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24. Mai The Last Journey Long way home

Und wieder wache ich nach einer sehr kurzen Nacht gerädert auf. Nach dem Aufstehen geht es meist etwas besser, dann kann ich die schweren Gedanken, die mir jetzt täglich noch stärker seit dem Beginn meiner Rückreise als erstes in den Sinn kommen, besser verdrängen.
Leise geh ich ins Bad und dusche als erstes und versuche Dominique nicht zu wecken, der mich bat, ihm in jedem Fall goodbye zu sagen, bevor ich fahre.
Am Abend zuvor hatte ich gottseidank schon alles vorbereitet an Verpflegung für die Fahrt und ich bin froh darum und auch dass Dominique noch schläft,da ich morgens auch immer eine Weile brauche, um richtig in die Gänge zu kommen und jede weitere Person meine Aufmerksamkeit unweigerlich von mir abzieht und ich stets fahrig werde. Kaum hab ich meinen Tee aufgegossen, höre ich ihn doch von oben herunterkommen und dann steht er ein freundliches ‚Good Morning‘ ausstoßend in Unterwäsche in der Küche. So distanzlos wie am gestrigen Morgen und als seien wir alte Freunde. Ich bin ganz offen für einen lockeren Umgang, doch frage ich mich jedesmal, wieso gerade Männer in meiner Gegenwart stets so ein Kumpelverhalten an den Tag legen, auch wenn sie mich wenig kennen.
Natürlich verliere ich meine Konzentration,weil ich mich mit ihm unterhalte und dann hektisch werde, weil ich vor 9.30h im Auto sitzen möchte – an Samstagen wird erst etwas später bestraft,wer falsch parkt.
Draußen regnet es in Strömen und Dominique sagt, das sei immer so in London, daher seien hier so viele Menschen depressiv,weil ihnen das Wetter so zu schaffen macht.
Schließlich ist es so weit und ich muss mich jetzt doch ein wenig beeilen und Dominique kommt zwar – inzwischen etwas bekleideter- mit bis an die Haustür unten doch drückt mir dann alles in die Hand ohne mir wenigstens die Vorgartentür zu öffnen, ganz offensichtlich weil er nicht nass werden möchte. Ich gebe ihm ein herzliches Dankeschön und eine flüchtige Tangoverabschiedung, die der üblichen französischen übrigens sehr ähnelt – bisou bisou gehaucht neben die die rechte und die linke Wange und geh zum Wagen, der gleich gegenüber parkt. Ich bin noch am Einladen, als Dominique mich in der Haustür stehend ruft und mir meine Tangokleidung auf meinem mitgebrachten Bügel entgegenwedelt. Mon dieu, beinahe hätte ich diese am Schrank vergessen, wo ich sie am Abend zuvor angehängt hatte.
Dann geht es wirklich los und ich habe wieder das Gefühl, es dauert Stunden, bis ich die Stadt hinter mir lassen kann.Ich muss einen großen Bogen fahren mit allen anderen, die von auswärts kommen, denn im inneren Kreis befindet sich Central London und das ist die sogenannte ‚charging zone‘, die mit Kamera überwacht wird und die mir fehlende Gebührenplakette einscannt beim Durchfahren der Stadt. Nachdem ich dann wirklich beinahe alle Umfahrungen hinter mir gelassen habe, entdecke ich unter dem Warnschild ‚charging zone‘ eine Beschränkung auf Montag-Freitag und bin nicht sicher, ob ich mich jetzt ärgern soll, weil ich womöglich doch mitten durch die Stadt hätte fahren können – auch ohne Strafzettel.
Schließlich erreiche ich endlich die Schnellstraße und dann eine Autobahn und dann geht es etwas schneller in Richtung Dover, das eigentlich nur gut 120km entfernt liegt, doch durch den Verkehr und die weite Ausdehnung Londons doch wesentlich aufwändiger und zeitintensiver zu erreichen ist als man es zunächst erwarten kann.
