ansehen.

Die Sonne scheint, es ist herrlich warm und einige Menschen liegen am Strand, lesen, plaudern oder sonnen sich und scheinen infolge der leichten erfrischen Meeresbrise nicht zu bemerken, dass ihre Haut schon stark gerötet ist von der Sonne. Ich entferne mich weiter vom Trubel der umliegenden Cafes und klettere an einer Leiter über die Brücke und gehe auf die andere Seite, wo es zwar etwas windiger, dafür jedoch menschenleerer ist. Das herrliche klare blaugrüne Wasser lädt mich ein, meine Füße darin zu baden und so ziehe ich meine Schuhe aus und kremple die Hosenbeine hoch und geh schnurstracks ins kalte Wasser bis zu den Knien. Die Sonne meint es so gut, da ist es egal, dass die Jeans trotzdem nass wird und ich suche mir ein stilleres geschützteres Plätzchen und lege mich auf meine Weste und meinen Rucksack und genieße das Treiben der Wellen und des leichten Windes und falle in einen leichten Dämmerschlaf, so gleichmäßig und beruhigend sind all diese Geräusche für mich. Ich erinnere mich an die Ostsee mit Zora und Kathrin und wie mich jedesmal als erstes hingelegt und diese tiefe Entspannung gespürt habe und gleichsam in einen Dämmerschlaf versank, während Zora und Kathrin spielten. Und ich bin ein bißchen traurig wegen Zora, ein Mann ist gleich neben mir mit seinen Hunden am Strand und spielt mit ihnen und sie kläffen. Ich blinzle mit den Augen, um sie zu sehen und freue mich an dem Spaß, den sie haben, ins Wasser zu springen und Phantomsteinen nachzujagen.
Ich mache die Augen wieder zu und lausche dem immer näher kommendem Wasser und erkenne, dass mein Pläuschchen am Wasser gleich beendet ist, wenn ich nicht nass werden möchte. Ich erinnere mich, wie ich einmal nach Hamburg fuhr und mit Zora direkt an die Elbe ging und mich dort ebenfalls hinlegte in den Sand und Zora spielte und ich tatsächlich einschlief und erst von den Wellen, die nach und nach zurückkamen und mich umspülten geweckt wurde.

ich gehe nochmal durch town centre und besorge ein paar Kleinigkeiten und sehe die fortgeschrittene Zeit und eile zurück zum Auto. Das Parkticket ist schon abgelaufen und ich habe noch einen Besichtigungstermin für ein möbliertes Zimmer für den Fall, dass ich tatsächlich länger hierbleiben könnte.