Auf der Autobahn höre ich wie beinahe die ganze Zeit in England BBC 2 und die alten Hits aus meiner Kindheit und Jugend begleiten mich wieder auf meiner inzwischen sich wieder sehr einsam anfühlenden Rückreise. Immer wieder sehe ich in Abständen einiger Kilometer eine Leuchtanzeige mit dem Hinweis auf ‚congestion after exit A236 und ich werde etwas unruhig, weil das womöglich auf meiner Strecke liegt. Auf einer der letzten Raststätten halte ich an und versuche herauszufinden,was es damit auf sich hat. Ich höre am Rande noch eine Verkehrsdurchsage im Radio mit Hinweis auf einen Stau irgendwo Folkestone/Dover und suche auf dem Parkplatz fieberhaft nach meiner Straßenkarte vom ADAC. Schließlich probiere ich das freie WLAN mit dem Handy aus und finde aber weder die passende Ausfahrt zur Meldung noch etwas auf der Karte und so frage ich den Tankwart, der zwar aus der Gegend um Dover kommt, doch außer dass es keinen anderen Weg zur Fähre gibt als den über die Autobahn, kann er mir nicht weiterhelfen. Also fahre ich weiter auf der Autobahn in der sicheren Annahme, als ich Folkestone passiert habe und die Autobahn jeden Moment endet und mich nach Dover zur Fähre führt, dass alle Stauwarnungen sich erübrigt hätten. Als ich nach Dover komme, sehe ich das Dilemma: Autoschlangen und kein Vorwärtskommen. Ich kann die Fähren schon sehen, es ist 12.15h und der Check In für meine Fähre ist um 13.00h. Fluchend stoße ich Hilfegesuche ins Universum aus und versichere, dass ich wirklich diese Fähre bekommen möchte. Ich erinnere mich an die Abfahrt aus Cornwall bei Chris, als mir die rote Kiste mit Zoras Asche aus der Hand auf den Boden krachte doch glücklicherweise heil blieb bis auf eine eingedrückte Ecke. Waren das auch alles Hinweise, lieber nicht nach Hause zu fahren? Doch das war mir jetzt egal, ich wollte die verdammte Fähre jetzt erreichen und abends irgendwo ankommen und meinen Geburtstag zuhause feiern – basta!
Ich schnappe mir also die Fährunterlagen und rufe die Nummer an, die preiswerter sein soll und erkundige mich bei der Dame, was passiert,wenn ich den Stau nicht rechtzeitig hinter mich bringen kann. Und sie bietet mir die spätere Fähre, die ich ja umgebucht hatte, um 16.40h an. Doch sie würde nichts unternehmen bis ich die eigentliche Fähre um 13.30h wirklich nicht geschafft haben sollte.
Stück für Stück geht es im Viertelstundentakt weiter und ich fluche, bin verzweifelt und beruhige mich dann irgendwann, als ich schließlich um 12.56h am Counter einchecken kann und schließlich auf der Fähre bin.
Es ist im Vergleich zur Hinfahrt wesentlich voller: Unzählige deutsche Familien mit schreienden, manchmal quietschenden Kindern, eilen an mir vorbei auf die oberen beiden Decks und ich suche nach einem Platz für mich, an dem ich noch ein wenig schreiben kann und etwas Ruhe finde. Der Fensterplatz neben den Rettungsbooten ist frei und so setze ich mich in einen Clubsessel, hole mir einen Tee und vergeude wiederholt wie bei der Hinfahrt kostbare Minuten mit dem Einloggen ins bordeigene WLAN, das in Anbetracht der inzwischen zunehmend unruhigen und regnerischen Wetterlage immer wieder auszufallen scheint und ärgere mich über dieses unnütze Bemühen. Überhaupt und das ist sicher unschwer zu erkennen, bin ich nicht bester Stimmung-wenngleich meine Fahrt kaum dass ich den östlichen Rand Londons erreicht hatte wieder in einen klaren blauen Himmel mündete und ich von strahlendem Sonnenschein begleitet wurde. Jetzt auf der Fähre war Deutschland wieder ein Stückchen näher gerückt und ich merkte, dass mir allein die Sprache schon Unwohlsein bereitete. Urlaubsblues nennt man das, hatte mir ein Freund noch kurz vor meiner Abreise geschrieben, ja da war etwas dran und ich hoffte, dass es nur bei diesem Blues bleiben würde.
Die französische Küste nähert sich und die Sonne scheint wieder und so eile ich an Deck, um noch einige Fotos zu schießen. Als ich danach zur Treppe nach unten gehe, bemerke ich das erste Mal, wie viele Menschen tatsächlich an Bord sind und habe eine winzige Ahnung, wie es sich auf der Titanic mit diesen Menschenmassen und der ausbrechenden Hysterie angefühlt haben könnte, als diese auf einen Eisberg lief. Natürlich ist mir bewusst, dass diese Fähre dagegen eine kleine Nussschale darstellt und der Vergleich absolut albern scheint, dennoch bin ich überrascht, wie wenig von meinen ursprünglichen klaustrophobischen Ängsten noch übrig geblieben scheinen oder befand ich mich noch immer in Schockstarre?
Ein Ruck und die Menge gerät in Bewegung und Schritt für Schritt kommen wir auf die verschiedenen unteren Decks und zu unseren Autos. Ich bin noch immer froh, den Zuschlag für das schnellere Befahren und Verlassen der Fähre gezahlt zu haben,denn so brauche ich nicht allzu lange warten, bis ich das Schiff verlassen kann. Vor mir steht ein Kombi aus Offenbach, der den Motor bereits anlässt, als die Brücke noch nicht einmal herabgelassen wurde und noch bevor ich aussteigen und ihn ansprechen kann, hat er den Motor wieder abgestellt.
Als ich den Fährhafen hinter mir gelassen habe, fällt es mir viel schwerer, mich wieder an den Rechstverkehr als hinwärts an den Linksverkehr zu gewöhnen und an einigen Stellen muss ich mir des öfteren laut aufsagen, wo ich fahren muss.
Ziemlich schnell erreiche ich dann doch Belgien und Deutschland und da ich keine Mitfahrer habe und auf dem Hinweg nach Cornwall mit der Geschwindigkeitsbeschränkung auf 110kmh so schön wenig Benzin verbraucht habe, beschließe ich, diesen reduzierten Fahrstil weiter beizubehalten. Für einige Kilometer drehe ich den Motor dann doch bis auf 190/20kmh, um die Ventile durchzupusten, doch das ist wahnsinnig anstrengend und ich entschleunige wieder und bleibe bei entspannenden 100-110kmh. Die Übernachtung ist noch nicht ganz geklärt, eigentlich sollte es Bonn werden, da bekam ich kurzfristig eine Absage und dann eine Zusage von der Eiffel, die dann aber doch irgendwie auch nicht das richtige schien, da ich mich tatsächlich nur sehr kurz aufgehalten hätte und man kaum ein Wort hätte wechseln können, um die nötigen alten Themen vom Tisch wischen zu können, also entschied ich mich etwas frustriert fürs Hotel, als mich plötzlich doch noch eine Zusage für Bonn erreichte und ich erleichtert in weiteren 45 Minuten gegen 21.00h meine freundliche Herberge bei einer guten Freundin erreichte. Es war schön, eine Freundin zu treffen und wir hatten uns auch lange nicht gesehen und so plauderten wir noch bis kurz vor Mitternacht auf ihrer Terrasse und gingen dann gelöst zu Bett.
Am Morgen fühle ich mich besser als an den anderen Tagen, was vielleicht daran liegt, dass ich am Vorabend beim Erzählen der letzten Atemzüge von Zora so sehr weinen musste, dass ich womöglich etwas von meiner Schwere loslassen konnte.
Wir frühstücken noch gemeinsam auf der Terrasse und ich versichere abermals, wie schön ich es bei meiner Freundin finde und dann wird es auch schon Zeit für die weitere Reise nach Berlin und so fahre ich gegen 10.30h los und erreiche nach 4 kurzen Pausen und mit allen sich wiederholenden Aufs und Abs gegen 16.30h Berlin. Dort werde ich von der besten Freundin von allen zusammen mit ihrem Freund herzlich in Empfang genommen und bin so erleichtert darüber, dass ich schon vor meiner Ankunft bei der Fahrt durch die Straßen vor Freude weinen muss. Wir setzen uns noch ins Cafe Atlantic bei mir im Haus zu den beiden Betreibern und ich erzähle munter und frei von der Rückfahrt und einigen witzigen Erlebnissen und bin wieder in meiner Rolle als unterhaltsame und witzige Person zuhause, wie es scheint.
Wir tragen noch mein Gepäck gemeinsam nach oben und gehen etwas essen und dann verabschieden wir uns und ich gehe allein zurück in meine Wohnung. Und um der nun drohenden Einsamkeit und dem erneuten Schmerz zu entkommen, flüchte ich ins Auspacken und Aufräumen und Wäsche waschen, ins geschäftige Treiben, das mich stets und ständig am Laufen ja oft eigentlich am Leben hält und falle gegen Mitternacht erschöpft ins Bett.