ich habe nur eine Postleitzahl und nur den Namen von dem Cottage, das sie bewohnen.Jen und ihr Mann leben in Hendra Cottage in einer Art Wohnpark in der Nähe von Penzance aber es ist etwas anders als wir es in Deutschland kennen. Man stelle sich ein von bepflanzten Mauern umwachsenes Gelände vor, das eigentlich den Eindruck macht, als würde man die Zufahrt zu einem herrschaftlichen Landsitz hinauffahren. Vielleicht war es das früher auch einmal so. Vereinzelt stehen umsäumt von riesigen alten Bäumen und Wiesen mit Langgras alte stone cottages, das sind diese typischen alten englischen Häuser, die aus riesigen Steinen gebaut wurden, die aussehen,als wären sie mit Stroh vermengt. Nach etwa 100 Metern finde ich Hendra Cottage und sehe Jen und ihren Mann imm Garten werkeln. Ein nettes Ehepaar in ihren Fünfzigern, wir begrüßen uns und sie zeigt mir das Haus. Es ist alles sehr eng und im Vergleich zu meinem Standort in Porthcurno eher eng und das Zimmer, das sie mir zeigt, ist freundlich und hat jeweils ein Fenster an der linken Wand und gegenüber vom Bett auch noch eines. Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt von dem alten Haus und dass sie aus der Nähe von London kommen und nachdem ihre Kinder erwachsen waren und sie neu geheiratet hat, sie hier aufs Land gezogen sind und dass sie nichts vermisst. Es ist sehr abgelegen und sehr ruhig hier und ihr Schlafzimmer ist gleich nebenan und das kleine Bad auf der anderen Seite. Wir sprechen über die Feuchtigkeit hier in der Nähe des Meeres und dass leider auch ihr Haus ein wenig betroffen wäre und ja tatsächlich, gleich neben dem Fenster die Wand sieht ziemlich mitgenommen aus. Schade, denke ich, doch so wohne ich ja gerade schon, mit sehr viel Feuchtigkeit und Schimmel und wir sind nicht mal einen Kilometer vom Meer entfernt.
Wir reden noch eine Weile und ich erkläre, dass ich abwarten müsste, wie sich das Telegraph Museum entscheidet und mich dann sofort bei ihr melden würde. Ihr Mann erklärt noch etwas von einer Anzahlung, sollten sie das Zimmer für mich bereithalten und sie sagt, das wäre nicht nötig und er möchte aber darauf bestehen. Und als ich mich bedanke und mich freundlich verabschiede und ins Auto steige, denke ich, ich müsste ihnen gleich am nächsten Tag schreiben, dass es mit dem Museumsjob nicht klappt, denn so wie die Räume dort aufgeteilt sind, ist es mir schlichtweg zu eng beieinander.

Ich fahre nach Porthcurno entschlossen, meine Sachen abzuholen und ins kleine Cottage bei Chris zu ziehen. Doch als ich hier ankomme, kommt Tiffany nach unten und strahlt mich an mit der Unschuld eines kleinen Mädchens und ist so bemüht, freundlich zu sein und fragt, ob ich einen guten Tag hatte und dass ich Glück hätte mit dem Wetter. Und ich lege die Sachen aus dem Kühlschrank zurück, als sie die Küche verlassen hat, weil ich mich ganz schrecklich fühle bei dem Gedanken, diese freundlichen Bemühungen abzulehnen. Ich sehe, dass sie alles geputzt hat und fahre mit hängenden Schultern und mich zwischen den Stühlen fühlend zu Chris. Leider treffe ich sie nicht an und so warte ich eine Weile , gehe ins Cottage, das sie doch für mich vorbereitet hat und wo Zoras Asche bereits am Nachttisch auf mich wartet.Ich fühle mich beschämt und warte im Auto auf Chris, die nach etwa 20 Minuten mit dem Auto von wo immer zurückkehrt. Wir sprechen eine Weile und sie erklärt, ich solle mir wegen ihnen keinen weiteren Gedanken machen, ich könnte jederzeit kommen und dort einziehen. Alles gar kein Problem und sie sagt, sie hätte den Ring nicht weiter bearbeitet, ob es mir etwas ausmachen würde, am Samstag wiederzukommen und sie ist so freundlich und wir verabschieden uns und verbleiben wie besprochen.

Als ich zurückkomme zum Bodellan Farmhouse – das ist das Haus, in dem ich wohne – ist niemand da, es liegt ein Zettel auf dem Tisch ‚David and Tiffany at the Minack‘ und ich mache mir etwas zu essen und dann kommt Sam und ich erzähle noch von der Begegnung mit Tiffany und dass ich eigentlich fahren wollte, aber dass sie so freundlich gewesen sei. Und Sam lacht, als ich ihr das erzähle, aber sie findet es gut, dass ich nicht weg bin und so geh ich ins Bett, denn es ist schon fast 22.30 h und ich bin so erschlagen von dem Tag und den Ereignissen, dass ich tief und fest einschlafe.

So sieht hier eine Möbellieferung aus in den engen Gassen

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Ein weiterer aufmerksamer Besucher des Norway Square

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Bob Devereaux
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St.Ives Arts Club
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Wartende Piratin vor dem Cafe
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