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23. Mai The Last Journey London calling

Am Morgen erwache ich von erneuten Alpträumen geplagt und von Dominiques Gepolter im benachbarten Badezimmer. Wenige Minuten später klopft er an die Tür und kaum dass ich mich rege, steht er auch schon in der Tür und ich fühl mich alles andere als ansehnlich ohne Morgentoilette.
Dominique, der im Übrigen mit viel Wohlwollen allerhöchstens 1,70m misst , kenne ihn praktisch nicht und da ist es mir zu intim, wenn er mich noch im Schlafkostüm und so direkt nach dem Aufwachen sieht. Dann fragt er mich gut gelaunt, ob ich einen Tee möchte und da ich ein umständliches Frühstücksprocedere vollziehe, umgehe ich mit dem Hinweis, dass ich kurz ins Bad müsste und danach zu ihm in die Küche käme, eine klare Antwort. Zu viele Erklärungen!
Wir treffen uns also in der Küche und nachdem ich meine für andere eher umständlichen Frühstücksgewohnheiten erledigt habe, erinnert mich Dominique, dass ich mein Auto um 9.00h aus der Anwohnerparkzone entfernt haben muss. Er ist heut viel freundlicher als gestern und wieder eher so, wie ich ihn beim Tango kennengelernt habe -eher charmant und französisch. Als ich gestern eintraf, hatte ich buchstäblich das Gefühl, er müsse besonders maskulin auftreten und das hat mich etwas irritiert. Nach meiner Erfahrung lernt man Menschen oft erst richtig in ihrer eigenen Umgebung kennen Bei Dominique ist es nur das Auftreten, die Wohnung zeigt mir im Grunde nur, dass er hier nicht wirklich zuhause ist, denn es fühlt sich leer und kalt an.
Wir plaudern und plaudern und irgendwann erhält er einen Anruf und legt etwas entnervt auf, während er sich über die unterschiedlichen Geschäftsgebaren verschiedener Länder amüsiert. Außer in England würde nirgendwo ein Geschäftspartner so kurzfristig einen Termin absagen. Er erinnert mich an die Uhrzeit und statt dessen ich einfach schnell ungewaschen rausgehe und den Wagen wegfahre, trödel ich noch im Bad herum und komme um fünf Minuten verspätet am Auto an, als ich schon einen uniformierten Mann an meinem Auto stehen und irgendwelche Notizen machen sehe. Ich rufe laut ‚Hello!‘ und nocheinmal ‚Hello‘ , dann hebt er den Kopf. Es ist ein älterer Mann mit Brille, der etwas zerknautscht aussieht und maulfaul scheint, denn er reagiert nicht. Ich sehe die kleine Plastiktüte unter meinem Scheibenwischer und deute auf seine Armbanduhr und frage ihn, wie spät es ist und er schaut drauf und sagt: 9.05h und ich halte ihm die kleine gelbe Tüte entgegen und frage ihn, was das soll, ich wäre nur fünf Minuten zu spät und was ich jetzt damit machen soll und er nimmt mir die Tüte ab und holt einen langen Zettel heraus und ich frage ihn, was ich damit machen soll und ob das wirklich sein Ernst sei. Und er erzählt mir etwas von einer Frist und nuschelt dann etwas in seinen Bart. Als ich den Betrag von 130£ höre, flippe ich aus und werde etwas lauter und frage ihn nochmal, ob das wirklich nötig war und ob das der übliche Umgang mit Touristen sei. Und ihm fällt gar nichts ein und dann sagt er ärgerlich, ‚This is the UK!‘ und ich sitze schon im Auto und fahre den Wagen weg.
Ich fahre im Kreis und finde keinen Parkplatz mit Parkuhr; eigentlich hatte ich vor, schon fertig vorbereitet zu sein und den Wagen nach Plumstead zum Haus meiner Gastgeberin Tricia zu bringen weil dort keine Parkgebühren anfallen und er außerdem sicher steht. Und jetzt der ganze Ärger, weil ich mit Dominique geplaudert habe statt mich vorzubereiten. Am liebsten würde ich sofort meine Sachen packen und abreisen, ich bin ohnehin nicht in Sight-Seeing Laune und meine Stimmung ist einfach mit jedem Kilometer näher an Berlin weiter in den Keller gesunken. Ich fühle mich nicht nur deprimiert und verzweifelt, sondern auch halt- und ziellos. Es ist, als würde ich einer unbekannten Mission folgen und einfach mechanisch alle notwendigen Arbeiten und Details bewältigen, um an das Ziel mit unbekanntem Namen zu gelangen und ohne zu ahnen, was ich dort soll und wohin es mich zieht. Alles scheint mir in den letzten zwei Tagen fremdgesteuert zu sein, ich fühle mich nicht bei mir, ich stehe neben mir.
Nachdem ich eine Weile im Kreis gefahren bin, finde ich einen Parkplatz an einem Eingang des Hampstead Heath, dem großen Park gleich eine Minute von meinem vorübergehenden Domizil entfern. Parken ist dort erlaubt von 10-12.0h, die maximale Parkdauer beträgt 1,5 Stunden. Es ist 9.30h und der Parkschein gilt bis 11.30h und ich laufe durch den Park und nehme mein Navi mit, da ich nicht ganz sicher bin, ob ich tatsächlich auf der anderen Seite wieder bei Dominique ankommen werde. Das Navi hat natürlich plötzlich kein Signal mehr und mein Handy kann sich hier nicht ins Netz einloggen. Als der Weg durch den Park immer länger zu werden droht und ich an einen Abzweig gelange, wo ich gefühlt lieber nach links über eine kleine Brücke gehen würde, frage ich vorsichtshalber eine junge Mutter nach der Agincourt Road und tatsächlich war mein Instinkt richtig und ich muss über die Brücke gehen und dann bin ich nach ein paar Minuten auch schon da. Vorher treffe ich jedoch noch so einen Ordnungshüter, der Strafzettel verteilt und ich frage ihn ganz freundlich, ob er mir das mit dem Strafzettel erklären könne. Und wir kommen gleich etwas länger ins Gespräch, als ich ihm sage, dass wir nicht solche teuren Strafzettel in Berlin bekommen, wenn wir falsch parken, das müsste dann schon eine Feuerwehreinfahrt sein. Beim Stichwort Berlin leuchten seine Augen und wieder habe ich eine Eintrittskarte zu einem freundlichen und vor allem respektvollen Lächeln bekommen, als wäre ich Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. In solchen Momenten hätte ich dann gern Visitenkarten, um so jemanden einfach einzuladen, mich zu besuchen, denn diese Art vermittelt mir stets den Eindruck, ich würde im New York Europas leben und dass das etwas besonderes sei, weshalb ich dann häufig das Bedürfnis habe, ihnen das echte Berlin einmal näher zu bringen – als Urberlinerin und eingesessene Kreuzbergerin, die noch zu Zeiten der Hausbesetzungen in den 1980ern hingezogen ist, fühle ich mich diesbezüglich äusserst kompetent.
Der Ordnungsmann ist wirklich sehr nett, lässt sich den Zettel zeigen und fragt, ob ich die Tüte noch hätte und ich schüttle den Kopf, woraufhin er mir eine neue gibt und erklärt, dass ich den Wagen nicht hätte umparken müssen. Ich soll ihn wieder in Agincourt Road abstellen, es gäbe heute keinen zweiten Strafzettel mehr, wenn ich diesen in der Tüte unter den Scheibenwischer klemmen würde. Ich müsste nur unbedingt in derselben Strasse parken. Außerdem erfahre ich, dass mein Strafzettel innerhalb von 14 Tagen bezahlt werden muss und dann nur 65£ kosten würde und das steigert meine Stimmung schon erheblich neben dem wirklich netten Gespräch.
Ich bedanke mich und geh erstmal zu Dominique zurück und mache mir einen neuen Tee und esse ein paar Brote, während ich ihm das Dilemma des Tages erzähle und er lacht und sagt, die Engländer seien die einzigen, die ein internationales europäisches Abkommen (angeblich als einziges EU-Land ) nicht unterzeichnet hätten, wonach Verkehrssünder über das Kennzeichen in deren jeweiligen Heimatländern strafrechtlich verfolgt werden würden. Seine Freunde aus Frankreich würden das nie bezahlen und es wäre noch nie etwas passiert. Ich bezweifle das zwar, aber sage nichts. Für mich sind das einige Stunden Arbeit, um so einen unnötigen Strafzettel zu bezahlen. Wir unterhalten uns noch eine Weile auch wegen der für den Abend anstehenden Milongas, zu denen er gehen wird und ob ich zu beiden mitkomme. Und ich weiss es einfach nicht, denn ich möchte in beide Tate Galerien gehen und habe keine Ahnung, wie kaputt ich am Abend sein werde. Und so beschließen wir, dass er mir eine Email schicken will mit der Adresse von der späteren Milonga und ich bin schon müde, wenn ich daran denke.
Nachdem ich den Wagen wieder in die Straße zurückgebracht habe, steige ich in den nächsten ankommenden Bus 24 und erinnere mich im letzten Augenblick daran, dass man hier ja den Bussen winken muss, damit sie anhalten. Die Route des Bus 24 ist so ähnlich wie unser Bus 100 oder der 200, der auch viele der Sehenswürdigkeiten in Berlin anfährt auf seiner Route. So kommen wir nochmal direkt Camden Town entlang, kreuze ich Trafalgar Square und sehe ein Stück vom Piccadilly Circus und steige kurz vor Pimlico aus und laufe zur Themse und gelange zur Tate Britain, der ursprünglichen Tate Gallery, bevor deren Ausstellungsgelände aufgrund des Umfangs der Sammlung auf ein weiteres Gebäude auf der anderen Seite der Themse hinter der South Bank ausgedehnt wurde.
Die Ausstellungen darin sind kostenfrei und das Gebäude schlicht umwerfend schön von innen wie außen. Ich genieße den Aufenthalt sehr und mache mich nach knapp zwei Stunden auf den Weg zur Tate Modern. Gleich gegenüber der Tate Britain ist eine Anlegestelle für eine Fähre die Themse entlang bis eben zur Tate Modern und obwohl ich die Überfahrt mit 6,80£ nicht billig finde, möchte ich mir dennoch diese Freude gönnen, einmal auf der Themse geschippert zu sein.
An der Tate Modern angekommen zu sein, strömen dort Menschenmassen am Ufer entlang, als wäre da ein Jahrmarkt beheimatet. Strassenkünstler versuchen ein paar Pfund zu verdienen mit Musik, akrobatischen Tänzen oder ausgefallenen Kostümen. Ich bin immer wieder überrascht, was für Ideen Menschen haben, um sich darzustellen und staune über jemanden in knallgelbem Roboteroutfit, der mir direkt aus der neueren Ausgabe des Raumschiff Enterprise entstiegen scheint.
Die Tate Modern ist übervoll mit Touristen, die Leute stapeln sich auf Sitzbänken, Schüler und Studenten scheinen in Bussen angereist und eilen emsigen Bienen gleich in kleinen Schwärmen um und im Gebäude herum und von Etage zu Etage und von Raum zu Raum zu den Kunstwerken und bestaunen diese scheinbar verständnislos wie Sehenswürdigkeiten, die man einmal sieht und dann weitergeht. Der Strom der Menschen riecht ein wenig nach Konsum und dabei gewesen sein, an anderen Stellen jedoch sitzen Menschen und scheinen tatsächlich auch die Atmosphäre zu genießen und das erinnert mich an die Stimmung bei der Reichstagsverhüllung von Christo.
Das Gebäude an sich wirkt auf mich in architektonischer Hinsicht wie eine Mischung aus den Deichtorhallen in Hamburg und der Eingangshalle des Hamburger Bahnhofs in Berlin. Der Unterschied besteht zum einen in der Größe und zum anderen darin, dass man von jeder der oberen Ebenen durch verglaste Barrieren die unterste Ebene noch sehen kann und quasi stets geneigt ist, die untere Eingangshalle mit jeder höheren Etage aus der Vogelperspektive zu betrachten, was nicht nur mir gut zu gefallen scheint. Auf der obersten Ebene kann man gleichfalls nach draußen gehen und sich die Themse ansehen und sich am Anblick der gegenüberliegenden Uferkulisse erfreuen. Wenn man nach Osten blickt, wirkt diese tatsächlich ein wenig wie Kulisse und erinnert mich sehr an die für mich eher künstlich belebte Hafencity in Hamburg, die auf stets kühl und trostlos wirkt ebenso wie hier das Themsenufer zur meiner Rechten trotz der unvergleichbaren Menge an Menschen. Beinahe direkt am Ende der Fußgängerbrücke, die zur gegenüberliegenden Seite der Themse führt, befindet sich zwischen den modernen Häuserblöcken hindurch die St. Paul’s Cathedral , wie ich gleich beim Überqueren herausfinden werde und mich freue, nach so vielen Jahren einmal wieder hier zu stehen. Leider ist sie schon geschlossen, und ich bin übersättigt von den Menschenmengen und eile zur nächsten UBahn Station , um zurück nach Camden Town zu fahren und mich für den Tangoabend vorzubereiten.
Nach einigen Umwegen und einem Imbiss erreiche ich erschöpft das Domizil von Dominique, der gottlob schon unterwegs ist und mir wie besprochen eine Email mit den Koordinaten der möglichen Milonga geschickt hat, falls ich denn nicht zu erschöpft wäre. Obwohl ich tatsächlich viel zu müde bin, mache ich mich mit dem Bus auf den Weg ins La Negracha , der – wie ich später erfahre- größten Milonga der Stadt. Die südamerikanischen Männer am Eingang sind mir als unbekannter Besucherin gegenüber eher indifferent bis unfreundlich und der Eintritt mit 12£ macht mich bereits missmutig, auch wenn es zwei Tanzflächen gibt, auf denen ich kaum gute Tänzer entdecken kann und mich frage, mit welcher Berechtigung die Leute hier eher etwas abgehoben daher zu kommen scheinen.
Nach einer halben Stunde sehe ich Dominique in Anzug mit suchendem Blick eintreten. Er trägt den Anzug vom Vorabend und mit offener Jacke und beiden Hände in den Hosentaschen läuft er Kaugummi kauend wie seinerzeit Robert Redford als der große Gatsby an der Tanzfläche entlang und einige Stufen die mir gegenüberliegende kleine Tribüne hinauf und schaut weiterhin suchend über die Tanzfläche. Ich vermeide es zu winken, weil mir das alles wie eine alberne Farce erscheint und ich innerlich lachen und nach außen lächeln muss über diesen Auftritt, mit dem ich nicht wirklich in Zusammenhang gebracht werden möchte. Ich stehe weiter an der kleinen Bär, wo ich mein wirklich überteuertes alkoholfreies Bier trinke und abwarte ,was passiert und sehe, wie er eine Frau auffordert und mich dann nach einer halben Runde entdeckt und mir eine Begrüßung von weitem mit den Augen andeutet. Ich merke, ich fühle mich nicht wohl hier und sehne mich nach dem schönen Tangonachmittag in so wirklich freundlicher Umgebung meines ersten Besuchs zurück.
Wenig später kommt Dominique zu mir herüber und wir gehen gemeinsam hinunter zu der Tanzfläche mit den modernen Tangos und er führt mich einige Tänze und dann plaudern wir noch etwas und da es schon spät ist, breche ich ein wenig zu seinem Unverständnis bald auf. Ich werde am nächsten Tag schon um 9.30h losfahren und geschätzt 12 Stunden unterwegs sein und bin schon jetzt erschöpft vom Schlafmangel und viel zu späten Zubettgehen. Ich laufe nach seiner Beschreibung zum Leicestersquare und steige dort in den Bus, der mich fast ganz bis in die Agincourt Road bringt und schlafe gegen 1.00h endlich ein.

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Camden Town

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Skulptur an der Themse

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Tate Britain

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Ansicht gegenüberliegendes Ufer Themse (von Tate Britain aus)

Eindrücke aus der Tate Britain

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22. Mai The Last Journey Leaving Cornwall

In der Nacht habe ich furchtbare Alpträume und fühle mich mit allen Traumbildern von Berlin unendlich deprimiert. Ich stehe rasch auf und dusche als erste noch ehe die anderen aufgestanden sind. Dann packe ich meine Sachen in aller Ruhe, als es an der Tür klopft und Tiffany verabredungsgemäß ruft, dass sie jetzt zum Yoga geht und wir verabschieden uns und sie lacht und sagt, dass sie heute morgen beim Aufwachen dachte, ach es regnet wieder und als ich vor zwei Tagen schon fahren wollte,hätte es auch geregnet. In meinem Gedächtnis lasse ich die Küchenszene von vor zwei Tagen Revue passieren und erinnere die Regentropfen auf dem Fenster nun auch.
Dann bedanke ich mich bei ihr und entschuldige mich für das Hin und Her mit der Situation, obwohl ich es gar nicht müsste. Doch ich schäme mich für meine Unentschlossenheit, in der ich gerade stecke und sie wirkt nach wie vor irritiert und ich kann es nicht ändern und will es auch nicht. Wir verabschieden und umarmen uns kurz.
Dann geh ich runter und mache mir Brote und bereite alles für die Abreise vor, während Ian und Sam in Ruhe frühstücken und sam irgendwelche Dinge vorbereitet. Am Abend zuvor hatte ich David schon zugesagt, ihn nach Penzance zum Zug mitzunehmen, denn auch er reist heute ab.
Es ist dann doch noch viel mehr zu tun und die Zeit dehnt sich aus. Sam muss los zur Arbeit, verabschiedet sich von uns beiden sehr herzlich und drückt mir einen Umschlag in die Hand und umarmt mich und sagt: ‚So ist das Wetter im Übrigen normalerweise hier‘ und lächelt mich an.
Ian verabschiedet sich einige Minuten später auch und David und ich bleiben allein zurück und trinken noch in Ruhe Tee. Ich muss noch einige Telefonate erledigen, z.B. den Termin beim Jobcenter absagen, die Fähre umbuchen und ich möchte unbedingt noch bei Chris vorbei und mich persönlich verabschieden und schicke ihr eine SMS, ob sie denn zuhause sei. David ist so nett und sagt den Termin beim Jobcenter für mich ab. Die Reservierungsnummer solle ich jedoch aufbewahren für den Fall, dass ich doch noch eine National Insurance Number benötigen würde.
Ich schreibe noch einen Zettel für Sam und Tiffany und bedanke mich bei ihnen für ihre Gastfreundschaft und lege Ihnen passend zum Ambiente eine Tafel Organic Dark Chocolate und mein letztes Glas vegetarischen Brotaufstrich dazu.
Im Umschlag von Sam war eine hübsche Karte mit einer Blumenwiese darauf, in der sie mir alles Gute wünscht für den Rest meiner Reise und zur Erinnerung hat sie mir die kleine Landkarte der direkten Umgebung beigefügt. Ich bin sehr berührt von der Geste, denn mit dieser kleinen Karte begann mein erster Schritt in die Umgebung.
David und ich brechen auf, es regnet noch immer in Strömen, was mir den Abschied ehrlich gesagt erleichtert. Auf dem Weg zu Chris stelle ich fest, dass ich einige von den Silberkügelchen aus dem Ring verloren habe und zeige es David und versuche ihm in Ermangelung entsprechender englischer Fachbegriffe das physikalische Problem zu erklären, das sich durch die Verkleinerung des Rings ergeben hat. Ich bin frustriert, dass sich der Ring äusserlich aufzulösen beginnt. Ich weiss, ich sollte nicht so symbolisch denken, aber es fühlt sich einfach nach erneutem Verlust, nach zwangsläufig dem nächsten Schritt – nach Loslassen müssen, aber nicht wollen an. Ich habe einmal in einem Film den Satz gehört: Nicht das Loslassen, das Festhalten tut so weh Und das stimmt, dennoch scheint es so schwer zu fallen.
Wir erreichen das Haus von Chris nach zwanzig Minuten und sie bittet uns hinein und bietet uns Tee an, während ihr Hund und der ihrer Tochter um uns herumspringen und um die Gunst unserer streichelnden Hände buhlen.
Wir setzen uns und ich erzähle, weshalb ich nun doch früher weg müsste und zeige ihr meinen englischen Lebenslauf, den David für mich aufpoliert hat und sie findet ihn sehr gut.
Ich zeige ihr den Ring mit der Frage, ob eine erneute Reparatur noch möglich sei. Sie wirkt bestürzt und ich höre, wie sehr es ihr leid tut als sie sagt, dass sie das befürchtet habe, dass alles aufbricht dadurch, dass sie den Ring kleiner machen musste. Sie fragt, ob ich ihn dalassen könnte und ich schüttle traurig den Kopf und sage, ich würde ihn lieber mitnehmen wollen. Ich möchte doch Zora bei mir haben, denke ich und die Erschaffung dieses besonderen Schmuckstücks war schon sehr besonders für uns beide. Alternativ könnte ich etwas Asche hier lassen, damit sie einen neuen Ring anfertigen kann, denn dieser hier ließe sich nicht mehr reparieren. Ich hole die rote Kiste mit der Asche aus dem Auto, während Chris ihren Mann Keith bittet, diese noch einmal zu öffnen und etwas Asche zu entnehmen in ihrer Werkstatt. Für mich ist das ok, ich habe den Eindruck, Zora würde sich hier wohlfühlen und so überlasse ich Keith vertrauensvoll die Asche.
Indes sitzen wir drei weiter zusammen inzwischen mit Olivia, der Enkelin, die sich dazugesellt hat.
Chris hört David aufmerksam zu, den sie nach seinem Studium gefragt hat.
Und dann zeigt uns Chris das Fotoalbum, in dem die Fotos sind von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn und Olivia, die der Queen die Hand schüttelt sowie dem Prinz of Whales. Die Fotos sind gestochen scharf, obwohl sie sie mit dem Iphone aufgenommen habe, wie sie stolz erklärt. Und ganz ehrlich bin auch ich beeindruckt von der Queen so nah und persönlich auf dem Foto mit der kleinen Olivia. Wenn ich es nicht gewusst hätte, würde ich vermutet haben, es sei eine sehr gute Fotomontage.
Die Zeit ist nun sehr fortgeschritten und Keith kommt auch mit der Asche zurück, als ich David bedeute, dass wir langsam losfahren müssten, um seinen Zug pünktlich zu erreichen.
Chris gibt mir erneut mit auf den Weg, dass ich nicht vergessen solle, dass ich nun hier eine Familie hätte und jederzeit willkommen sei. Ich bedanke mich und umarme sie herzlich, wenngleich ich nicht wage, in diesen Abschied hineinzuspüren aus Angst, wieder weinen zu müssen.
Nun sind wir wirklich spät dran und ich hetze die schmale serpentinenartige Strasse gefährlich schnell nach unten, um David pünktlich zum Zug zu bringen und ärgere mich über unsere Trödelei, weil ich lieber entspannt nach Penzance fahren wollte. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig und verabschieden uns eher nüchtern, obwohl wir doch einige Dinge miteinander geteilt haben in den vergangenen Tagen. Merkwürdig, denke ich, man weiss einfach niemals, was ein anderer Mensch wirklich denken mag.

Es regnet noch immer und ich fahre schnell zur Tankstelle und noch in den Supermarkt, um Dominique in London eine Flasche Merlot mitzubringen. Dann geht die Reise wirklich los und nun muss ich doch weinen, zusammen mit dem Regen, der immer stärker auf die Autoscheiben peitscht.

BBC 2 ist mein neuer Lieblingssender, denn er schickt mich wieder zurück in meine Jugend mit all den Titeln, die ich noch heute mitsingen kann. Der Regen ist teilweise so heftig, dass ich kaum mehr als 70/80 kmh fahren kann. Und dann kurz hinter Exeter reist die Wolkendecke auf, als hätte ein heftiger Wind sie einfach weggeblasen und ich sehe die Sonne und den blauen Himmel und freue mich über das Wechselspiel zwischen tiefhängenden dunkelgrauen Regenwolken und der Sonne, die weit dahinter wie ein Lichtstrahl einen schmalen Streifen am Horizont unter den Wolken erhellt. Die Landschaft erlangt durch dieses intensive Licht eine Tiefe wie bei einem Gewitter und ich muss an die Bilder Friedrich Schinkels denken und stelle mir vor, wie er hier inspiriert von der Landschaft und dem Wetter gemalt hat. Ich erinnere mich an die Bilder in der Schinkelausstellung im vorletzten Jahr im Kulturforum, die ich mindestens fünfmal besuchte und jedes Mal wieder neue Details entdecken konnte.

Gegen kurz vor fünf erreiche ich Stonehenge, wieder zu spät für einen Einlass, der noch lohnen würde, denn der Fussweg beträgt 30 Minuten und ich müsste mich schnell entschließen und könnte für insgesamt fast 15 £ Eintritt ich mit der letzten Minibahn rüberfahren und eine Stunde später käme ich zurück, doch ich bin viel zu müde und entscheide, lieber weiterzufahren und endlich anzukommen.

Ich habe den Eindruck quer durch Somerset zu fahren durch diese wunderschöne hügelige Landschaft mit kleinen englischen Farmen. Alles wirkt so ordentlich und gemütlich aber weniger bürgerlich. Bis London verfahre ich mich noch einmal, als Schloss Windsor ausgeschildert ist und ich dem Schild neugierig folge und am Bedford College lande nach einer weiteren Umgehung und das Gefühl habe, noch lange hierbleiben zu wollen, um alles ansehen zu können.

Nach einer weiteren Stunde erreiche ich London und bis ich Hampstead Heath erreiche, ist es bereits fast 21.00h und ich bin nach beinahe 8 stündiger Reisezeit total erschöpft.

Dieser nördliche Teil von Camden Town ist sehr schön, alte Häuser, nette Läden, es wirkt sehr ansprechend Ich freu mich auf den nächsten Tag, um die Gegend zu erkunden und muss früh aufstehen, um den Wagen aus der Anwohnerzone rechtzeitig zu entfernen. Und so geh ich lieber zu Bett, anstatt mit Dominique zu einer Milonga aufzubrechen, wie er mir bei meiner Ankunft vorschlägt.
Kurz vor Mitternacht schlafe ich traumlos ein.

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